Deutsche Delegation: Gipfel auf Bali am Scheideweg

"Es liegen noch dicke Brocken vor uns"

Jörg Michel
3 Min

Die rheinland-pfälzische Umweltministerin Margit Conrad (SPD) gehört zur deutschen Verhandlungsdelegation auf dem Weltklimagipfel auf Bali. Sie kritisiert die starre Haltung der USA.Frau Conrad, wie zufrieden sind Sie mit den bisherigen Verhandlungen?Ich bin verhalten optimistisch. Mein Eindruck ist, dass alle Länder verstanden haben, dass man am Ende nicht mit leeren Händen da stehen darf. Bis zu einem Erfolg auf Bali sind allerdings noch dicke Brocken aus dem Weg zu räumen.Welche?Strittig ist, wie konkret die Ziele zur Minderung der Emissionen ausfallen sollen. Darüber wird bis zum letzten Moment verhandelt. Deutschland und die EU wollen, dass die Industrieländer ihre Emissionen bis 2020 um 25 bis 40 Prozent reduzieren.Dagegen sperren sich aber Länder wie die USA oder Japan.Leider. Derzeit sieht es nicht so aus, als seien diese ehrgeizigen Ziele konsensfähig. Es geht nun also darum, diesen Ländern eine Brücke zu bauen. Wenn man sich auf dem Weg zu den Post-Kyoto-Verhandlungen macht, muss man aber auch ein Ziel zur Orientierung angeben.Wie wollen Sie die ebenso skeptischen Entwicklungs- und Schwellenländer einbeziehen?Für die Entwicklungsländer ist wichtig, dass Armutsbekämpfung und soziale Entwicklung mit Klimaschutz einhergehen können. Für die Anpassung an die Klimafolgen, die sich vor allem in den ärmeren Ländern dramatisch zeigen, wird es einen Fonds geben. Schwellenländer wie China verlangen zudem einen erleichterten Zugang zu Technologien. Darüber wird geredet. Im Fokus stehen außerdem Hilfen zum Schutz der Regenwälder.Wie genau sollen die aussehen?Die Rodung der Wälder ist allein für zwanzig Prozent der weltweiten Emissionen verantwortlich. Vor allem die Tropenwälder am Amazonas, im Kongobecken sowie in Indonesien und Malaysia sind bedroht. Die Industrieländer wollen diesen Ländern dabei helfen, die ökologisch wichtigen Wälder zu erhalten. Nun geht es noch darum, wie das genau geleistet werden kann. Diese Länder werden für ihren Verzicht auf die bisherige Art der Abholzung einen wirtschaftlichen Ausgleich erhalten wollen.Welches Signal erhoffen Sie, wenn die Konferenz am Freitag endet?Die Wissenschaft empfiehlt uns, den Anstieg der globalen Temperaturen auf zwei Grad Celsius zu beschränken. Nur dann sind die Folgen des Klimawandels noch beherrschbar. Diesem Ziel muss die Abschlusserklärung gerecht werden. Dazu brauchen wir einen klaren Verhandlungsauftrag mit orientierenden Zielen, so dass ab dem nächsten Jahr ein Nachfolgevertrag für das auslaufende Kyoto-Protokoll verhandelt werden kann. Neben der klaren Bereitschaft der Industrienationen zur vorrangigen Reduzierung von Treibhausgasen müssen auch die Schwellenländer wie China und Indien einen Beitrag leisten. Ich hoffe, dass auf Bali dafür der Grundstein gelegt wird.Das Gespräch führte Jörg Michel.------------------------------Foto: Margit Conrad, rheinland-pfälzische Umwelt- ministerin, derzeit auf Bali

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