Im südthüringischen Sonneberg steht Deutschlands ältestes Spielzeugmuseum. 1901 wurde das Objekt auf Anregung von Lehrer Paul Kuntze errichtet und war damals ein Novum. Was heute in einer von Freizeit geprägten Gesellschaft beinahe logisch erscheint, wurde damals durchaus skeptisch beäugt. Ein ganzes Museum für Spielzeug? Doch die Geschichte gab den Machern von einst Recht. Heute beherbergt die Spielzeugsammlung in Südthüringen um die 100.000 Spielwarenobjekte von der Antike bis zur Gegenwart – nur ein Bruchteil kann jeweils in der Ausstellung gezeigt werden.
Weil sich Tradition und Moderne vor dem Museumsgebäude zu einem Fest der Sinne verbinden, feiert Sonneberg seine Wiege der Kreativität: Beim diesjährigen Stadt- und Museumsfest am kommenden Spätsommerwochenende wirft ein besonderes Ereignis seine Schatten voraus. Das Deutsche Spielzeugmuseum steht kurz vor seinem 125-jährigen Bestehen, das Anfang Oktober offiziell gefeiert wird. Das Museum, der Sonneberger Museums- und Geschichtsverein sowie der Arbeitskreis Kinderspiele haben ein schönes Programm erstellt, das die reiche Historie der Spielzeugstadt abbildet.
Denn in den frühen Jahren des 20. Jahrhunderts war Sonneberg die wichtigste Stadt der Spielzeugherstellung der Welt. Jedes fünfte Spielzeug weltweit wurde in der Stadt hergestellt. 40 Prozent des deutschen Spielwarenmarktes bestückte das kleine Familienunternehmen aus Sonneberg. Der Grund: Die Stadt lag strategisch günstig an einer Handelsroute zwischen der anderen Spielestadt, nämlich Nürnberg, und der Messestadt Leipzig. Zahlreiche sogenannte Verleger ließen in Lohnproduktion ihr Spielzeug in den kleinen Sonneberger Manufakturen fertigen.
Schon 1901 wurde das erste Spielzeugmuseum Deutschlands in Sonneberg errichtet. Heute beherbergt es rund 100.000 Exponate, von denen immer nur wenige tausend gleichzeitig gezeigt werden können.
© unbekannt / Archiv Deutsches Spielemuseum Sonneberg
Die erste Babypuppe der Welt kam aus Sonneberg
Dabei hatte Sonneberg eine viel weiterreichende Tradition in der Spielwarenherstellung: Schon 1850 wurde mit dem Sonneberger Säugling die erste Babypuppe der Welt auf den Markt gebracht. Nach dem Krieg wurden die meisten kleinen Firmen enteignet und zum Spielzeugkombinat Sonneberg vereinigt, das seine Puppen, Teddys und anderen Plüschtiere unter dem jedem DDR-Kind geläufigen Label „Sonni“ in alle Welt exportierte.
Auch Modelleisenbahnfans wissen beim Namen Sonneberg eine sofortige Parallele zu zeichnen – zu Piko, der Modellbahnmarke der DDR, deren Loks und Waggons bei jedem Jungen zwischen den 1960er- und 1980er-Jahren zumindest in der Weihnachtszeit durchs Kinderzimmer ratterten – zumeist auf der Spurweite TT. Die Tradition ist also groß in Sonneberg und so verwundert es nicht, dass sich auch das Spielzeugmuseum stets großer Beliebtheit erfreute und erfreut.
Playstation, Atari und Co.: So wird Spielzeug zum sicherheitspolitischen Risiko
5,42 Milliarden Euro Umsatzziel: So will Thüringen den Tourismus bis 2035 umbauen
Festwochenende mit allerlei Kurzweil für kleine Besucher
Der Festsamstag öffnet ab 12 Uhr mit einer vielfältigen Auswahl an Entdeckungen, an dem das Erleben der Natur und das gesellschaftliche Engagement im Mittelpunkt stehen. Große und kleine Entdecker können an Jules grüner Erlebnisstation spielerisch ihr Naturwissen testen, den „Pflanzenführerschein“ erwerben und mit einer selbstgezogenen Sonnenblume ein Stück lebendige Erinnerung mit nach Hause nehmen.
Währenddessen verwandelt sich die Beethovenstraße in eine elegante Flaniermeile: Kuschelige Walking-Acts namens „Freunde auf zwei Pfoten“ sorgen in Fellkostümen für staunende Augen, während am Nachmittag Zauberkünstler Roland Spielmann mit seiner Show „Spielzeugzauber“ mit magischen Illusionen begeistert.
Ein ästhetischer Höhepunkt erwartet die Besucher am Sonntag. Das renommierte Sonneberger Label „Dornwittchen Couture“ setzt auf dem Festgelände ein unübersehbares Statement gegen Mobbing und für Menschlichkeit, Liebe und Zusammenhalt. Getreu dem Credo der Marke – „Wie wundervoll bist du denn bitte!“ – präsentiert Designerin Nadja Hommel kunstvolle, textile Einzelstücke und liebevoll bestickte Kreationen. Ihre Mode ist eine Einladung zum Hinsehen und Nachdenken, eine textile Botschaft der Hoffnung.
Auch einige moderne Spielzeuge kann man im Sonneberger Spielzeugmuseum erkunden und selbst ausprobieren – an diesem Sonntag sogar bei kostenlosem Eintritt.
© Roland Wozniak / Deutsches Spielzeugmuseum Sonneberg
Am Sonntag kann man das Museum gratis besuchen
Clara und Franziska Steiner lassen Melodien aus Holz erwachen und bauen mit den Gästen individuelle Klangspiele. Ein Hauch von Historie weht über den Platz, wenn die „de Höbicha Filmcrew“ als Gräfin Jutta und die Ritter das Festgelände in eine lebendige Geschichtskulisse verwandelt. Außerdem lädt der bunte Kinder-Straßen-Flohmarkt die jüngsten Händler zum Feilschen ein. Kulturhistorisch ergänzt, wird der Nachmittag um 14 Uhr durch den Fachvortrag von Hilmar Rempel über Karl Neumann – den prägenden Lehrer, Kustos und Direktor des Deutschen Spielzeugmuseums.
An beiden Festtagen wird das Areal durch eine Manufakturenstraße belebt, auf der Kunsthandwerker ihre Meisterstücke präsentieren – filigrane Holzarbeiten, rustikale Holzdekorationen, glanzvoller Adventsschmuck, kinetische Karussells aus Holz und Papier, Filzspaß für Leseratten, bei dem lustige Bücherwürmer entstehen, eine Masken- und eine Keramikwerkstatt laden zum Staunen und zum Ausprobieren ein.
So zelebriert das Deutsche Spielzeugmuseum an diesen Festtagen die Freude über 125 Jahre lebendige Spielzeuggeschichte. Zudem lädt das Haus am Sonntag bei freiem Eintritt dazu ein, die historischen Museumsschätze zu erkunden.
Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: [email protected]