Fußball

Cottbus und Hansa neutralisieren sich: Fans wissen mit Punkt nichts anzufangen

Nullnummer im Topspiel: Energie Cottbus und Hansa Rostock lassen Punkte liegen – und sorgen damit für neue Spannung im engen Aufstiegsrennen der 3. Liga.

Matthias Koch
6 Min
Für Maximilian Krauß (l.) war das Spiel im Trikot des FC Hansa Rostock gegen Energie Cottbus auch eine Rückkehr an die ehemalige Wirkungsstätte.

Für Maximilian Krauß (l.) war das Spiel im Trikot des FC Hansa Rostock gegen Energie Cottbus auch eine Rückkehr an die ehemalige Wirkungsstätte.

© Matthias Koch/Imago

Bis zum Schlusspfiff hatten die 18.359 Zuschauer im Cottbuser Stadion für eine heiße Atmosphäre bei der Drittliga-Partie zwischen dem FC Energie und dem F.C. Hansa Rostock gesorgt. Doch als Schiedsrichter Felix Prigan aus Deizisau in Baden-Württemberg das umkämpfte Geschehen nach einer fünfminütigen Nachspielzeit beendete, herrschte erst einmal Totenstille in der sonnengefluteten Heimstätte der Cottbuser.

Nach dem torlosen Remis im Spitzenspiel des Tabellenzweiten gegen den Vierten konnten sowohl die Heim-Fans als auch die knapp 2000 mitgereisten Hansa-Anhänger mit dem einen Zähler nicht so richtig etwas anfangen.

Hansa Rostock ist mit dem Punkt nicht unzufrieden

Auch bei den Aktiven wollte kein Jubel ausbrechen. „Es war wie ein Patt. Beiden Mannschaften hat man angemerkt, dass viel auf dem Spiel stand. Für uns ging es auch darum, Cottbus in der Tabelle nicht zu weit wegziehen zu lassen. Natürlich war das mit der Hoffnung verbunden, dass wir den Rückstand verkürzen können“, sagte der Rostocker Kapitän Marco Schuster. „Wir hatten die Chancen dazu, das auch zu tun. Wir haben vorn das Tor nicht gemacht, aber wenigstens zu Null gespielt. Deswegen sind wir nicht unzufrieden, aber natürlich nicht zu 100 Prozent zufrieden.“

Ähnlich sah es auch der Cottbuser Spielmacher Tolga Cigerci, der in seinem 28. Meisterschaftsspiel der beeindruckenden Bilanz von 13 Treffern und 14 Vorlagen diesmal nichts Zählbares hinzufügen konnte. Dafür stand die Hintermannschaft der Rostocker zu gut. Die aktuell 31 Gegentreffer der Hanseaten werden nur von Tabellenführer VfL Osnabrück (25) unterboten.

„Wir reden über Hansa Rostock, das ist ein super Gegner. Man hat gesehen, dass beide Mannschaften einigermaßen versucht haben, Fußball zu spielen. Vielleicht lag es auch an der englischen Woche, dass hinten die Luft gefehlt hat“, sagte Cigerci. „Vielleicht hatte es mit der Sonne zu tun, ich habe keine Ahnung. Aber nichtsdestotrotz ist es ein Punktgewinn und wir müssen glücklich darüber sein.“

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Rostock überstand nach dem 3:2-Sieg gegen Rot-Weiss Essen und dem 3:1-Erfolg gegen den TSV Havelse auch den dritten Auftritt der englischen Woche ohne Niederlage. Hansa-Trainer Daniel Brinkmann, der es als Spieler in den Serien 2012/13 und 2013/14 auf sechs Zweitligaspiele und ein Tor für Energie Cottbus gebracht hatte, bezeichnete die Begegnung als „intensiv, aber nie unfair“. Beide Mannschaften hätten kontrolliert gewinnen wollen, „jedoch nicht mit dem allerletzten Risiko“, so der Trainer.

Erster Punkt für Daniel Brinkmann gegen Energie Cottbus

Immerhin konnte Hansa unter Brinkmann nach drei 1:3-Niederlagen im direkten Vergleich mit der Energie-Elf von Trainer Claus-Dieter Wollitz erstmals überhaupt punkten. Es war sogar mehr möglich. Denn bei zwei Gelegenheiten von Maximilian Krauß (33.) und des eingewechselten Christian Kinsombi (83.) hätte es eigentlich im Kasten des Cottbuser Torhüters Marius Funk einschlagen müssen.

