Der bayerische Ministerpräsident eröffnet das Oktoberfest vor dem Roten Rathaus

Bier-Kur mit Dr. Beckstein

Damir Fras
3 Min

Die Invasion aus dem Süden beginnt mit dem Defiliermarsch. Dann tritt Günther Beckstein, der die Wissenschaft von der Wirkung des Alkohols um neue Theorien erweitert hat, auf die Bühne und sagt: "Es ist ein besonderes Gefühl, dass es direkt gegenüber dem Roten Rathaus ein weißblaues Herrschaftsgebiet gibt." Der CSU-Ministerpräsident aus Bayern freut sich. Wahrscheinlich grinst er sonst nur so, wenn ihn seine Frau Marga liebevoll "Bär" nennt. (Er nennt sie auch "Bär").Das Leben in Berlin kann so schön sein, wenn in Berlin ein Bierzelt steht, das so aussieht wie ein Bierzelt in Bayern. "Das ist ein schönes Gefühl", sagt Beckstein. Und weil er das Wort hat, rückt er auch noch die eine Sache gerade. Man wolle jetzt feiern, sagt er, bei einer Maß Bier oder auch zwei. "Aber damit das klar ist: Das Auto bleibt zu Hause und wird nicht angefasst."So ist das also. In Bayern sagt Dr. Beckstein, zwei Liter Bier, getrunken über sechs Stunden, machten nicht fahruntüchtig. In Berlin aber sagt Dr. Beckstein: Obacht! Autofahren und Trinken passen zusammen wie Schwarze und Rote in der Politik. Also gar nicht.Egal, wie er es wirklich gemeint hat: Becksteins Bier-Thesen jedenfalls bescheren der Eröffnung des Berliner Oktoberfestes die größte Aufmerksamkeit seit Jahren. Sogar Franz Maget wird um seine Meinung gefragt. Er ist ein netter Mann von der Bayern-SPD, der übernächsten Sonntag gerne Becksteins Amtsnachfolger würde, es aber wegen der Wähler nicht wird.Das Fass ist angestochen. "O'zapft is", sagt Markus Söder, Minister für Bundesangelegenheiten aus Bayern und in seinem Leben noch selten einem Ereignis ausgewichen, bei dem Kameras anwesend sind. Es wird getrunken, der Schweinsbraten ist gut, der Leberkäse auch. Wirtschaftsminister Michael Glos (CSU) ist gekommen und mit ihm mehr als 2 000 Gäste. Die SPD-Vize-Chefin Andrea Nahles hat sich die Haare zum Dutt gebunden und ein rotes Dirndl angezogen. Fesch san's schon, die bayerischen Frauen, auch wenn sie nicht aus Bayern sind.Dann schiebt sich Kanzlerin Angela Merkel (CDU) durch ein Spalier Gebirgsschützen. Beckstein erzählt noch einmal die Geschichte vom Roten Rathaus und dem weißblauen Herrschaftsgebiet. Merkel findet, Berlin könne durchaus ganzjährig ein bayerisches Bierzelt vor dem Roten Rathaus vertragen. Es wird jetzt viel gelacht. In der Menge sitzt der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD). Er sieht so aus, als hoffe er, dass die Invasion aus dem Süden bald vorüber ist.------------------------------Foto: Das ist ein schönes Gefühl: Markus Söder, Bayerns Minister für Bundesangelegenheiten (l.), mit seinem Ministerpräsidenten Günther Beckstein.

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