Galápagos-Affäre

Der Vegetarier starb am Hühnchen, die Baronin verschwand spurlos: Das Todesrätsel der Deutschen von Floreana

Galápagos-Affäre: Wie die Berlinerin Dore Strauch und Arzt Friedrich Ritter 1929 nach Floreana zogen und warum dort 1934 Siedler starben.

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Dore Strauch und Friedrich Ritter um 1932 in ihrem Garten auf Floreana. Fünf Jahre nach ihrer Ankunft war Ritter tot.

Dore Strauch und Friedrich Ritter um 1932 in ihrem Garten auf Floreana. Fünf Jahre nach ihrer Ankunft war Ritter tot.

© Imago

Im Sommer 1929 verlässt eine kranke Berlinerin ihren Ehemann und reist mit ihrem Arzt auf die Galápagos-Insel Floreana. Fünf Jahre später ist der Arzt tot.

Zwei Nachbarn sind da bereits spurlos verschwunden, zwei weitere Männer liegen mumifiziert an einem Wüstenstrand. Die sogenannte Galápagos-Affäre ist bis heute ungelöst.

Ron Howard hat den Fall mit Jude Law, Ana de Armas und Daniel Brühl als Thriller „Eden“ verfilmt, der bei Sky abrufbar ist. Vieles, was im Film überzeichnet wirkt, ist tatsächlich passiert.

Dore Strauch: Die Berlinerin und ihr Arzt

Dore Strauch wuchs in Berlin auf und begeisterte sich früh für Nietzsche. Nach der Lektüre Schopenhauers aß sie über ein Jahr lang nur Feigen, wie das Kulturmagazin The Marginalian nacherzählt.

Mit 23 heiratete sie einen Lehrer, der doppelt so alt war wie sie. Dann kam die Diagnose Multiple Sklerose, mehr als ein Jahr lag sie im Krankenhaus.

Dort verliebte sie sich in einen ihrer Ärzte. Friedrich Ritter, Jahrgang 1886, stammte aus dem badischen Wollbach und hielt sich für einen Philosophen. Er predigte, dass Willenskraft jede Krankheit heile. Medikamente nahm er auf die Insel gar nicht erst mit.

US-Zeitungen berichteten später, das Paar habe die verlassenen Ehepartner vor der Abreise noch zu einem gemeinsamen Abendessen eingeladen.

Floreana 1929: Leben ohne Kleidung und Fleisch

Am 15. September 1929 erreichten die beiden Floreana, die südlichste Insel des Archipels. Sie war unbewohnt und fast ohne Süßwasser. Ihr Gehöft nannten sie „Friedo“, zusammengesetzt aus Friedrich und Dore.

Sie lebten vegetarisch, meist ohne Kleidung, und Ritter wollte 140 Jahre alt werden. Der Überlieferung nach ließen sich beide vorab die Zähne ziehen und teilten sich ein Gebiss aus Stahl.

Amerikanische Blätter machten aus ihnen Adam und Eva im Garten Eden. Reiche Yachtbesitzer legten an, der Radio-Unternehmer Eugene F. McDonald brachte Vorräte. Der Ruhm hatte eine Nebenwirkung: Er lockte Nachahmer an.

Familie Wittmer: Ein Baby in der Höhle

Im August 1932 landeten Heinz und Margret Wittmer aus Köln mit Heinz' Sohn Harry. Heinz soll zuvor in der Kölner Stadtverwaltung unter Oberbürgermeister Konrad Adenauer gearbeitet haben.

Margret war schwanger. Am 1. Januar 1933 kam in einer Höhle ihr Sohn Rolf zur Welt, nach lokaler Überlieferung der erste auf Galápagos geborene Mensch.

Ritter zeigte sich wenig erfreut. Er war vor den Menschen geflohen, und nun wohnten sie wieder nebenan.

Die Baronin und ihr Luxushotel-Plan

Noch im selben Jahr traf eine Österreicherin ein, die sich Baronin Eloise Wagner de Bousquet nannte. Ob der Adelstitel echt war, ist zweifelhaft.

