Deutscher Fernsehpreis

Warum verteidigen Söder und Lauterbach den Bild-Journalisten Paul Ronzheimer?

Niemand berichtete früher oder länger aus der Ukraine. Dennoch ist der Journalist nicht für den Deutschen Fernsehpreis nominiert. Ist die Jury parteiisch?

Friedrich Conradi
Friedrich Conradi
3 Min
Karl Lauterbach (SPD)

Karl Lauterbach (SPD)

© Christoph Soeder/dpa

Am Dienstag wurden die Nominierungen für den Deutschen Fernsehpreis 2022 verkündet. Unter den Nominierten in der Kategorie „Beste persönliche Leistung Information“ sind drei Ukraine-Berichterstatter – der wohl bekannteste aber fehlt: BILD-TV-Reporter Paul Ronzheimer. Dabei berichtete er als erster live und unter hohem persönlichen Risiko aus der Ukraine. Die Verleihung des Fernsehpreises wird im ZDF ausgestrahlt. Verliehen wird der Deutsche Fernsehpreis von Sat1, ARD, ZDF und RTL.

Während ARD und ZDF anfangs keine eigenen Reporter im Land hatten und auf einen Journalisten des Cicero zurückgreifen mussten, schaltete Ronzheimer täglich live aus Kiew. Als die Öffentlich-Rechtlichen sich nach Monaten schließlich nach Kiew trauten, weil die Kämpfe sich in den Donbass verlagert hatten, berichtet Ronzheimer von der Front. BILD-TV besitzt im Gegensatz zu den nominierenden Sendern und WELT-TV im Fernsehen einen Marktanteil von unter einem Prozent.

Immer mehr Unterstützung aus Politik und Medien

Schon am Dienstag stellten sich erste Persönlichkeiten aus Medien und Politik hinter Ronzheimer. Der scheidende Botschafter der Ukraine in Deutschland, Andrij Melnyk, forderte auf Twitter die Verleihung des Preises an den Boulevard-Journalisten. Gesundheitsminister Lauterbach (SPD) schrieb auf Twitter: „In der Berichterstattung der @BILD komme ich notorisch schlecht weg, so what… Trotzdem ist die Berichterstattung von @ronzheimer wertvoll, die Berichte setzen oft erhebliche persönliche Risiken voraus.“

Ronzheimer wollte Lauterbach als Gesundheitsminister

Dass Lauterbach in der Bild immer wieder hart angegangen wird, ist unstrittig. Über die gesamte Pandemie hinweg wurde ihm in den Schlagzeilen der Bild-Zeitung regelmäßig Panikmache und Verwirrung der Bürger vorgeworfen. „Chaos-Karl“, wie die Bild vor drei Wochen titelte, müsse gestoppt werden. Wahr ist aber auch, dass Ronzheimer sich öffentlichkeitswirksam für Karl Lauterbach als Gesundheitsminister aussprach.

Auf dem YouTube-Kanal der Bild-Zeitung findet sich bis heute ein Video aus dem November, in dem Ronzheimer energisch fordert, die SPD solle Lauterbach das Gesundheitsministerium anbieten. Dass das zum Zeitpunkt noch nicht geschehen wäre, kommentiert Ronzheimer so: „Für mich ist das Mobbing.“ Und weiter: „Karl Lauterbach muss ran!“

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Auch Söder stellt sich hinter Ronzheimer

Am späten Dienstagabend meldete sich dann der nächste ranghohe Politiker zu Wort, um Ronzheimer den Rücken zu stärken. Markus Söder (CSU) schrieb: „Bei allem Respekt für andere: aber @Ronzheimer war als erstes und am nähesten dran – ohne Rücksicht auf sein Leib und Leben. Da haben andere noch aus 200km Entfernung berichtet. Es ist unverständlich, dass er nicht nominiert wurde.“

Söders laudatioartiger Tweet ist noch auffälliger als der von Lauterbach. Was ihn dazu veranlasst hat, bleibt unklar. Ronzheimer war Söder immer wieder scharf angegangen, bezeichnete ihn noch im Juli als „nicht glaubwürdig“ und schrieb auf Twitter über den Vorsitzenden der CSU: „Jahrelang hat er sich an Putin rangeschmissen.“

Nominiert sind statt Paul Ronzheimer dieses Jahr die ZDF-Journalistin Katrin Eigendorf, Steffen Schwarzkopf von der Welt (Axel-Springer) und Kavita Sharma (RTL/n-tv). Der deutsche Fernsehpreis wird am 13. September verliehen.

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