Bahnverkehr

Nur 52,4 Prozent: Fernverkehr der Deutschen Bahn verfehlt Pünktlichkeitsziel deutlich

Das Jahresziel rückt außer Reichweite. Gleichzeitig startet auf der Strecke Berlin–Hannover eine 14 Monate dauernde Sanierung mit großräumigen Umleitungen.

Peter Steiniger
Peter Steiniger
3 Min
Ein ICE der Deutschen Bahn: Im September verfehlte der Konzern erneut sein Pünktlichkeitsziel.

Ein ICE der Deutschen Bahn: Im September verfehlte der Konzern erneut sein Pünktlichkeitsziel.

© Rüdiger Wölk/imago

Die Deutsche Bahn hat im September im Fernverkehr nur eine Pünktlichkeitsquote von 52,4 Prozent erreicht. Das teilte der bundeseigene Konzern mit. Es ist der zweitschlechteste Monatswert in diesem Jahr. Als pünktlich gilt bei der Bahn ein Zug, der mit weniger als sechs Minuten Verspätung am Halt eintrifft. Zugausfälle sind in dieser Quote nicht enthalten.

Als Grund nannte die Bahn eine hohe Zahl von Anlagenstörungen sowie das umfangreiche Baupensum auf Hauptstrecken und an Knotenpunkten. So hätten die ICE-Züge zwischen Berlin und Wolfsburg wegen des schlechten Streckenzustands vielerorts langsamer fahren müssen, hieß es in der Mitteilung.

Auch die sogenannte Reisendenpünktlichkeit, die Ausfälle und verpasste Anschlüsse einbezieht, verharrte mit 58,6 Prozent auf niedrigem Niveau, wie die dpa berichtete.

Jahresziel kaum noch erreichbar

Bahnchefin Evelyn Palla hatte für 2026 ein Pünktlichkeitsziel von mindestens 60 Prozent im Fernverkehr ausgegeben. Dass dieser Wert nicht erreicht wird, ist nach Angaben der dpa bereits absehbar. Palla verweist darauf, dass es für das Pünktlichkeitsproblem nur langfristige Lösungen gebe.

Laut dem Nachhaltigkeitsbericht der Deutschen Bahn soll die Pünktlichkeit im Fernverkehr bis 2029 auf mindestens 70 Prozent steigen. Derzeit saniert der Konzern mit Milliardenmitteln des Bundes zahlreiche vielbefahrene Strecken. Die sogenannten Generalsanierungen werden sich bis weit in die 30er Jahre ziehen.

Im europäischen Vergleich liegen die deutschen Werte deutlich zurück: Die Schweizerischen Bundesbahnen meldeten für 2025 eine Pünktlichkeit von 94,1 Prozent bei einer Schwelle von drei Minuten, die Österreichischen Bundesbahnen kamen im Fernverkehr auf 81,6 Prozent bei fünf Minuten Toleranz.

Umleitung verlängert Fahrten um 80 Minuten

Seit Freitag ist zudem die Strecke Hannover–Berlin für umfassende Sanierungsarbeiten gesperrt. Die Arbeiten sollen bis Mitte Dezember 2027 andauern. Fernzüge werden in dieser Zeit über Braunschweig und Magdeburg umgeleitet und benötigen zwischen den beiden Städten rund 80 Minuten länger.

Bundesverkehrsminister Steffen Bilger (CDU) erneuerte in einem Interview mit der ARD seine Kritik an den Korridorsanierungen. Das Versprechen, dass die Abschnitte danach störungsfrei befahrbar seien, sei zu oft nicht eingehalten worden. Er wolle bald einen Vorschlag für ein neues Konzept vorlegen.

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