Fußball

Der nächste Trainer-Promi: Passen Hansa und Breitenreiter zusammen?

André Breitenreiter soll Hansa Rostock zum ersehnten Aufstieg in die 2. Bundesliga führen. Ist er dafür der richtige Mann?

Andreas Baingo
5 Min
André Breitenreiter soll die Hansa-Kogge wieder auf Kurs bringen.

André Breitenreiter soll die Hansa-Kogge wieder auf Kurs bringen.

© IMAGO/Heiko Blatterspiel

Neue Besen kehren gut. Angeblich. Im Fußball, wenn ein neuer Trainer einen erfolglosen Vorgänger abgelöst hat, klappt das jedoch nicht immer. Oft ist der Wunsch Vater des Gedankens. Vielleicht hat der auch beim FC Hansa Rostock die entscheidende Rolle gespielt. Dort haben die Verantwortlichen vor zweieinhalb Wochen bei Daniel Brinkmann die Reißleine gezogen. Keine zwei Jahre war der 40-Jährige im Amt. Nur sah man in ihm nach der ersten Saisonniederlage, einem zugegeben deftigen 0:4 bei Viktoria Köln, nicht mehr den richtigen Motivator für den Aufstieg in die 2. Bundesliga. Man fürchte, wie es oft so oder ähnlich heißt, um die Ziele des Vereins. An der Küste soll es jetzt André Breitenreiter richten.

Hoffnung, Risiko - oder doch Panik?

So früh in der Saison die Pferde zu wechseln, birgt immer Hoffnung, zugleich aber auch Risiko. Oder war es gerade in Rostock auch ein wenig Panik? Wochen zuvor noch hatte man Brinkmann, obwohl er schon da das Saisonziel Aufstieg gerade verpasst hatte, das Vertrauen ausgesprochen. Schnell, für manchen Geschmack zu schnell, ist es geschwunden und in die Brüche gegangen. Das folgende 3:2 im Heimspiel gegen die Zweite des VfB Stuttgart, Spiel eins nach Brinkmann, war trotz einer eigentlich komfortablen 2:0-Führung am Ende auch nur eine Zitterpartie. Dafür ist das 1:1 bei Rot-Weiss Essen, einem ernsthaften Konkurrenten um den Aufstieg, trotz spielerischer Unterlegenheit und nicht so vielen Torgelegenheiten umso wertvoller.

Auch wenn die Fußstapfen, die Brinkmann hinterlässt, nicht gar so groß sind, wird von Breitenreiter trotzdem Großes erwartet. Das Ziel bleibt unverändert und nicht weniger anspruchsvoll: Aufstieg. Den kann Hansas Neuer an der Seitenlinie durchaus. Mit dem SC Paderborn und mit Hannover 96 hat er es bereits bewiesen. Die Ostwestfalen führte er 2014 in die Bundesliga, die Niedersachsen, mit denen er 1992 als Spieler den DFB-Pokal gewann, drei Jahre später ebenso. Das, und nicht so sehr 2022 der Meistertitel in der Schweiz mit dem FC Zürich, hat den Ausschlag für seine Anstellung gegeben.

In Rostock haben sie mit Trainern, die einst in der Bundesliga gespielt haben und dort ziemlich erfolgreich waren, nicht die schlechtesten Erfahrungen gesammelt. Auch wenn es am Ende immer wieder mal mehr oder weniger spektakuläre Zerwürfnisse gab.

André Breitenreiter wurde 2022 Schweizer Meister mit dem FC Zürich.

André Breitenreiter wurde 2022 Schweizer Meister mit dem FC Zürich.

© IMAGO/Pius Koller

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Kurz nach dem Mauerfall war Hansa der erste Erstligaverein aus der DDR, der mit einem Coach aus dem Westen überraschte und nie dagewesene Erfolge erzielte. Uwe Reinders führte die Kogge, über Jahre als „der ewige Zweite“ sogar ein wenig bemitleidet, im letzten Jahr der DDR-Oberliga zum Double und schaffte so den Sprung in die Bundesliga. Dass er später im Machtkampf mit Gerd Kische, als Vereinsvorsitzender war die Vereins-Ikone damals der starke Mann, unterlag, spielte eher medial als sachlich eine Rolle. Nur prallten da zwei Alphatiere aufeinander.

Einem Auf folgte ein Ab, einem Ab ein Auf. Die Namen derjenigen, die im Ostseestadion manchmal über Jahre, manchmal aber auch nur über Monate ihre Trainerheimat hatten, liest sich wie aus einem Bundesliga-Almanach. Sie klangen oft prominenter als die der Spieler: Erich Rutemöller, Horst Hrubesch, zweimal Frank Pagelsdorf (beide Male mit Aufstieg in die Bundesliga, beim zweiten Mal aber auch mit Abstieg), Ewald Lienen, Friedhelm Funkel, Armin Veh, Dieter Eiltz, Wolfgang Wolf … Dazwischen immer mal wieder die Hansa-Urgesteine Jürgen Heinsch, Andreas Zachhuber und vor allem Juri Schlünz, die neben Können, Wissen und Erfahrung einen unermesslichen Vorteil in die Waagschale zu werfen wussten, der alle Bundesligaerfahrung aufwog. Sie ließen in großem Maße ihr Herz sprechen. Nur mündete das nicht zwangsläufig in Erfolg.

Breitenreiters Erkenntnis ist nicht neu

Nun also André Breitenreiter. Natürlich weiß sich der 52-Jährige ins rechte Licht zu setzen. Über Hansa spricht er von einem „Traditionsverein mit großer Strahlkraft, Wucht und Energie“, zugleich aber auch davon, dass Tradition allein keine Tore schieße und eine große Anhängerschaft allein auch nicht für Punkte sorge. „Es geht“, so der neue Coach, „trotz meiner erfolgreichen Vergangenheit aber auch nicht allein mit mir. Meine Erfahrung sagt, und das war überall so, dass es nur zusammen geht.“ Stimmt. Nur ist diese Erkenntnis oder diese Voraussetzung alles andere als neu.

In seinen ersten Tagen wollte Breitenreiter erst einmal für Stabilität sorgen. Vor allem in einem bestimmten Mannschaftsteil: der Defensive. „Das offensichtliche Thema ist die Anzahl der Gegentore“, sagt er. Mit 15 liegt Hansa ganz weit hinten. Nur Regensburg hat mehr kassiert. Doch der Jahn träumt nicht vom Aufstieg, sondern liegt auf einem Abstiegsplatz.

Die Probe aufs Exempel wird Breitenreiter an diesem Wochenende noch nicht machen können. Am Sonnabend ist erst einmal Landespokal. Gegner ist mit dem SV Gützkow ein Verein aus der Landesklasse. Alles andere als ein Maßstab. Andererseits womöglich der richtige Aufbaugegner, um mit dem neuen Coach endlich auf stabile Betriebstemperatur zu kommen.

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