Wahlmodus

Die Ausnahme wurde zur Regel: Warum über die Briefwahl neu diskutiert werden muss

Rund ein Drittel der Sachsen-Anhalter wird dieses Jahr per Post wählen. Was als Notlösung begann, ist heute Alltag – und verdient eine Debatte über die Risiken.

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Was einst als Notlösung gedacht war, prägt heutzutage die anstehenden Landtagswahlen: Die Briefwahl.

Was einst als Notlösung gedacht war, prägt heutzutage die anstehenden Landtagswahlen: Die Briefwahl.

© Matthias Bein/dpa

Die Briefwahl ist in Deutschland über Jahre zur Normalität geworden. Kein Grundsatzbeschluss, keine große Bundestagsdebatte markierte den Punkt, an dem aus der Ausnahme die Normalität wurde. Es geschah Wahl für Wahl.

Bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt 2021 gaben 29,1 Prozent der Wähler ihre Stimme per Brief ab – ein Rekord. 2016 waren es erst 13,7 Prozent. Der Politikwissenschaftler Thorsten Faas von der Freien Universität Berlin nennt gegenüber dieser Zeitung die Ursachen und die Folgen: „Die Anteile steigen und haben durch die Corona-Pandemie nochmal einen Schub bekommen. Letztlich wird aus dem Wahlsonntag eigentlich ein Zeitraum von mehreren Wahlwochen.“

Wie sehr die Briefwahl inzwischen zum Normalfall geworden ist, zeigt der Blick in die beiden größten Städte des Landes. Kurz vor dem Wahltermin am 6. September haben allein in Magdeburg und Halle rund 87.500 Menschen Briefwahl beantragt – Tendenz weiter steigend. In Magdeburg lagen zuletzt etwa 48.300 Anträge vor, die Stadt rechnet bis zum Wahltag mit rund 55.000 bei etwa 180.000 Wahlberechtigten. In Halle gingen bereits rund 39.200 Anträge ein. Zum Vergleich: 2021 registrierte die Stadt insgesamt rund 36.800 Briefwähler.

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