Kulinarik

Deutschlands erstes Robotik-Restaurant eröffnet: Was der erste Sterne-Koch des Ostens davon hält

Eine einzige Person arbeitet im ersten Roboter-Restaurant in Leipzig. Sie befüllt die Maschinen, erklärt den Kochprozess. Ein Zukunftsmodell?

5 Min
Roboterarm am Herd statt ein Koch: In Leipzig öffnete Deutschlands erstes Robotik-Restaurant.

Roboterarm am Herd statt ein Koch: In Leipzig öffnete Deutschlands erstes Robotik-Restaurant.

© Sebastian Willnow/dpa

Plastikarme statt Küchenpersonal, maschinelle Vibration statt Umrühren mit dem Kochlöffel. So sieht es in der Küche des ersten Roboter-Restaurants in Deutschland aus. Das eröffnete am Mittwoch in den Hauptbahnhof-Passagen von Leipzig. Im gut 60 Quadratmeter großen „Robyn's“ steht kein Mensch am Herd, die Speisen werden von einem Roboter zubereitet.

Der Gast kann unter 14 Gerichten, darunter vegetarische und vegane Speisen, aus dem Menü wählen: von Porridge über Salate, Pasta und Kaiserschmarrn bis hin zu asiatischen Wok- Gerichten. „Der Gast wählt am Touchpad das Essen aus und der Roboter bereitet alles frisch zu. In zwei bis sechs Minuten ist das Gericht fertig“, erläuterte Gründer Florian Schneider. Nach seinen Angaben ist es das erste Lokal in Deutschland, in dem ein Roboter frische Speisen ohne menschliche Hilfe zubereitet.

So ganz stimmt das nicht. Denn das Gemüse muss schon noch vorher von Hand geschnitten werden und auch bei den Rezepten waren Menschen im Spiel. Genauer gesagt ein ehemaliger Sternekoch, wie Schneider erläuterte.

Gastronom Florian Schneider betreibt das „Robyn‘s“, einen vollständig automatisierten Kochbetrieb im Leipziger Hauptbahnhof.

Gastronom Florian Schneider betreibt das „Robyn‘s“, einen vollständig automatisierten Kochbetrieb im Leipziger Hauptbahnhof.

© Sebastian Willnow/dpa

Die Gäste können dem stählernen Koch hinter der Scheibe bei der Arbeit zuschauen, nachdem sie sich an einem Bildschirm ihr Essen ausgesucht und bezahlt haben. Dafür sind die Töpfe angeschrägt,  um einen besseren Einblick zu gewähren. Der Greifarm holt sich zunächst eine Pfanne, die Zutaten kommen vorgeschnitten auf das Gramm genau hinein und werden auf einem von acht Kochfeldern gegart. Das Essen wird in einer Pappschale zum Mitnehmen herausgegeben. Denn Plätze hat das Restaurant nicht.  Praktisch: Der Roboter kümmert sich auch um den Abwasch, räumt die Spülmaschine ein und aus.

Sternekoch entgegnet: „Kochen ist Handwerk“

Mario Pattis holte als erster ostdeutscher Koch einen Michelin-Stern in den Osten - er sieht das Projekt ambivalent: „Kochen ist für mich Handwerk. Zwar hat sich die Systemgastronomie auch durchgesetzt, aber ich weiß nicht, ob Roboter-Restaurants zum Trend werden“, erklärt er gegenüber dieser Zeitung.

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1994 holte Pattis mit dem Familienbetrieb seiner Eltern, dem Dresdner Restaurant „Zur Erholung“, den ersten Stern für die ostdeutsche Küche, heute betreibt er das „Restaurant Feine Kost & Pattis Kantine“ in Dresden.

Er versteht den Ansatz – das Personalproblem – das in der Gastronomie allgegenwärtig ist. Pattis hat aber auch die Hoffnung, dass durch den maschinellen Einsatz in der Küche menschliche Handarbeit wieder mehr geschätzt wird: „In der gehobenen Küche haben wir ein bestimmtes Klientel, denen die Qualität der Lebensmittel, ihre Herkunft und Verarbeitung sehr wichtig ist. Von daher glaube ich, Sterne-Küche wird es immer geben. Für junge Leute kann so eine Roboter-Küche schon mal eine Modewelle sein.“

Mario Pattis war Ostdeutschlands erster Sterne-Koch und schwört noch heute auf Handarbeit in der Küche.

Mario Pattis war Ostdeutschlands erster Sterne-Koch und schwört noch heute auf Handarbeit in der Küche.

© Markus Wächter/Ostdeutsche Allgemeine

Ein Roboter kocht, einer schenkt Getränke aus

Der Personaleinsatz in der Roboter-Küche ist minimal. Nur ein Mitarbeiter ist im Geschäft, der die Magazine mit den Zutaten immer wieder bestückt, so Schneider. Er soll anfangs den neugierigen Kunden auch als Ansprechpartner dienen und die Kochschritte erklären. 

Für die Getränke im „Robyn's“ ist ein weiterer Roboter eines Schweizer Unternehmens zuständig. Hinter einer Scheibe werden vom Greifarm 35 Getränke zubereitet - zehn verschiedene Kaffees, frische Limonaden und alkoholfreie Mocktails.

80 bis 120 Gerichte pro Stunde möglich

Der autonome Küchenroboter ist vom Hamburger Unternehmen goodBytz gemietet und kann je nach Gericht zwischen 80 und 120 Gerichte pro Stunde zubereiten. Rund 100.000 Euro hat der Gastronom investiert und sieht Leipzig als Modellversuch. „Um profitabel zu sein, müssen wir etwa 150 Gerichte am Tag verkaufen. Wenn es funktioniert, wollen wir natürlich wachsen.“ Bei rund 100.000 Reisenden täglich am Leipziger Hauptbahnhof scheint das realistisch.

Axel Klein, Hauptgeschäftsführer des Hotel- und Gaststättenverbandes Sachsen (Dehoga), begrüßt das neue Angebot: „Innovationen sind immer gefragt, das sollte man mal ausprobieren. Da ist natürlich auch Show dabei, aber die Menschen werden interessiert zuschauen. Das wird funktionieren. Vor allem am Bahnhof, wo es um schnelles Essen geht.“

Es gebe einen Trend zum effizienteren Arbeiten mit geringen Kosten, so Klein weiter. „Hier wird Personal gespart, schließlich wird die Ressource Mensch immer teurer.“ Auch bei der Hygiene sieht Klein keine Probleme. Das zuständige Veterinäramt wird die Abläufe kontrollieren. „Der Roboter bekommt klare Standards programmiert, die er dann ausnahmslos ausführen wird. Er wird auch nicht krank oder überträgt Keime durch eine leichte Erkältung oder einen Schnupfen“, so Klein.

Spitzenkoch Mario Pattis bleibt dennoch bei seinen Mitarbeitern, lehnt sogar den Einsatz eines Bedien-Roboters ab, den man schon häufiger in Restaurants antrifft. „Bei den Modellen, die es derzeit gibt, muss man den Roboter ja erst bedienen, bevor er bedient. Wenn ich einen engagierten Mitarbeiter habe, der mitdenkt, dann ist der zehnmal schneller als der Roboter.“ (mit dpa)

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