Wer mit der Deutschen Bahn (DB) reist, weiß, dass es bei Terminen zeitlich eng werden kann. Das merken derzeit Fußballfans aus ganz Europa, die manchmal wegen Zugverspätungen den Spielanpfiff verpassen.
Sogar Philipp Lahm kam wegen der Bahn zu spät zum Livekommentar im Fernsehen, wie er selbst sagte. Nun lästert die Financial Times (FT) über den Zustand der DB. Der Wirtschaftszeitung zufolge sei die Deutsche Bahn heutzutage ein Synonym für „Reisehölle“.
Die Bahngesellschaft organisierte vor kurzem eine Fahrt für eine Journalistengruppe von Berlin nach Frankfurt, um neue Investitionen in die veraltete Infrastruktur zu zeigen. Der Zug kam jedoch mit einer Verspätung von 45 Minuten an, schreibt die FT. Mehrere Journalisten verpassten demnach ihre Anschlusszüge, um zurück nach Hause zu kehren.
„Natürlich ist das schlecht“, räumte Wolfgang Weinhold gegenüber der FT ein. Weinhold ist für das Infrastrukturerneuerungsprogramm der Deutschen Bahn zuständig. „Aber es spornt uns auch an, die Dinge besser zu machen“, fügte er hinzu.
„Deutsche Bahn: Wir stehen an einem Wendepunkt “
Grund für den schlechten Service sei die Abnutzung der Infrastruktur. Jahrelange Unterinvestitionen haben dazu geführt, dass die Ausrüstung, die für einen reibungslosen Bahnverkehr benötigt wird – Stellwerke, Oberleitungen, Bahnübergänge, Weichen und Gleise – in einem katastrophalen Zustand ist. „Wir haben das System über Jahrzehnte im Grunde genommen heruntergewirtschaftet“, sagte Berthold Huber, Infrastrukturvorstand der Deutschen Bahn. „Und jetzt stehen wir an einem Wendepunkt.“
Deutschland investiert inzwischen deutlich weniger pro Kopf in seine Schieneninfrastruktur als die meisten anderen Länder – nur 114 € im Jahr 2022, verglichen mit 450 € in der Schweiz und 319 € in Österreich. Die Schiene wurde das Aschenputtel der deutschen Verkehrspolitik, da aufeinanderfolgende Regierungen Milliarden in den Straßenbau lenkten.
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Laut Verkehrsminister Volker Wissing (FDP) benötigt die Deutsche Bahn 45 Milliarden Euro, um die gesamte Schieneninfrastruktur Deutschlands zu reparieren. Bisher konnte er jedoch nur etwa 60 Prozent dieser Summe sichern – 27 Milliarden Euro. Das Eigenkapital der Deutschen Bahn wird bis 2027 um 20 Milliarden Euro erhöht, teilweise um das Erneuerungsprogramm zu finanzieren. Ein Teil der Mittel wird aus dem Verkauf der Logistikeinheit Schenker kommen, der mehr als 15 Milliarden Euro einbringen könnte.
Doch die neuen Mittel fließen nur langsam, berichtet die FT. Infolgedessen war das Unternehmen gezwungen, auf eigene Mittel zurückzugreifen, um dringende Reparaturen zu finanzieren – im Jahr 2023 verzeichnete es einen operativen Verlust von fast 1,3 Milliarden Euro, nach einem Gewinn von 1,2 Milliarden Euro im Jahr 2022.
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