Sie brachte zwei Liebhaber mit, Rudolf Lorenz und Robert Philippson. Ein dritter Begleiter reiste bald wieder ab. Ihr Plan: ein Luxushotel für Yachttouristen, auf einer Insel, die kaum Trinkwasser hatte.

Das Hotel entstand nie. Dafür drehte der US-Kapitän George Allan Hancock Anfang 1934 mit ihr einen Stummfilm namens „The Empress of Floreana“, zu Deutsch „Die Kaiserin von Floreana“.

Dore Strauch nannte ihre Memoiren später „Satan Came to Eden“, und mit Satan meinte sie die Baronin. Nach Schilderungen der Siedler trat die Frau herrisch auf und behandelte Lorenz zunehmend wie einen Diener. Er suchte immer öfter Zuflucht bei den Wittmers.

Zugleich herrschte von 1933 bis 1935 eine Dürre auf der Insel, wie eine Auswertung der US-Klimabehörde NOAA zeigt. Es fehlte an Wasser und Nahrung.

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März 1934: Die Baronin verschwindet

Ende März 1934 erschien die Baronin laut Margret Wittmer bei ihr und kündigte an, amerikanische Freunde seien mit einer Yacht gekommen. Mit Philippson reise sie sofort in die Südsee ab.

Eine solche Yacht ist nirgends verzeichnet. Die beiden tauchten nie wieder auf, Leichen wurden nie gefunden.

Lorenz soll den Besitz der Baronin danach an Ritter und die Wittmers verkauft haben. Er wollte nur noch weg.

Zwei Mumien auf der Insel Marchena

Im Juli 1934 heuerte er den Norweger Trygve Nuggerud an, der ihn mit seinem Boot „Dinamita“ nach San Cristóbal bringen sollte. Dort kam das Boot nie an.

Im November wurden auf der kargen Insel Marchena, weit abseits der Route, zwei von der Sonne mumifizierte Leichen entdeckt. Es waren Lorenz und Nuggerud, offenbar verdurstet. Ein Zeitungsbericht aus Miami spekulierte damals über Liebe und Eifersucht als Motiv hinter dem Rätsel.

Friedrich Ritters Tod: Der Vegetarier und das Hühnchen

Am 21. November 1934 starb auch Friedrich Ritter, der Mann, der 140 werden wollte. Offiziell an einer Lebensmittelvergiftung: Ausgerechnet der Vegetarier hatte in der Dürre Hühnerfleisch gegessen.

Über seine letzten Minuten gibt es zwei Versionen, die das Magazin Air Mail gegenüberstellt. Margret Wittmer schrieb, die Hühner seien an einer Krankheit verendet. Der Sterbende habe Dore auf einem Zettel verflucht.

Dore Strauch beschrieb dagegen einen friedlichen Abschied, bei dem Ritter ihr die Arme entgegenstreckte. Manche Zeitgenossen verdächtigten sie trotzdem, nachgeholfen zu haben.

Galápagos-Affäre: Wer tötete die Baronin?

Angeklagt wurde nie jemand. Die gängigste Theorie lautet, wie Sachbuchautor Jason Roberts zusammenfasst: Lorenz tötete die Baronin und Philippson, die Wittmers halfen beim Vertuschen. Beweise gibt es keine.

Die Überlebenden beschuldigten sich gegenseitig. Dore Strauch verdächtigte Lorenz und Margret Wittmer. Wittmer lenkte in ihrem Buch den Verdacht auf Lorenz und Ritter, zwei Tote, die nicht mehr widersprechen konnten.

Dore Strauch stirbt in Berlin, die Wittmers bleiben

Dore Strauch verließ Floreana am 23. Dezember 1934 und kehrte nach Berlin zurück. Dort starb sie 1943 an den Folgen ihrer MS.

Margret Wittmer blieb fast 68 Jahre auf der Insel. Ihr Buch „Postlagernd Floreana“ wurde ein Bestseller, sie starb am 21. März 2000 mit 95 Jahren. Sohn Rolf baute später ein Tourismusunternehmen auf.

Das Hotel, von dem die Baronin träumte, gibt es heute tatsächlich. Nur heißt es Wittmer Lodge.

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