Antrittsbesuch

Nach FCAS-Aus: Burnham bietet Merz Einstieg in Kampfjet-Projekt an

Großbritannien öffnet sein neues Kampfjet-Programm für Deutschland. Das Angebot kommt wenige Monate nach dem Scheitern des gemeinsamen deutsch-französischen Kampfflugzeugs.

4 Min
Andy Burnham und Friedrich Merz beim deutsch-britischen Wirtschaftsforum im Kanzleramt.

Andy Burnham und Friedrich Merz beim deutsch-britischen Wirtschaftsforum im Kanzleramt.

© Tobias Schwarz/AFP

Der britische Premierminister Andy Burnham hat Deutschland bei seinem Antrittsbesuch in Berlin eine Beteiligung am internationalen Kampfjet-Programm GCAP in Aussicht gestellt. Großbritannien entwickelt dort gemeinsam mit Italien und Japan ein Kampfflugzeug der nächsten Generation.

Burnham habe Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) bei den Gesprächen im Kanzleramt die britische „Offenheit signalisiert, dass Deutschland GCAP beitritt“, sagte der Premier am Donnerstag. Dies wolle London in der kommenden Zeit gemeinsam mit Deutschland und den bisherigen Partnern Italien und Japan weiter vorantreiben. Reuters bestätigte den Vorstoß nach dem Treffen.

Eine Entscheidung Deutschlands über einen Einstieg fiel in Berlin nicht.

Angebot kommt wenige Monate nach FCAS-Aus

Für die Bundesregierung kommt Burnhams Vorstoß zu einem entscheidenden Zeitpunkt. Deutschland und Frankreich hatten im Juni nach jahrelangen Auseinandersetzungen der beteiligten Unternehmen das gemeinsame Kampfflugzeug im Rahmen des Future Combat Air System, kurz FCAS, aufgegeben.

Die Bundesregierung erklärte damals, Merz und Frankreichs Präsident Emmanuel Macron seien zu der gemeinsamen Einschätzung gelangt, dass die Unternehmen „beim Bau eines gemeinsamen Kampfflugzeuges im Rahmen dieses FCAS-Projekts nicht zusammenfinden“. Merz sprach später von einem Scheitern an „industriellen Differenzen“.

Empfang des Premierministers von Großbritannien: Andy Burnham und Bundeskanzler Friedrich Merz beim Vier-Augen-Gespräch auf der Terrasse des Bundeskanzleramtes.

Empfang des Premierministers von Großbritannien: Andy Burnham und Bundeskanzler Friedrich Merz beim Vier-Augen-Gespräch auf der Terrasse des Bundeskanzleramtes.

© dts Nachrichtenagentur/imago

Nicht sämtliche Teile von FCAS wurden beendet. Deutschland und Frankreich wollen unter anderem die Combat Cloud weiterentwickeln, mit der Flugzeuge, Drohnen und andere Systeme vernetzt werden sollen. Eingestellt wurde nach Angaben Macrons ausdrücklich das gemeinsame Kampfflugzeug.

Damit stellt sich für Berlin die Frage, mit welchen Partnern ein künftiger Kampfjet entwickelt werden könnte. GCAP gilt dabei seit dem FCAS-Aus als eine der möglichen Alternativen.

Open Source

Open Source

Sie haben etwas zu sagen? Senden Sie uns Ihren Text! 

Einreichen
Open Door

Open Door

Sie möchten ein Thema vorschlagen? Senden Sie uns Ihren Vorschlag!

Vorschlagen

Großbritannien, Italien und Japan wollen neuen Jet bis 2035

GCAP steht für Global Combat Air Programme. Großbritannien, Italien und Japan wollen das neue Flugzeug bis 2035 einsatzbereit machen. Hinter dem Programm stehen unter anderem BAE Systems, der italienische Konzern Leonardo und Mitsubishi Heavy Industries. Kanada trat im Sommer zunächst als Beobachter bei, auch Saudi-Arabien hat Interesse gezeigt.

Deutschland könnte für die drei Gründungsstaaten ein gewichtiger Partner sein. Berlin arbeitet bereits beim Eurofighter mit Großbritannien und Italien zusammen und erhöht seine Verteidigungsausgaben erheblich. Ein weiterer großer Teilnehmer könnte zudem die Entwicklungskosten auf mehr Staaten verteilen. Reuters verweist allerdings auch auf Warnungen aus der Industrie, wonach zusätzliche Partner Entscheidungsprozesse verlangsamen könnten.

Kensington-Vertrag tritt in Kraft

Bei Burnhams Besuch ging es nicht nur um den Kampfjet. Merz und der britische Premier tauschten im Kanzleramt auch die Ratifizierungsurkunden des deutsch-britischen Freundschaftsvertrags aus. Damit trat der sogenannte Kensington-Vertrag offiziell in Kraft. Die Vereinbarung war im Juli 2025 von Merz und Burnhams Vorgänger Keir Starmer in London unterzeichnet worden.

Merz sprach am Donnerstag von einem „historischen“ Tag. Der Vertrag eröffne beiden Ländern neue Möglichkeiten der Zusammenarbeit. Der Kanzler hob insbesondere die Erleichterungen für junge Menschen hervor. Deutschland und Großbritannien hatten unter anderem vereinbart, Schulreisen zu vereinfachen und Hindernisse für eine direkte Bahnverbindung zwischen Deutschland und London abzubauen. Eine gemeinsame Arbeitsgruppe soll die Voraussetzungen dafür schaffen, direkte Zugverbindungen innerhalb der kommenden zehn Jahre zu ermöglichen.

Für deutsche Schulgruppen gelten inzwischen ebenfalls Erleichterungen. Schülerinnen und Schüler bis 19 Jahre können unter bestimmten Voraussetzungen als Teil organisierter Gruppen ohne Visum oder elektronische Einreisegenehmigung nach Großbritannien reisen.

Berlin und London reagieren auf hybride Bedrohungen

Neu ist außerdem eine gemeinsame Partnerschaft gegen hybride Angriffe. Deutschland und Großbritannien wollen Informationen enger austauschen und Maßnahmen gegen Cyberangriffe, Sabotage und Angriffe auf kritische Infrastruktur koordinieren.

Die britische Regierung nennt dabei ausdrücklich Russland als besondere Bedrohung. „Angriffe auf unsere Infrastruktur, unsere Unternehmen und unsere Demokratien sind keine ferne Bedrohung“, erklärte Burnham. Sie reichten bis in Wohnungen und Arbeitsplätze hinein und sollten Gesellschaften schwächen und spalten.

Burnhams Besuch in Berlin steht zugleich im Zeichen einer weiteren Annäherung Großbritanniens an Europa nach dem Brexit. Die britische Regierung erklärte vor dem Treffen, sie wolle ihre Beziehungen zu europäischen Partnern neu ausrichten. Burnham warb in Berlin für eine engere Zusammenarbeit mit der EU, unter anderem in Wirtschafts- und Sicherheitsfragen.

Send feedback

Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: [email protected]

Lesen Sie mehr zum Thema
weltbune Banner