Zum Abschied kommt von höchster Stelle eine Würdigung. "Mit Rolf D. Müller verliert die AOK einen hoch engagierten Vorsitzenden", sagt Gesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD). Er habe es verstanden, trotz der schwierigen finanziellen Situation der Hauptstadt-AOK "den Haushalt positiv zu gestalten und Reserven zu nutzen". Ende Juni geht der langjährige Berliner AOK-Chef Rolf. D. Müller in den Ruhestand. Fast ein halbes Jahrhundert stand der 63-Jährige im Dienst der Krankenkasse. 1958, im Alter von 14 Jahren, hatte er nach der Volksschule in Wuppertal eine Lehre als Krankenkassenangestellter begonnen.Der Funktionär und die Politikerin kennen sich seit langem. Sie treffen anlässlich der Verleihung des Berliner Gesundheitspreises in der Katholischen Akademie in Mitte zusammen, die Begrüßung ist herzlich. Auch der Präsident der Berliner Ärztekammer, Günther Jonitz, berichtet Gutes über den scheidenden AOK-Chef. Obwohl die beiden häufig auf unterschiedlichen Seiten stehen, sei die Zusammenarbeit mit Müller stets sachlich und konstruktiv. "Er weiß, wovon er redet, und er wird seiner sozialen Verantwortung gerecht", sagt Jonitz. Sachlich und verlässlich, diese Eigenschaften fallen auch Müllers Sprecherin, Gabriele Rähse, als erstes über ihren langjährigen Chef ein. "Er schlägt auch mal mit der Faust auf den Tisch", sagt sie dann. "Er fordert viel von seinen Mitarbeitern, aber er fördert auch."Müller sagt, er habe seine Karriere zielstrebig geplant. "Ich habe meinem damaligen Chef gesagt, dass ich seinen Posten übernehmen will." Der Besuch eines Gymnasiums war ihm verwehrt worden. "In manchen Schichten stellte sich diese Frage nicht", sagt er. Seine Eltern stammten aus einfachen Verhältnissen, der Vater war Schlosser, die Mutter Hausfrau. Ein Mitspracherecht hatte der 14-Jährige auch nicht bei der Berufswahl. "Meine Eltern wollten, dass ich die sichere Laufbahn bei einer Krankenkasse einschlage." Er besuchte die Verwaltungsakademie, wo er später auch lehrte, schlug den gehobenen Dienst ein und arbeitete sich hoch.Als Müller 1991 nach Berlin gerufen wurde, stand ihm eine Mammutaufgabe bevor: Nach der Vereinigung gab es einen erheblichen Zuwachs an Mitgliedern aus den Ostbezirken, da die AOK Rechtsnachfolgerin der ehemaligen Sozialversicherung der DDR wurde. Die AOK übernahm auch alle ehemaligen Mitarbeiter. "Wir mussten mehr als 1 000 Arbeitsplätze abbauen", sagt Müller. Dass dies ohne betriebsbedingte Kündigungen gelang und dass die AOK weit über Bedarf ausbildet, erfüllt ihn mit Stolz.Eine große Herausforderung war für Müller auch das Überangebot der Stadt an Krankenhäusern. "In West-Berlin gab es eine autarke Versorgung, und in Ost-Berlin war die Spitzenmedizin angesiedelt", sagt Müller. Er erklärte Einsparungen im stationären Bereich zur Chefsache. Und tatsächlich gelang es, Doppelstrukturen abzubauen und Kosten zu senken. So vereinbarte Müller im Jahr 2002 mit dem Klinikkonzern Vivantes, das Budget über eine Laufzeit von fünf Jahren jährlich um 20 Millionen Euro abzusenken. "Insgesamt haben wir von 1997 bis heute entgegen der bundesweiten Entwicklung in anderen Krankenkassen rund 400 Millionen Euro eingespart", sagt Müller. "Die Berliner AOK ist die effizienteste Krankenkasse Deutschlands", sagt Jonitz. Trotzdem hat sie mit 15,8 Prozent den bundesweit höchsten Beitragssatz. Denn unter den 560 000 Mitgliedern gibt es überproportional viele, die alt, krank und arm sind. Müller, seit 2004 Träger des Bundesverdienstkreuzes am Bande, warnt vor einer Zwei-Klassen-Medizin: "Für chronisch Kranke muss die Versorgung allein aus ethischen Gründen gewährleistet sein."Rolf D. Müller hat eine erwachsene Tochter und lebt mit seiner Frau in Lübars. Mit ihr will er künftig viel reisen, nach Italien und Skandinavien. "Aber vor allem werde ich mich der Kunst und Kultur widmen." Zudem wird er als Berater für Gesundheitsprävention tätig. Der AOK bleibt er übrigens treu: als Mitglied. Müllers Nachfolger wird der bisherige AOK-Vize Werner Felder.------------------------------"Ich warne vor einer Zwei-Klassen-Medizin. Für chronisch Kranke muss die Versorgung gewährleistet sein." Rolf D. Müller, scheidender AOK-Chef------------------------------Foto: "Ich habe meine Karriere von Anfang an geplant." Rolf D. Müller gilt als Mann mit sozialer Verantwortung.
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