Militär

Deutsch-niederländisches Korps übernimmt neue Nato-Rolle im Baltikum

Das 1. Deutsch-Niederländische Korps (1GNC) soll eine neue Rolle an der Nato-Ostflanke übernehmen. Das unterstütze auch „die Abschreckung Russlands“.

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Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD)

Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD)

© Kay Nietfeld/dpa

Das seit 1995 bestehende 1. Deutsch-Niederländische Korps (1GNC) mit Sitz in Münster soll voraussichtlich ab Mitte des Jahres zusätzliche Verantwortung an der Nato-Ostflanke übernehmen. Es wird dann das Kommando über die Landstreitkräfte in Estland und Lettland führen, teilten die Verteidigungsministerien der Niederlande und Deutschlands in einer gemeinsamen Erklärung mit.

Bislang liegt diese Verantwortung beim Multinationalen Korps Nordost im polnischen Stettin. Die Allianz wolle die neue Rolle in diesem Sommer formalisieren, hieß es. „Die Stationierung eines zusätzlichen taktischen Hauptquartiers in der Region stärkt den Zusammenhalt der Nato und unterstützt die Abschreckung Russlands“, so die Ministerien.

Pistorius: Deutschland übernimmt mehr Verantwortung

Das 1GNC übernimmt laut Erklärung „eine bedeutende Verantwortung für die Leitung von Übungen und anderen vorbereitenden Maßnahmen sowie im schlimmsten Fall für die Verteidigung der Ostflanke“. Ein Militärvertreter sagte gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters, die Änderung ermögliche es, „schnell große Truppenverbände“ einzusetzen.

„Mit der Integration des deutsch-niederländischen Korps in die Nato -Verteidigungspläne übernehmen beide Nationen mehr Verantwortung für die Sicherheit Europas“, erklärte der deutsche Verteidigungsminister Boris Pistorius. 16 Nationen arbeiten nach seinen Angaben im Korpshauptquartier. Die niederländische Verteidigungsministerin Dilan Yeşilgoz sagte laut Reuters, das 1GNC habe sich für seine neue Rolle „gründlich vorbereitet“.

Korps mit langer Einsatzgeschichte

Das seit 1995 bestehende 1GNC kann nach Angaben der Ministerien in Friedenszeiten, Krisen und Konflikten einen internationalen Verband von rund 50.000 Soldaten führen. Es war 2003, 2009 und 2013 für die multinationale ISAF-Mission in Afghanistan im Einsatz und stand zwischen 2005 und 2024 siebenmal für die Nato-Eingreiftruppe bereit. Die Führung des Hauptquartiers wechselt zwischen beiden Ländern; bis Anfang 2028 liegt sie bei Deutschland.

Die Neuaufstellung geht auf Beschlüsse des Nato-Gipfels 2025 in Den Haag zurück und baut auf einem beim Gipfel 2023 in Vilnius vorgestellten Nato-Streitkräftemodell auf, mit dem die Allianz nach eigenen Angaben kürzere Reaktionszeiten erreichen will.

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