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Bundesregierung fördert Computerspiele mit 200 Millionen Euro - Ergebnis unbekannt

Der Bund pumpt Hunderte Millionen Euro in Computerspiele. Ein Anfrage zeigt: Verkäufe zählt niemand, Erfolge misst keiner – manches Geld versickert komplett.

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Forschungsministerin Dorothee Bär und Finanzminister Lars Klingsbeil beim Daddeln: Gibt der Staat das Geld für die Gaming-Förderung sinnvoll aus?

Forschungsministerin Dorothee Bär und Finanzminister Lars Klingsbeil beim Daddeln: Gibt der Staat das Geld für die Gaming-Förderung sinnvoll aus?

© Rolf-Peter Stoffels/Imago

Der Bund fördert die Entwicklung von Computerspielen, um den Standort Deutschland fit für die digitale Zukunft zu machen. Doch eine aktuelle Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der AfD-Fraktion wirft ein ernüchterndes Licht auf diese Praxis. Das Fazit der Fragesteller fällt vernichtend aus.

Seit 2019 hat der Bund nach Aufzählung der AfD 221 Millionen Euro für Computerspiele bewilligt und davon bis Ende 2025 rund 193 Millionen Euro tatsächlich ausgezahlt. Gefördert wird die Produktion mit Quoten von bis zu 50 Prozent der Entwicklungskosten – in den früheren De-minimis-Fällen sogar bis zu 70 Prozent.

Das eigentliche Problem: Ob dabei auch nur ein wirtschaftlich erfolgreiches Spiel herausgekommen ist, kann die Bundesregierung nicht sagen. Auf die Frage nach Verkaufszahlen und Umsätzen antwortet das von Forschungsministerin Dorothee Bär geführte Ressort schlicht, dazu lägen „keine Erkenntnisse“ vor.

Vorgänge nach Abschluss eines Förderprojekts sind laut Antwort „zuwendungsrechtlich nicht relevant und werden nicht erfasst“. Auch die Vertriebsplattformen, über die geförderte Spiele erhältlich sind, kennt der Bund nicht.

Eine begleitende Erfolgskontrolle gibt es überhaupt erst seit 2025 – also sechs Jahre nach dem Start des Programms. Und diese Kontrolle besteht im Kern darin, die geförderten Unternehmen selbst zu befragen. Wer den Erfolg staatlicher Förderung nicht misst, kann Erfolg und Misserfolg auch nicht unterscheiden.

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Die vorgeschriebene Wirtschaftlichkeitsuntersuchung vom Dezember 2023 wurde dem Haushaltsausschuss des Bundestages nicht vorgelegt. Das Parlament bewilligt also dreistellige Millionenbeträge, ohne die Grundlage zu kennen, mit der das Ministerium die Förderung rechtfertigt. Für das Haushaltsjahr 2027 stehen im Übrigen weitere 123,8 Millionen Euro sowie Verpflichtungsermächtigungen von 171,1 Millionen Euro im Plan.

Beispiele, die stutzig machen

Aufschlussreich sind konkrete Einzelfälle, die das Büro des AfD-Bundestagsabgeordneten und Haushaltspolitikers Michael Espendiller aus der Förderliste herausgegriffen hat. Sie sind keine repräsentative Stichprobe, aber sie zeigen, wohin das Geld fließt.

Beim Spiel „Hate Rebel“, gefördert für rund 177.000 Euro, steuert der Spieler eine „Rebellenkatze“, die im Netz gegen „Hater“ antritt und mit Karten wie „Gegennarrative schreiben“ kämpft. Empfänger war allerdings kein Spielestudio, sondern die Berliner Denkfabrik iRights.Lab – gefördert mit dem Höchstsatz von 70 Prozent. Das entwickelnde Studio bezeichnet das Ergebnis selbst als Prototyp, der „not open to the public“ sei.

