WITTSTOCK. Verteidigungsminister Peter Struck (SPD) will keine lange Diskussionen mehr über den in der Kyritz-Ruppiner Heide geplanten Luft-Boden-Schießplatz. Das sagte er bei seinem Besuch am Donnerstag in Wittstock. Im großen Saal des Rathauses hatte sich der Minister zuvor fast zwei Stunden lang - doppelt so lange wie ursprünglich geplant - die Argumente der Befürworter und Gegner des so genannten Bombodroms angehört. Gut drei Dutzend Lokalpolitiker und Vertreter der drei Bürgerinitiativen waren zu dem Gespräch geladen. Er werde das Gehörte noch einmal ausführlich prüfen und dann binnen sechs bis acht Wochen entscheiden, sagte Struck anschließend. Demnach ist mit einer Entscheidung im Juli zu rechnen. Klarheit sei wichtig für die Region, sagte der Minister. Zu seiner zehn Jahre zurückliegenden Forderung an den damaligen CDU-Verteidigungsminister Volker Rühe (CDU), auf die militärische Nutzung des Areals zu verzichten, ging Struck nicht ein."Es war deutlich zu erkennen, dass Struck den Truppenübungsplatz wieder in Betrieb nehmen will", sagte Christian Gilde, SPD-Landrat des Kreises Ostprignitz-Ruppin und erklärter Bombodrom-Gegner. Der Minister habe aber auch Verständnis für die Argumente gezeigt, die gegen eine militärische Nutzung des 144 Quadratkilometer großen Areals sprächen. Der Landkreis hat in der Vergangenheit den jahrelangen Rechtsstreit der Anrainer-Gemeinden gegen die Bundeswehr-Pläne unterstützt. Dort fürchtet man den Lärm der Kampfjets, die im Tiefflug über der Heide Bombenabwürfe üben wollen, und dass der Krach Arbeitsplätze in der aufstrebenden Tourismusregion zerstört. Wie tieffliegende Bomber klingen, das wissen sie aus Erfahrung: 40 Jahre lang - bis 1994 - hatte die Sowjetarmee Bombenabwürfe über der Heide geübt.Neben den in den Bürgerinitiativen "Freie Heide" (Brandenburg) und "Freier Himmel" (Mecklenburg-Vorpommern) organisierten Bombodrom-Gegner gibt es auch Befürworter der Bundeswehrpläne: Die Bewegung "Pro Bundeswehr" erhofft sich wirtschaftlichen Aufschwung für die Region, weil das Militär bei einer Nutzung des Areals eine 800-Mann-Garnison in Wittstock etablieren will. "Zu der geplanten Garnison hat Struck aber kein Wort gesagt", sagte Landrat Gilde. "Das war schon erstaunlich."Etwa 600 Befürworter und Gegner des Bombodroms hatten sich während des Struck-Besuches vor dem Rathaus der nordbrandenburgischen Stadt versammelt und versucht, sich gegenseitig zu übertönen. Stimmten die Leute von der "Freien Heide" ihr Lied zur Melodie von "Die Gedanken sind frei" an, bliesen die zahlenmäßig unterlegenen Mitglieder der "Pro Bundeswehr"-Initiative in ihre Tröten. Sobald sie selbst per Megafon das Wort ergriffen oder "Wir wollen Arbeit und die Garnison" skandierten, pfiffen ihre Gegenspieler in ihre Trillerpfeifen. Die Spaltung der Region machten auch Plakate deutlich, die an den Häusern gegenüber dem Rathaus hingen: "Mit der Bundeswehr gegen Arbeitslosigkeit" stand auf dem einen zu lesen, auf dem anderen: "Peter Struck - gib Dir nen Ruck - Willkür gab es hier schon genug". Aus Lautsprechern beschallten Bombodrom-Gegner den Platz mit imitiertem Fluglärm.Der Krach drang bis in den Saal des Rathauses. "Aber es gibt nicht nur hörbaren Protest, sondern auch Befürworter unserer Pläne", sagte Struck, den beim Abschied ein Pfeifkonzert begleitete. "Es war mutig, dass er hierher gekommen ist", sagte Landrat Gilde."Es gibt nicht nur hörbaren Protest, sondern auch Befürworter unserer Pläne. " Peter Struck, Verteidigungsminister (SPD).
Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: [email protected]