Aufruf zum Boykott

Kunden fordern Abgrenzung zur AfD: Drogeriekette dm unter Druck

Der Konkurrent Rossmann tritt aus einem Verband aus, weil er die Haltung zur AfD nicht teilt. Dies wird nun auch von dm gefordert, doch die Drogeriekette geht einen anderen Weg.

3 Min
Die Drogeriekette dm steht derzeit wegen einer Brandmauer-Debatte unter Druck.

Die Drogeriekette dm steht derzeit wegen einer Brandmauer-Debatte unter Druck.

© Arnulf Hettrich/imago

In der Debatte um die veränderte Haltung des Verbands Die Familienunternehmer gegenüber der AfD hat Kritik an der Drogeriekette dm geregt. Während die Drogeriemarktkette Rossmann ihre Mitgliedschaft im Verband kündigte und mitteilte, die Haltung des Verbands nicht zu unterstützen, will der Chef der dm-Drogeriemärkte einen anderen Weg gehen.

Gegenüber der Süddeutschen Zeitung sagte Christoph Werner, grundsätzlich halte er es für statthaft, Parlamentarier aller im Bundestag vertretenen Parteien zu einem Parlamentarischen Abend einzuladen.

dm-Chef zur AfD: Halte „Diabolisierung für wenig hilfreich“

Und weiter: „Statt permanent über andere Parteien zu sprechen, sollten sich die politischen Verantwortungsträger in der Tiefe mit den Anliegen der Bürgerinnen und Bürger beschäftigen und Lösungen anbieten, die überzeugen und wirksam sind“, fügte er hinzu.

Für diese Aussagen wurde Werner scharf kritisiert. „Seit der Veröffentlichung erreichen uns teilweise sehr empörte Zuschriften, die uns unter Verdrehung der Tatsachen unterstellen, mit einer bestimmten Partei zu sympathisieren.“

Die Drogeriekette werde aufgefordert, Statements abzugeben, aus bestimmten Organisationen auszutreten und die Vorgehensweise anderer Unternehmen zu übernehmen. Er selbst halte eine „Diabolisierung für wenig hilfreich“, so Werner. Die politische Auseinandersetzung müsse „differenziert über Inhalte geführt werden“.

Gegenüber dm finden sich in den sozialen Medien mittlerweile Boykottaufrufe. Unter den aktuellen Beiträgen der Drogeriekette beispielsweise auf Instagram finden sich zahlreiche Kommentare, die eine Abgrenzung des Unternehmens gegenüber der AfD fordern.

Unter einem eigenen Instagram-Beitrag kommentierte das Unternehmen: „An der Entscheidung des Verbands der Familienunternehmer waren wir nicht beteiligt.
Für dm gilt: Vielfalt ist für uns Ausdruck von Diversität und die Grundlage für eine lebendige, liberale Demokratie. Ausgrenzung und Diskriminierung haben bei uns keinen Platz – wir lehnen solche Tendenzen in Gesellschaft und Politik entschieden ab“. Doch genau an diesem Statement gibt es ebenfalls Kritik.

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Wegen Haltung zur AfD: Auch Vorwerk kündigt Mitgliedschaft in Verband

„Es ist die Zeit, sich klar gehen Rechts zu positionieren. Nach über 25 Jahren als Kundin bin ich jetzt hier raus!“, kommentierte eine Nutzerin. „Wer sich nicht klar gegen Rassismus positioniert, der steht auch nicht für Toleranz und Vielfalt“, eine andere.

Neben Rossmann kündigte auch Vorwerk an, die ohnehin ruhende Mitgliedschaft im Verband der Familienunternehmer zu kündigen. „Vorwerk distanziert sich von den Aussagen des Verbands ‚Die Familienunternehmer‘ zum Umgang mit der AfD“, teilte der Hausgerätehersteller am Mittwoch mit.

Verdi-Chef Frank Werneke forderte derweil Arbeitgeber- und Wirtschaftsverbände zu einer klaren Positionierung auf. Der Verband unter Präsidentin Marie-Christine Ostermann drohe, „endgültig nach rechts abzudriften“, sagte Werneke den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. „Die Geschichte mahnt, wie wichtig eine klare Abgrenzung der Wirtschaft gegenüber Rechtsextremen ist.“ Er verwies dabei auf historische Parallelen zur Unterstützung der NSDAP durch Industrielle im Jahr 1933. „Also: Wehret den Anfängen!“, sagte er. Auch Anja Piel aus dem Vorstand des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB) forderte die Mitgliedsunternehmen des Verbands auf, sich klar hinter die Brandmauer zur AfD zu stellen. (mit dpa)

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