Ab dem 2. Januar 2027 soll in Deutschland die nationale Version der Europäischen Digitalen Identitäts-Wallet (EUDI-Wallet) unter dem Namen „d-you" verfügbar sein. Das gab Bundesdigitalminister Karsten Wildberger (CDU) bekannt. Die App soll zunächst den Personalausweis auf das Smartphone bringen, später sollen weitere Dokumente wie der Führerschein folgen. „Mit d-you entwickeln wir eine digitale Anwendung, die echten Mehrwert bietet", sagte Wildberger.
Zum Start sollen rund 40 staatliche Stellen und Unternehmen Anwendungen für die Wallet bereitstellen, darunter die Deutsche Post, Eon, Rossmann, Vodafone, die Arbeitsagentur, die Rentenversicherung und mehrere Universitäten. Mit der App sollen sich unter anderem das Alter nachweisen, rechtssicher Verträge schließen oder Bankkonten eröffnen lassen.
Technisch handelt es sich bei „d-you" um eine Smartphone-App, in der Daten rechtsgültig gespeichert werden können. Ein integrierter Baukasten ermöglicht es Unternehmen, eigene Anwendungen an die Wallet anzubinden. Denkbar sind laut den Verantwortlichen etwa der digitale Nachweis der Zeichnungsberechtigung für ein Unternehmen anstelle eines Handelsregisterauszugs, die vereinfachte Immatrikulation, digitale Ladekarten für Elektroautos oder die Berechtigung von Steuerberatern zur Einsicht in öffentliche Akten. Technisch möglich wäre auch der Echtzeit-Nachweis über einen Entzug der Fahrerlaubnis.
Datensparsamkeit als Kernprinzip
Ein zentraler Unterschied zum bisherigen Verfahren ist die Datenminimierung. Referatsleiter Saxowski erläutert das an einem Beispiel: „Der Türsteher im Club zum Beispiel lässt sich bisher den Personalausweis zeigen und liest im Zweifel auch die Adresse, die er aber nicht braucht." Die digitale Brieftasche übermittle in diesem Fall nur Foto, Name und die Bestätigung, dass die Person über 18 sei. „Es werden nur die Daten offengelegt, die für eine besondere Anwendung nötig sind."
Die Entwicklung der Wallet begann im Frühjahr 2024 mit einem Wettbewerb der Bundesagentur für Sprunginnovationen (Sprind), an dem Universitäten, Start-ups und Konzerne teilnahmen. Eingebunden ist auch das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik. Betrieben wird die App künftig von der neu gegründeten staatlichen Firma Common Code, die zunächst bei Sprind angesiedelt ist.
Quellcode offengelegt, Hacker sollen Lücken suchen
Die Entwickler haben den Quellcode der Software öffentlich zugänglich gemacht, damit externe Fachleute Tests durchführen und auf Sicherheitsprobleme hinweisen können. Anschließend ist eine sogenannte Bug-Bounty geplant, bei der Hacker gegen Bezahlung nach Schwachstellen suchen. Im Oktober oder November sollen ausgewählte Personen die Praxistauglichkeit prüfen, ab Januar 2027 folgt die allgemeine Verfügbarkeit.
„Wir wissen, dass es am Anfang wackeln wird", sagte Thorsten Lodderstedt, Projektleiter bei Sprind. Bei Projekten dieser Größenordnung sei das üblich. Die ersten drei Monate 2027 seien deshalb als Einführungsphase geplant, danach solle die Wallet sukzessive um weitere Anwendungen erweitert werden. Für die Akzeptanz sei die Nutzerzahl entscheidend: „Ein paar Millionen Nutzer sollten es im nächsten Jahr aber schon sein", so Lodderstedt. Die Nutzung der Wallet ist freiwillig.
Konto per App eröffnen, Postident entfällt
Nach dem Download lädt der Nutzer seinen Personalausweis mithilfe der sechsstelligen PIN in die App. Damit soll etwa die direkte Online-Eröffnung eines Bankkontos ohne Video- oder Postident-Verfahren möglich sein, ebenso die Altersprüfung im Handel. „Wir gehen davon aus, dass der Führerschein zügig folgt", sagte Lodderstedt. Auch Ehrenamtskarten und Sozialpässe sollen in die Wallet integriert werden.
Laut Referatsleiter Saxowski soll „d-you" bereits zum Start einen größeren Funktionsumfang aufweisen als die Wallet-Angebote der US-Anbieter Apple und Google sowie des koreanischen Herstellers Samsung, die entsprechende Funktionen in ihre Smartphones integriert haben.
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