Hat sich die Zahlen der Bundesregierung genauer angeschaut: Der AfD-Bundestagsabgeordnete Michael Espendiller fordert die Einstellung der Förderungspraxis.

Hat sich die Zahlen der Bundesregierung genauer angeschaut: Der AfD-Bundestagsabgeordnete Michael Espendiller fordert die Einstellung der Förderungspraxis.

© nordphoto GmbH/Christian Schulze/Imago

Das Spiel „The Wagadu Chronicles“ wurde mit etwa 500.000 Euro gefördert. Das ist die höchste Einzelsumme unter den ausgewählten Beispielen. Das im Netz mitunter als „Afro-Fantasy-Massive-Multiplayer-Online-Rollenspiel“ bezeichnete Projekt startete im Dezember 2023, damals noch im Einzelplan bei Wirtschaftsminister Robert Habeck angesiedelt. Bereits im Mai 2024 ging es wieder vom Netz, weil dem Studio die tragfähige Finanzierung fehlte.

Macht 166 Tage Spielbetrieb für eine halbe Million Euro Steuergeld. Die letzte Förderrate von rund 25.000 Euro floss noch im Jahr der Abschaltung.

Für das mit dem Namen „Entsorgungsspiel“ aufgelistete Projekt wurden rund 270.000 Euro fällig. Dahinter steckt nach Recherchen der AfD-Fraktion das Werbespiel „Lobbia– Deine Recycling City“ des Entsorgungsunternehmens Lobbe – ein Konzern mit Millionenumsatz. Drei Viertel der Förderung gingen an eine Werbeagentur, die das Ergebnis selbst mit „Gaming als Markenstrategie“ bewirbt.

Der Steuerzahler habe also die Imagewerbung eines privaten Unternehmens mitfinanziert, so die Schlussfolgerung der Opposition.

Ergänzen ließen sich weitere Fälle – etwa eine Klima-Erziehungs-App für fast 400.000 Euro, die bei Google Play auf gerade einmal „1.000+ Downloads“ kommt, oder eine Kinder-App für über 100.000 Euro mit lediglich „10+ Downloads“.

Nur drei Ablehnungen in sechs Jahren

Von 714 bewilligten Anträgen seit 2019 wurden nur drei mit der Begründung abgelehnt, das Vorhaben würde auch ohne Zuwendung durchgeführt. Die Regierung verweist zwar auf eine vorgelagerte Beratung, nennt dazu aber keine Zahlen. 

Auch der Empfehlung des Bundesrechnungshofes, künftig nur noch bedingt rückzahlbare Darlehen zu vergeben, ist die Bundesregierung nicht gefolgt. Der Bund trägt damit das Verlustrisiko, ist an Erfolgen aber nicht beteiligt.

Die Computerspielmesse Gamescom 2026 in Köln: Die Gaming-Industrie in Deutschland macht Milliardenumsätze.

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© Christoph Hardt/Imago

Für den zuständigen AfD-Abgeordneten Michael Espendiller, Mitglied des Haushaltsausschusses, ist die Sache klar. „Die Games-Förderung ist eine fast lehrbuchmäßige Subventionierung nach dem Gießkannenprinzip und nicht mehr zeitgemäß", sagt er gegenüber dieser Zeitung. „Fast jeder, der Geld beantragt, bekommt es, und hinterher fragt niemand, was daraus geworden ist.“ 221 Millionen Euro seien seit 2019 bewilligt worden – eine Evaluation habe bis heute nicht stattgefunden.

Für 2025 meldete der Branchenverband des deutschen Gaming-Marktes einen Umsatz von rund 9,4 Milliarden Euro – ein Plus von vier Prozent gegenüber dem Vorjahr. Espendillers Konsequenz: Die Branche brauche diese Subventionen nicht, im Sinne einer echten Aufgabenkritik solle die Förderung „komplett entfallen“, um das Geld im Bundeshaushalt einzusparen.

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