Lila und grün, so malt der britische Altstar der Bildkunst, David Hockney schon seit Jahren mit Vorliebe die Bäume seiner Heimat Yorkshire. Als wähle er die Farben Grün für die Hoffnung und Lila als „letzten Versuch“. Das Berliner Kunstpublikum konnte das 2022 in den vier riesigen Jahreszeiten-Gemälden des Engländers in der Berliner Gemäldegalerie am Kulturforum sehen – zwischen den altmeisterlichen Bildern der Kunstgeschichte.
Jetzt überrascht der weltweit Gefragte und Gefeierte mit einer großen Weihnachtsshow am Ufer der Themse. Wieder einmal beweist der alte Maler sein unglaubliches Gespür für saisonale Stimmungen, für Schönheit und Immersion: An der Londoner Battersea Power Station, einem vormaligen Kohlekraftwerk an der Themse, leuchten weithin zwei gigantische Weihnachtsbäume des 86-Jährigen, Lila und Grün. Die jeweils zehnminütige Animation „Bigger Christmas Trees“ entstand auf einem iPad und wird bis zum End der Weihnachtsfeiertage Abend für Abend nach Einbruch der Dämmerung an die Fassade des größten industrie-historischen Ziegelgebäudes Europas projiziert.
Abermals also führt uns der derzeit berühmteste lebende britische Maler vor, wie er mit Nähe und Ferne und dem (öffentlichen) Raum meisterhaft illusionistisch zu spielen vermag. Der Kette rauchende und mittlerweile fast ertaubte Künstler war schon in den 1960er Jahren „Darling“ der Londoner „Young Generation“, der um 1960 den Wehrdienst verweigerte, was zu dieser Zeit als ungehörig und exzentrisch galt. In seinen „Love Paintings“ wie in den späteren intimen, schwulen kalifornischen Swimmingpool-Bildern bekannte er sich zur offen gelebten Homosexualität. In den Siebzigern zog er nach Kalifornien, um 2000 kehrte er ganz nach England zurück aus den USA: Mit seinem very britischen Humor erkläre er das so: In Amerika könne er ja nicht mehr öffentlich rauchen!
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Hockney versteht seine Bilder als Oden an das Leben und an die Lust und als illusionistisches Freilufttheater. Vor allem aber straft seine Malerei das lächerliche Gerede vom Tod der alten Königsdisziplin Lügen. Er ist schließlich das beste Beispiel dafür, wie lebendig die Malerei auch im Zeitalter des Digitalen ist. Gerade, wenn sie dieser digitalen Welt als analog gemalte Vorlage dient. Er nutzt die Technik schließlich weidlich für sich: Seit Jahren zeichnet Hockney zunächst mit dem Daumen auf dem iPhone, später mit Grafikstift auf dem iPad. Er wolle, das sagt er gern zwischen zwei Zügen aus der Pfeife, ja schon immer Wirklichkeit und Fiktion miteinander verschmelzen.
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