Der Neubau der "Topographie des Terrors" wird im Mai eröffnet

Das Ende eines Provisoriums

Uwe Aulich
4 Min

Andreas Nachama freut sich schon auf den Moment, wenn die alten Container verschrottet werden können. Für den Direktor der Stiftung "Topographie des Terrors" geht dann eine lange Zeit zu Ende, in der man immer mit Provisorien auf dem früheren Prinz-Albrecht-Gelände an der Wilhelmstraße leben musste. Das ist im kommenden Jahr vorbei - der Neubau für das Dokumentationszentrum "Topographie des Terrors" wird fertig. Und die Stiftung kann erstmals nach gut anderthalb Jahrzehnten ein festes Domizil beziehen. "Alle Arbeiten sind im Zeitplan, bis Mitte Januar soll uns das Gebäude übergeben werden. Die Eröffnung des Dokumentationszentrum erfolgt am 6. Mai", sagte Nachama gestern. Zwei Tage später jährt sich 2010 das Ende des Zweiten Weltkrieges zum 65. Mal.Informationen über Nazi-TerrorDas neue Dokumentationszentrum ist ein quadratischer Bau. Er wird seit Ende 2007 nach einem Entwurf der Berliner Architektin Ursula Wilms errichtet. Die Verkleidung mit einer Metallhülle ist fast fertig, innen werden gerade schwarze Fußbodenplatten aus argentinischem Schiefer verlegt. In dem Haus wird künftig auf 800 Quadratmeter Fläche eine Dauerausstellung zu sehen sein, in der sich Besucher über die Geschichte der Terrorzentrale des Naziregimes informieren können. Zwischen 1933 und 1945 befanden sich auf dem Gelände neben dem Martin-Gropius-Bau das Hauptquartier von Gestapo und SS sowie das Reichssicherheitshauptamt. Von dort organisierten die Nazis insbesondere den Völkermord an den Juden. Im Kellergefängnis waren mehr als 15 000 Nazigegner inhaftiert, sie wurden gefoltert und viele von ihnen ermordet.Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) sagte, er sei sehr froh, dass der Bau der neuen Gedenkstätte im Zeitplan ist. Er besuchte gestern das Gelände. Und sprach auch von einer "Tragödie", weil Anfang der 1990er-Jahre zunächst der Entwurf des Schweizer Architekten Peter Zumthor ausgewählt wurde, der filigrane Bau sich aber nicht realisieren ließ und später wegen explodierender Baukosten gestoppt werden musste. "Viel Zeit und viel Geld gingen dadurch verloren", so Wowereit. Vor fünf Jahren übernahm der Bund vom Senat die Planung. Wie Wowereit sagte, reihe sich das neue Zentrum in die aktive Gedenkarbeit Berlins ein. Die "Topographie des Terrors" befasse sich sowohl mit der Diktatur der Nationalsozialisten als auch mit der DDR-Diktatur. "An dieser Stelle teilte sich die Stadt, die Topographie ist auch ein Zeugnis für die Geschichte Berlins", sagte Wowereit.Die überarbeitete Dauerausstellung wird auch über die Folgen der Naziherrschaft in Deutschland sowie im besetzten Europa informieren. Außerdem gibt es im Gebäude, das für 25 Millionen Euro errichtet wird, einen Bereich für Sonderausstellungen und eine Bibliothek mit etwa 20 000 Bänden sowie Büro- und Seminarräume. Der Ausstellungsgraben vor den freigelegten Kellerresten an der Niederkirchnerstraße (ehemalige Prinz-Albrecht-Straße) wird wieder hergerichtet. Dort hatte die Stiftung lange Zeit unter einem provisorischen Holzdach über die Verbrechen der Nazis auf großen Tafeln informiert. Wie Nachama sagte, gibt es künftig statt des Holzdaches ein Glasdach. Gezeigt werde, wo die Regierungsgebäude wie die Reichskanzlei standen. "Das erwarten die Besucher von uns", so Nachama. Damit man die Nähe der Berliner Mauer spüren kann, werde zwischen dem Graben und den Resten der Mauer ein Gehweg angelegt. Dieser Gehweg gehört zu einem Rundgang über das Gelände mit 15 Stationen, an denen mit Bildern und Texten über die Geschichte informiert wird. Dokumentiert werden auch die Fluchtversuche an der Mauer. Die Freiflächen mit asphaltierten Wegen und großen Flächen aus grauem Schotter sollen Ende März fertig sein.------------------------------500 000 BesucherDie Stiftung "Topographie des Terrors" wurde 1992 gegründet. Schon in den 1980er-Jahren hatte eine Bürgerinitiative begonnen, das 45 000 Quadratmeter große Gelände an der Wilhelmstraße zu erforschen. Seit 1987 ist im Ausstellungsgraben eine Dokumentation zu sehen.Das Dokumentationszentrum sollte nach dem Entwurf des Schweizer Architekten Peter Zumthor errichtet werden. Baustart war 1995, der Bau wurde 2004 wegen zu hoher Kosten gestoppt. Bis dahin wurden fast 15 Millionen Euro verbaut. Das neue Zentrum wird seit Ende 2007 errichtet, es soll 25 Millionen Euro kosten. Die Gedenkstätte wird jedes Jahr von 500 000 Menschen besucht.------------------------------Foto: Andreas Nachama (r.) erklärt dem Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) das Topographie-Gelände. Das neue Dokumentationszentrum dahinter ist außen bereits fertiggestellt, es wird im Mai 2010 eröffnet.

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