Mario Basler ist nicht als Mann der leisen Töne bekannt. Umso erstaunlicher, was der Europameister von 1996 jetzt vom neuen Bundestrainer Jürgen Klopp verlangt: Geduld.
„Lass uns einfach mal jetzt zwei Jahre lang einen Aufbau starten. Und wenn wir halt bei der Europameisterschaft im Achtelfinale rausfliegen, dann fliegen wir halt raus“, sagt der 57-Jährige in der neuen Folge von „Basler ballert“, dem Podcast, den er mit Oliver Dütschke aufnimmt. Das Fußballportal FeverPitch hat die Folge ausgewertet.
Das klingt bescheiden. Ganz so bescheiden ist es nicht.
EM-Achtelfinale: Die Hürde liegt niedrig
Im EM-Modus mit 24 Mannschaften ziehen 16 ins Achtelfinale ein, sogar vier Gruppendritte kommen weiter, wie die Stuttgarter Zeitung erklärt. Um im Achtelfinale rauszufliegen, muss man also erst einmal die Vorrunde überstehen.
Bei der Heim-EM 2024 schaffte Deutschland es sogar ins Viertelfinale und scheiterte erst in der Verlängerung an Spanien.
WM-Aus gegen Paraguay: Dreimal in Folge vor dem Achtelfinale Schluss
Bei Weltmeisterschaften sieht die Bilanz deutlich trüber aus. Nach den Vorrunden-Pleiten 2018 und 2022 flog das DFB-Team im Sommer in Nordamerika schon im Sechzehntelfinale raus, im Elfmeterschießen gegen Paraguay.
Damit verpasste Deutschland das WM-Achtelfinale zum dritten Mal in Folge, wie der ORF nachzählte. Julian Nagelsmann trat wenige Tage später zurück.
Gemessen daran klingt Baslers Worst Case fast wie ein Aufstieg.
Basler sagte Klopps Amtsantritt schon im Juni voraus
Dass Klopp überhaupt Bundestrainer ist, hatte Basler früh kommen sehen. Mitten in der WM kündigte er im Sport1-„Doppelpass“ einen neuen Bundestrainer ab September an, und zwar Jürgen Klopp, berichtete sport.de. Nagelsmann hatte damals noch Vertrag bis 2028.
Klopps DFB-Kader: 44 Spieler, 16 ohne Länderspiel
Inzwischen hat der 59-Jährige seinen ersten Kader vorgestellt, genau genommen zwei. 44 Spieler hat er für vier Nations-League-Partien berufen, 16 von ihnen ohne Länderspiel, wie t-online auflistete. Nach dem zweiten Spiel wird fast komplett durchgewechselt.
Basler gefällt das. Für ihn zeigt der Kader, dass unter Klopp nur noch Leistung zählt.
Sané und Baumann: Wer bei Klopp fehlt
Am härtesten urteilt Basler über Leroy Sané, der inzwischen bei Galatasaray spielt: „Das Pressen nach vorne, das kann Sané nicht.“
Klopp selbst blieb diplomatischer. Sané habe in der Saison „noch nicht wirklich Fuß gefasst“, sagte er laut kicker. Angerufen hat er ihn bisher nicht, solche Gespräche bräuchten Substanz und nicht bloß ein „Hi, wie geht’s?“.
Mitgefühl hat Basler mit Oliver Baumann. Nagelsmann hatte den Hoffenheimer kurz vor der WM für den zurückgeholten Manuel Neuer zur Nummer zwei gemacht, bei Klopp fehlt er nun ganz. „Er hat innerhalb von drei Monaten zwei Enttäuschungen erlebt“, sagt Basler. Klopps Entscheidung hält er trotzdem für richtig.
Baumann selbst hofft weiter. Klopp habe „die Tür nicht zugemacht“, sagte er bei DAZN, wie die Deutsche Presse-Agentur meldete.
Niederlande gegen Deutschland: Verlieren erlaubt
Vor Klopps Debüt am Donnerstag in Amsterdam gibt Basler keinen Tipp ab, denn „die Nations League interessiert wirklich keinen Menschen auf dieser Welt“. In Holland dürfe man ruhig verlieren.
Pikant ist die Partie trotzdem. Klopps Nummer eins Marc-André ter Stegen steht seit dieser Saison bei Ajax unter Vertrag, und gespielt wird in dessen Arena, berichtet die Sportschau. Der deutsche Torwart hat also Heimspiel beim Gegner.
Baslers Maßstab für Klopp
Am Ende misst Basler den Neustart an einem einzigen Gefühl: „Ich möchte eine Nationalmannschaft sehen, wo ich sage: Ich freue mich auf das Spiel.“
Vorfreude auf ein Länderspiel: Nach drei verkorksten Weltmeisterschaften klingt das fast schon utopisch.
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