Der Erfolg der PDS bei der Europawahl hat in der Berliner SPD eine Diskussion über die Strategie für die Abgeordnetenhauswahl ausgelöst. Wie berichtet, stabilisierte sich die PDS im Ostteil mit 40,9 Prozent als stärkste Partei. Die SPD kam in Ost-Berlin nur auf 21,9 Prozent, die CDU auf 20,1 Prozent und die Grünen auf 7,9 Prozent."Im Osten nichts Neues", kommentierte der ehemalige Jugendsenator und Bundestagsabgeordnete, Thomas Krüger (SPD), aus Prenzlauer Berg, den PDS-Erfolg. Auch im Ostteil hätten sich Stammwähler herausgebildet. Diesen PDS-Block könne die SPD nur aufbrechen, wenn sie "eine wirkliche Alternative" biete. "Der PDS-Wählerstamm ist relativ stabil", sagte auch der SPD-Kreisvorsitzende aus Lichtenberg, Andreas Geisel. Sicherlich könne man einzelne PDS-Wähler noch mit Argumenten überzeugen, die Mehrzahl jedoch nicht. Diese würden die PDS "weniger aus politischen Gründen als wegen ihrer Biographie wählen", so Geisel. Auch der SPD-Kreisvorsitzende aus dem Bezirk Friedrichshain, wo die PDS mit 44,1 Prozent weit vor der SPD (19,5 Prozent) lag, geht von einer PDS-Stammwählerschaft von rund 20 Prozent aus. "Die kriegen wir nicht", sagte Frank Lewitz. Die PDS sei aufgrund ihrer Mitgliederstärke in den östlichen Bezirken viel präsenter als die SPD. Lewitz: "Wir haben 280 Mitglieder, die PDS in Friedrichshain rund 2 000." Die PDS sei in jedem Verein oder den Seniorengruppen präsent. Die Menschen hätten deshalb das Gefühl, daß die PDS ihre Sorgen ernster nehme als die anderen Parteien.Nach dem deutlichen PDS-Wahlerfolg mehren sich in der Berliner SPD nun die Stimmen, die im Wahlkampf die sozialen Themen in den Vordergrund stellen wollen. "Mit Haushaltskonsolidierung kann man im Osten weniger Punkte machen als im Westen", sagte SPD-Vorstandsmitglied Matthias Linnekugel. Die Frage der sozialen Gerechtigkeit sei gerade im Ostteil von zentraler Bedeutung. "Die SPD muß soziale Fragen und die Bekämpfung der Arbeitslosigkeit in Ost-Berlin zu den zentralen Themen machen", sagte auch Lewitz.Darüber hinaus sprechen sich führende SPD-Vertreter dafür aus, den SPD-Spitzenkandidaten Walter Momper mehr herauszustellen. Dieser sei als ehemaliger Regierender Bürgermeister mit dem roten Schal in Ost-Berlin sehr bekannt. "Momper hat die Einheit angefangen, nun muß er sie zu Ende bringen", sagte der Kreuzberger Kreischef Andreas Matthae. Dem Regierenden Bürgermeister Eberhard Diepgen (CDU) sei es nicht gelungen, die Einheit zu vollenden.Trotz des klaren PDS-Erfolgs will die SPD-Spitze den Ostteil Berlins nicht verloren geben. "Die SPD ist in beiden Teilen der Stadt verankert und muß daran wieder anknüpfen", sagte SPD-Fraktionschef Klaus Böger. Auch Böger sprach sich dafür aus, Momper mehr herauszustellen. Er besitze mehr Wirtschaftskompetenz als Diepgen und sei außerdem im Ostteil Berlins beliebter als Diepgen. Der SPD-Vizechef Klaus-Uwe Benneter forderte seine Partei auf, sich noch deutlicher für einen Wertausgleich zwischen den Bezirken einzusetzen. Dies gelte auch für Ost- und West-Berlin.
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