Desigual x Ottolinger – das dürfte eine der meisterwarteten Modekooperationen des Jahres sein. Ottolinger, das Label der Schweizer Designerinnen Christa Bösch und Cosima Gadient, gilt als eines der beliebtesten deutschen Independent-Labels. Wer bisher ein Teil des angesagten Neuköllner Modelabels wollte, zahlte Designerpreise.
Seit gestern gibt es die unverwechselbare Ottolinger-Handschrift bei Desigual zu kaufen. Die Capsule-Kollektion „Desigual designed by Ottolinger“ liefert wilde Prints, Patchwork und freiliegende Reißverschlüsse. Und ein Kleid, das es weltweit nur fünfmal gibt.
Warum diese Kooperation so gefragt sein dürfte
Das unabhängige Berliner Label Ottolinger hat sich mit einer experimentellen, avantgardistischen Designsprache eine treue Community aufgebaut – und ist genau deshalb für große Modeunternehmen interessant. Camper, G-Star und Puma haben bereits mit den beiden Designerinnen zusammengearbeitet.
Wer Sneaker satt hat, trägt im Herbst 2026 diesen Schuh aus den 60er-Jahren
Recession Blonde: der Blond-Trend, der Geld spart
Ottolinger, das einen Recyclingansatz verfolgt, hatte schon jahrelang mit Desigual-Teilen gearbeitet, die auf Märkten und in Secondhand-Läden gekauft wurden – zerlegt und im eigenen Stil neu zusammengesetzt. Diese Praxis wurde jetzt in eine offizielle Kollektion aufgenommen.
Für die Entwürfe tauchten Bösch und Gadient ins Desigual-Archiv in Barcelona ein. Dort fanden sie eine überraschend wilde Seite der 1984 gegründeten Marke: Kleider, die innen und außen bedruckt waren, kombiniert mit Stickerei, Häkelarbeit und Siebdruck.
Applaus in Paris: die Designerinnen Cosima Gadient und Christa Bösch nach der Ottolinger-Show im Oktober 2025
© IMAGO/Jumeau Alexis/ABACA
Die Muster mussten erst zurückgeholt werden
Ein Problem tauchte schnell auf: Viele Original-Prints existieren gar nicht mehr. Sie waren analog gezeichnet worden, und mit dem Weggang der zuständigen Person verschwanden auch die Vorlagen.
Ottolinger scannte deshalb kleine Ausschnitte alter Kleidungsstücke ein und zeichnete die Muster eins zu eins digital nach. Das Ergebnis kombiniert Desiguals kräftige Farbigkeit mit einer dunkleren Palette, wie sie zu Ottolinger gehört.
Model Irina Shayk bei der Präsentation der Desigual-Vintage-Kollektion auf Ibiza im Juni 2026. Die Insel gilt als Ursprungsort des Desigual-Lebensgefühls.
© IMAGO
Das teuerste Stück: ein Kleid aus acht Hosen
Der exklusivste Teil der Kollaboration entstand in den Ateliers von Desigual in Barcelona, wo Kleidungsstücke in kleinen Mengen von Hand zerlegt und neu zusammengesetzt wurden. Der Höhepunkt: ein langes Kleid aus acht Desigual-Hosen. Weltweit gibt es davon nur fünf Exemplare.
Die Kooperation ist Teil der kalkulierten Neupositionierung von Desigual, die das Ziel verfolgt, eine neue Generation von Kunden zu erreichen und international sichtbarer zu werden. Dafür setzt die Marke gezielt auf Independent-Namen: Botter, Egonlab und Masha Popova waren bereits dabei. Ottolinger ist der bislang bekannteste Partner.
Der Reiz solcher Kollaborationen ist klar: Die Ästhetik eines gefragten Labels wird durch ein massentaugliches Label für ein deutlich breiteres Publikum zugänglich gemacht – dazu kommt eine limitierte Auflage, die zuverlässig für Hype sorgt. Und den braucht es, um dieser Tage auf einem angespannten Markt zu bestehen.
Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: [email protected]