Gerade hatte sich das Land Berlin mit dem Bund über den Bau des Humboldt-Forums geeinigt, da kritisierte die Linkspartei.PDS bereits Bundesbauminister Wolfgang Tiefensee (SPD). Dennoch will sie sich dem Projekt auf dem Schlossplatz wohl nicht in den Weg stellen.Landeschef Klaus Lederer und Fraktionschefin Carola Bluhm erklärten gestern, ihre Partei halte es für falsch, beim Architektenwettbewerb die Rekonstruktion der historischen Fassaden des Schlosses und den Bau einer Kuppel vorzugeben, wie es Tiefensee angekündigt hat. Schon angesichts der Tatsache, dass die versprochenen Spenden für die historischen Fassaden in Höhe von 80 Millionen Euro immer noch nicht nachgewiesen wurden, sollte der Wettbewerb "auch für alternative Lösungen jenseits der Wiedererrichtung der Schlossfassade" geöffnet werden. Die öffentliche Hand dürfe auf keinen Fall Steuergeld für die Rekonstruktion ausgeben.Trotz der Kritik signalisierte die Linkspartei.PDS aber Zustimmung für den Kompromiss zwischen dem Bund und dem Land Berlin, der den Bau des Humboldt-Forums mit den historischen Fassaden des früheren Stadtschlosses möglich macht."Wir haben uns immer für eine öffentliche Nutzung des Humboldt-Forums eingesetzt", heißt es in der Stellungnahme von Lederer und Bluhm zur Begründung. Deswegen sei die Partei auch nicht dagegen, dass Berlin einen finanziellen Beitrag leiste. Heute will die Fraktion über die Einigung beraten.Noch in der Koalitionsvereinbarung mit der SPD hatte die Linkspartei einen finanziellen Beitrag des Landes Berlin ausgeschlossen. Dabei bleibt es streng genommen sogar für diese Regierungszeit. Der Trick: Berlin gibt seinen Anteil von 32 Millionen Euro für das 480 Millionen Euro teure Projekt erst in Raten ab 2012/13, also in der nächsten Legislaturperiode. Nach der Einigung mit dem Bund stellt das Land Berlin in dieser Legislaturperiode nur sein Grundstück auf dem Schlossplatz zur Verfügung.Die CDU-Fraktion begrüßte die Übereinkunft zwischen dem Regierenden Bürgermeister und Bundesbauminister Tiefensee, bezweifelte aber, dass die Entscheidung wirklich tragfähig sei. Es sei nicht erkennbar, dass die Linkspartei.PDS ihre ablehnende Haltung aufgibt.Die Fraktionschefin der Grünen, Franziska Eichstädt-Bohlig, sagte, die Finanzierung des Humboldt-Forums stehe nach wie vor auf wackligen Füßen. Der Haushaltsausschuss des Bundestags werde es wohl kaum akzeptieren, dass Berlin mit 32 Millionen Euro nur knapp sieben Prozent der erforderlichen 480 Millionen Euro aufbringt, aber einen deutlich höheren Flächenanteil beanspruche. Im Gegensatz zu den Grünen bezeichnete die FDP-Fraktion den finanziellen Anteil Berlins als angemessen.Der Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, Klaus-Dieter Lehmann, zeigte sich "hoch erfreut" über die gestrige Einigung und sprach von einem "wirklich großen Tag". Die Stiftung soll mit ihren außereuropäischen Sammlungen aus Dahlem auf den Schlossplatz ziehen und einer der Hauptnutzer des Humboldt-Forums werden.Förderverein optimistischObwohl der Förderverein Berliner Schloss erst rund sechs Millionen Euro an Spenden und acht Millionen an Zusagen in den vergangenen Jahren erhalten hat, zeigte sich Vereinsgeschäftsführer Wilhelm von Boddien gestern optimistisch. Nachdem Bundesregierung und Senat das Projekt unterstützen, sei er zuversichtlich, die 80 Millionen Euro zu sammeln. Es gebe viele potenzielle Spender, die Geld zugesagt, aber noch nicht gezahlt haben, sagte von Boddien. Ein Unternehmer wolle 500 000 Euro geben.Bauminister Tiefensee sagte gestern zu, dass der Bund einen Informationspavillon auf dem Schlossplatz errichten werde, in dem die Pläne für das Humboldt-Forum vorgestellt werden. Der Förderverein soll dort die Möglichkeit erhalten, um Spenden zu werben. Die Kosten für den Pavillon werden auf etwa vier Millionen Euro geschätzt.Sollte nach dem Abriss des Palastes der Republik auf dem Schlossplatz Zeit für eine Zwischennutzung sein, soll dort bis zum Bau des Humboldt-Forums eine temporäre Kunsthalle entstehen, so Wowereit.------------------------------Museum und BibliothekAuf dem Schlossplatz in Mitte soll nach Beschlüssen des Bundestages von 2002 und 2003 auf dem Grundriss des früheren Stadtschlosses das Humboldt-Forum errichtet werden. In Größe und Form soll es der einstigen Hohenzollernresidenz entsprechen.An der Nord-, West- und Südseite des Humboldt-Forums sollen die Barockfassaden des 1950 gesprengten Schlosses rekonstruiert werden.Das Humboldt-Forum soll als Museum und Bibliothek genutzt werden. Die Stiftung Preußischer Kulturbesitz will hier ihre Sammlungen außereuropäischer Kulturen ausstellen, die Humboldt-Uni wissenschaftsgeschichtliche Stücke präsentieren und die Zentral- und Landesbibliothek dazu passende Bestände zeigen. Da Berlin jetzt weniger Fläche im Humboldt-Forum erhält, ist fraglich, ob Uni und Bibliothek ihre Pläne realisieren können.------------------------------Foto: Blick in die Zukunft: Das Humboldt-Forum mit den alten Schloss-Fassaden steht bereits mitten in der Stadt - als Computersimulation.
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