Als die deutschen Sommermärchen-Fußballer nach ihrem dritten Platz bei der WM am Brandenburger Tor vor ihre Fans traten, trugen sie T-Shirts mit dem Aufdruck "Danke Deutschland". Sie wussten: Ohne die Millionen von Menschen, die ihnen in den Wochen zuvor die Daumen gehalten und mitgefiebert hatten, wäre aus dem Kicker-Turnier vielleicht gar kein heißes Sommermärchen, sondern nur eine lauwarme Kurzgeschichte geworden.Unsere Nationalfußballer rückten mit ihren T-Shirts eine fast vergessene Tugend in den Blickpunkt der Öffentlichkeit: Dankbarkeit. Man findet sie ja heute nicht mehr allzu oft, bei Kindern, die Geschenke wie Gameboy und PC-Spiel für selbstverständlich und völlig angemessen halten, ebenso wenig wie bei den Intendanten öffentlich-rechtlicher Rundfunksender, denen es mit ihren Rundfunkgebühren ganz genau so geht. Sie haben sogar vor dem Bundesverfassungsgericht Beschwerde gegen die letzte Gebührenvergabe eingereicht, die niedriger ausfiel als gedacht. "Danke für die Milliarden", das sagt niemand von ihnen.Fünf RadiospotsNiemand? Falsch. Seit kurzem werden die Hörer der beiden Programme des Deutschlandradios geradezu mit Dank überschüttet. Kein geringerer als Senderchef Ernst Elitz schaltet sich zwischen zwei Sendungen immer mal wieder ein, um den Menschen an den Empfangsgeräten ein herzliches "Dankeschön" zuzurufen. Und dabei war das Deutschlandradio doch der einzige Sender, der bei der Erhöhung vor zwei Jahren leer ausging."Ohne den Beitrag der Gebührenzahler wären wir nichts", weiß aber Ernst Elitz und hat zum Dank fünf einmütige Radiospots aufgenommen, die Deutschlandfunk und Deutschlandradio Kultur nun regelmäßig ausstrahlen. Darin erzählt der Intendant, was das Deutschlandradio so alles macht und kann, dass es junge Musik fördert und Korrespondenten in die Welt schickt, dass seine Redakteure interessante Interviews führen und seine Autoren spannende Hörspiele schreiben. Die Spots sind pfiffig gemacht, und am Ende sagt Elitz dann so etwas wie: "Das alles finanzieren Sie, liebe Hörerinnen und Hörer, mit ihren Rundfunkgebühren. Und dafür danke ich ihnen."Vorbild Ernst ElitzDas Beispiel sollte rasch Schule machen. Vor der nächsten "Traumschiff"-Folge könnte etwa ZDF-Intendant Markus Schächter auftreten und sagen: "Danke für Ihr Geld, mit dem wir einer Reihe gut bezahlter Schauspieler Reisen in die Karibik, Südafrika und nach Fernost finanzieren". Oder ARD-Programmchef Günter Struve könnte vor der nächste Sendung mit Harald Schmidt erklären: "Besten Dank, liebe Zuschauer. Ohne Ihre Gebühren könnten wir uns nur Jörg Pilawa und Florian Silbereisen leisten." Oder NDR-Intendant Jobst Plog am Sonntag vor "Christiansen": "Wenn Sie nicht so fleißig Gebühren zahlen würden, müsste ein grauhaariger ARD-Redakteur die Sendung moderieren. Schönen Dank auch."Bitte sehr, liebe Intendanten.
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