Die Berliner Grünen können es kaum noch erwarten: Wenige Tage nach der Abgeordnetenhauswahl fordert die Parteispitze schon mal drei Senatsressorts, dazu kommen Grünen-Politiker, die sich als Senatoren für andere Bereiche ins Gespräch bringen. Ganz so, als ob die Grünen die stärkste Kraft wären und sich einen Koalitionspartner aussuchen könnten. Die Wahl jedoch hat die Berliner SPD gewonnen. Die Grünen haben zwar deutlich zugelegt, sind aber immer noch nur die viertstärkste Kraft im Parlament. Das zu beachten, würde die Verhandlungsbasis der Grünen verbessern.Die Sozialdemokraten sind nämlich zu Recht irritiert. Sind nicht Inhalte wichtiger als die Frage, wer von den Grünen mal wieder einen Senatoren-Titel erhält und einen Dienstwagen mit Fahrer bekommt? Offenbar nicht, denn sonst hätte die Spitzenkandidatin Franziska Eichstädt-Bohlig alle Fragen nach Senatsressorts unbeantwortet gelassen. Das wäre professionell gewesen.Heute wollen sich SPD und Grüne zu einem ersten Sondierungsgespräch treffen. Wer aber meint, dass der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) sowieso ein Bündnis mit den Grünen schließt, weil die Parteibasis dies zurzeit so sehr fordert, der irrt. Wowereit wird die Koalition eingehen, die ihm nutzt und die für fünf Jahre hält. Die Grünen müssen erstmal nachweisen, dass sie verlässlich sind und auch schwierige Entscheidungen mittragen. Ein starker Fraktionsvorsitzender wäre dafür nötig, doch den haben die Grünen nicht. Dabei ist ein solcher Fraktionschef in einer Regierung, die nur zwei Stimmen Mehrheit hat, allemal wichtiger als jeder Senator.
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