Der Kanzler plant zur Fußball-WM 2006 eine Image-Kampagne. Die Opposition befürchtet unfreiwillige Wahlhilfe von Firmen für Rot-Grün

Warnung vor Eigentor

Peter Kirnich Tom Levine Ewald B. Schulte
3 Min

BERLIN, 22. November. Die Opposition hat die deutsche Wirtschaft davor gewarnt, durch die Beteiligung an einer geplanten Image-Kampagne zur Fußballweltmeisterschaft 2006 Wahlkampfhilfe für die rot-grüne Regierungskoalition zu leisten. CSU-Generalsekretär Markus Söder sagte der Berliner Zeitung, "für den Aufschwung in Deutschland brauchen wir keine Image-Kampagne, sondern einen Politikwechsel". Grundsätzlich sei es zwar zu begrüßen, wenn sich die Wirtschaft an einem positiven Deutschland-Bild beteiligt, "eine Kampagne für unser Land darf aber nicht zum Werbespot für Rot-Grün werden", sagte Söder. Ähnlich äußerte sich der Vizechef der FDP-Bundestagsfraktion, Rainer Brüderle: "Es ist gut, für den Fußball zu werben. Es ist gut, im Ausland für Deutschland zu werben. Daraus darf 2006 aber keine steuerfinanzierte Wahlkampagne für die Regierung werden", sagte Brüderle. Die Wirtschaft würde sich durch Unterstützung einer "Imagekampagne für die grün-rote Trümmertruppe selbst ins Knie schießen". Söder warf Bundeskanzler Schröder vor, er sei "sowieso unehrlich beim Fußball, weil er jeden Tag einen anderen Fan-Schal trägt." Lufthansa bietet WerbeflächenWie berichtet, plant die Bundesregierung gemeinsam mit der deutschen Wirtschaft zur Fußball-WM eine Image-Kampagne für den Standort Deutschland. Arbeitstitel der Kampagne: 1.FC Deutschland 06. Laut einer Umfrage des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI) unter Firmen, über die der Spiegel berichtete, lehnen Unternehmen eine "politische Werbekampagne" aber ab. Der BDI hatte bereits vor der Kanzler-Initiative Vorbereitungen für eine eigene Standort-Kampagne zur WM getroffen. In Wirtschaftskreisen hieß es jetzt, dass es bei einer solchen Aktion ein Problem gebe: Man fürchte den Eindruck in der Öffentlichkeit zu hinterlassen, dass damit gleichzeitig Werbung für den Kanzler und Rot-Grün gemacht oder gar deren Wahlkampf finanziert werde. Ein Sprecher der Lufthansa sagte, sein Unternehmen wolle zwar Werbeflächen für eine solche Kampagne zur Verfügung stellen, eine finanzielle Beteiligung aber sei ausgeschlossen. Die Deutsche Bahn wollte sich gar nicht äußern. Sie ist mit dem WM-Organisationskomitee im Gespräch als nationaler Förderer.Porsche dagegen hat keine Bedenken. "Grundsätzlich stehen wir einer solchen Aktion aufgeschlosssen gegenüber", sagte Sprecher Christian Dau. Sorgen, die Aktion könnte dem Kanzler im Bundestagswahlkampf helfen, teilte Dau nicht. "Das ist überspitzt. Wenn die Industrie für den Standort Deutschland wirbt, profitiert die Bundesregierung immer", egal ob sie rot, grün, schwarz oder gelb sei.Auch die Energiewirtschaft kann der WM-Kampagne Positives abgewinnen. Die Energie Baden Württemberg (EnBW) etwa engagiert sich im Rahmen der BDI-Aktion. Da deren Schwerpunkt im Jahr 2005 liege, sei nicht davon auszugehen, dass hier quasi nebenbei auch Image-Arbeit für die rot-grüne Regierungskoalition geleistet werde, hieß es. Eon-Chef Wulf Bernotat hatte dem Kanzler bereits vor kurzem bei einem gemeinsamen Abendessen der Wirtschaft mit dem Regierungschef klipp und klar signalisiert: "Da machen wir mit." Ein Sprecher aus der Energiebranche sagte: "Wenn ein solches Mega-Event wie die Fußball-WM in Deutschland stattfindet, würde jede wie auch immer zusammen gesetzte Bundesregierung grundfalsch handeln, wenn sie dies nicht für eine groß angelegte Image-Aktion für den Standort nutzen würde." (mit lve.)------------------------------Foto: Kraftvoller Schuss: Fußballfan Gerhard Schröder.

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