Übergepäck? Kostet nichts. Sitzplatz wechseln? Auch nicht. Bei der australischen Billigfluggesellschaft Jetstar haben Mitarbeiter zwei Tage lang auf Zusatzgebühren verzichtet, aus Protest gegen den eigenen Arbeitgeber.
Die Beschäftigten der Qantas-Tochter erließen am 23. und 24. September Gebühren für Übergepäck, Sitzplatzänderungen und verspätetes Einchecken oder buchten sie mit null Dollar. Das berichtet der Newcastle Herald unter Berufung auf die Gewerkschaft Australian Services Union (ASU).
Jetstar-Streik: Weiterarbeiten, aber nicht kassieren
Die Aktion lief an den Flughäfen Sydney, Melbourne, Avalon, Brisbane, Gold Coast, Adelaide und Cairns. Die Mitarbeiter fertigten die Passagiere ganz normal ab, die Flüge starteten planmäßig.
Weg fielen nur die Gebühren am Schalter. Für die Airline ist das teuer, für Reisende ein Geschenk.
„Unsere Mitglieder kümmern sich weiter um die Passagiere, aber sie kassieren keine Zusatzgebühren für Jetstar, bis Jetstar zeigt, dass es seine Belegschaft ernst nimmt“, sagte ASU-Vize Scott Cowen.
Den Zeitpunkt wählte die Gewerkschaft bewusst: In Teilen Australiens sind Schulferien, dazu kommt der Reiseverkehr zum Finale der Australian Football League in Melbourne.
Worum es im Tarifstreit bei Jetstar geht
Die ASU fordert mehr Lohn, höhere Zuschläge für Früh- und Überstunden und mehr bezahlte Freistellung bei Krankheit oder familiären Notfällen. Auch der Schutz bei extremer Hitze ist ein Streitpunkt.
Cowen verweist gegenüber dem Branchenportal Australian Aviation auf die Zahlen des Mutterkonzerns. Qantas habe 2,06 Milliarden australische Dollar Gewinn gemacht, umgerechnet rund 1,2 Milliarden Euro, und 700 Millionen Dollar an die Aktionäre zurückgegeben.
Die Jetstar-Beschäftigten seien die am schlechtesten bezahlten im Konzern, manche machten Schulden, um über die Runden zu kommen, so Cowen.
Jetstar teilte mit, man verhandle weiter konstruktiv mit der Gewerkschaft. Auswirkungen auf den Flugbetrieb erwarte die Airline nicht.
Gratis-Gepäck nur am Schalter
Die Aktion betraf ausschließlich Gebühren, die streikende Gewerkschaftsmitglieder direkt am Schalter kassieren. Online gebuchte Extras kosteten weiter Geld, Gewichtsgrenzen und Sicherheitsregeln galten wie immer.
Ab 2027 kostet bei Jetstar das Gepäckfach extra
Pikant: Jetstar hat gerade selbst eine neue Gebühr angekündigt. Ab dem 2. Februar 2027 kostet der Platz im Gepäckfach über dem Sitz extra, wie das Fachmagazin Business Traveller berichtet.
Die Option „Priority Carry-on“ kostet je nach Strecke 25 bis 52 australische Dollar pro Flug, rund 15 bis 31 Euro, und schließt früheres Boarding ein. Gratis bleibt nur eine Tasche, die unter den Vordersitz passt.
Jetstar ist damit die erste Airline in Australien und Neuseeland, die ausdrücklich fürs Gepäckfach Geld verlangt. Jetstar-Chefin Stephanie Tully begründet das mit schnellerem Boarding und pünktlicheren Abflügen.
Gebührenstreik bei Jetstar: Den Trick gab es schon 2011
Ganz neu ist die Protestform nicht. Schon im Oktober 2011 rief die ASU bei Jetstar einen „No Weigh Day" aus, damals nur fürs Übergepäck, wie die neuseeländische Wirtschaftszeitung NBR berichtete.
Es war der erste Arbeitskampf in der Geschichte der Airline. Allein am Check-in in Sydney kämen an einem Tag bis zu 20.000 Dollar Übergepäckgebühren zusammen, rechnete die Gewerkschaft damals vor.
Neue EU-Fluggastrechte: Was sich beim Handgepäck ändert
In Europa geht die Entwicklung in eine andere Richtung. Nach der Reform der Fluggastrechte, die das EU-Parlament im Juli mit 646 zu 12 Stimmen billigte, müssen Flugpreise künftig das Handgepäck enthalten, erklärt die Verbraucherzentrale.
Kinder dürfen dann ohne Aufpreis neben ihren Eltern sitzen. Gelten sollen die neuen Regeln voraussichtlich ab Mitte 2027, bis dahin bleibt alles beim Alten.
Streik bei der Airline: Diese Rechte haben Fluggäste in der EU
Streikt das eigene Personal einer Airline, ist das laut Europäischem Gerichtshof kein außergewöhnlicher Umstand. Fällt der Flug aus oder landet er mehr als drei Stunden zu spät, stehen Fluggästen je nach Strecke 250, 400 oder 600 Euro zu.
Das gilt bei Abflug in der EU und bei Flügen in die EU mit einer europäischen Airline. Die Fluggesellschaft muss außerdem Verpflegung und eine Ersatzbeförderung organisieren, notfalls auch ein Hotel.
Einen Streik, der Passagieren Geld spart statt kostet, erlebt man hierzulande allerdings selten.
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