Speziell ein Treffer des auffälligen Krauß hätte die Heimfans wohl richtig auf die Palme gebracht. Der frühere Cottbuser Publikumsliebling wurde bei jedem seiner Ballkontakte gnadenlos ausgepfiffen. Die Energie-Anhänger werden ihm den Wechsel nach Rostock im vergangenen Sommer wohl nie verzeihen.

Krauß hatte am Ende der Saison 2024/25 wenige Tage vor dem Cottbuser Auftritt am vorletzten Spieltag in Rostock einen Vertrag bei Hansa unterschrieben. Das empfand Energie-Trainer Claus-Dieter Wollitz als „respektlos“. Wollitz suspendierte Krauß deshalb für die letzten beiden Partien. Seitdem ist der Oberfranke Krauß, der früher auch schon für Bayern Hof, den 1. FC Nürnberg II und den FC Carl Zeiss Jena spielte, in Cottbus eine Persona non grata.

Das Sicherheitskonzept der Polizei funktionierte beim Hochsicherheitsspiel zwischen Energie Cottbus und dem FC Hansa Rostock sehr gut.

Das Sicherheitskonzept der Polizei funktionierte beim Hochsicherheitsspiel zwischen Energie Cottbus und dem FC Hansa Rostock sehr gut.

© Matthias Koch/Imago

Krauß, der in Rostock kein Stammspieler ist, schien die ungemütliche Atmosphäre bei seiner erstmaligen Rückkehr in die Lausitz aber eher anzustacheln. Zumal der Offensivmann von Beginn an ran durfte. „Ich habe mich gefreut, zurückzukommen. Ich besitze hier noch sehr viele Freunde und viele schöne Erinnerungen an ein tolles Stadion. Ich weiß, dass die Fans sauer auf mich sind. Das ist völlig gut“, sagte Krauß. „Aber ich mag die Anhänger und den Verein trotzdem. Ich würde es als emotionales Wechselbad bezeichnen. Ganz ehrlich, wir hätten gern drei Punkte mitgenommen.“

Cottbus kann mit dem Remis besser leben, auch wenn das verletzungsbedingte Ausscheiden von Tolga Cigerci (26.) und Dominik Pelivan (80.) sowie die Gelb-Rote Karte für Lukas Michelbrink (90./+1) für Reibungsverluste sorgten. Die seit zehn Begegnungen ungeschlagene Mannschaft verbleibt auf Rang zwei, der am Saisonende den Aufstieg in die 2. Bundesliga mit sich bringen würde. Am Freitag (19 Uhr) soll bei der im Mittelfeld angesiedelten Vertretung von Alemannia Aachen weiter gepunktet werden. „Bisher machen wir es gut. Wir haben es in der eigenen Hand. Mehr Selbstvertrauen kann ich gar nicht kriegen“, sagte Wollitz.

Polizei mit sehr gutem Sicherheitskonzept

Hansa hingegen bleibt in der Spur der aussichtsreichen Verfolger. Schon am kommenden Sonnabend (14 Uhr) daheim gegen den MSV Duisburg und am 20. März (19 Uhr) beim SV Wehen Wiesbaden müssten allerdings auch die nächsten Spitzenspiele erfolgreich bestritten werden, um in Schlagdistanz zu bleiben. „Unser Ziel ist einfach, dass wir oben näher heranrutschen, auch an die ersten beiden Plätze. Ich freue mich auf Duisburg zu Hause. Unterm Strich muss man dann klar sagen, das müssen wir gewinnen“, erklärte Chefcoach Brinkmann.

Einen Punktsieg haben zumindest all jene errungen, die das Sicherheitskonzept für die Partie in Cottbus auf den Weg gebracht haben. Maik Kettlitz, Sprecher der Brandenburger Polizeidirektion Süd, resümierte am Sonntagmorgen, dass es auch bei der An- und Abreise der Zuschauer keine Vorfälle gegeben habe.

Das Aufgebot der Polizei rund um den gesperrten Cottbuser Stadtring war mit zwei Wasserwerfern, rund 40 Halbgruppenwagen, mehreren Hundertschaften an Beamten und einer Pferdestaffel aber auch ziemlich gewaltig. Die strikte Fantrennung zahlte sich aus. Es blieb bei verbalen Scharmützeln. Nur kurz nach dem Schlusspfiff war auch davon erst einmal nichts mehr zu hören.

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