Die Wasserqualität der Brandenburger Seen und Flüsse hat sich nach den Untersuchungen des Landesumweltministeriums in den vergangenen vier Jahren beständig verbessert. Aber besser ist noch nicht gut.Noch immer wird ein Viertel der Flüsse Brandenburgs, auch die untere Havel, als stark bis sehr stark verschmutzt eingestuft. Der Zustand von rund einem Drittel der 1 100 untersuchten Seen gilt als kritisch.Dennoch, das in Deutschlands gewässerreichstem Bundesland Erreichte kann sich sehen lassen. Flußläufe von knapp 1 700 Kilometer Länge durchziehen Brandenburg. 1990 galten noch 101 Kilometer als übermäßig verschmutzt - nach bundeseinheitlicher Klassifizierung die schlechteste Stufe. Heute bleibt diese Kategorie in der Statistik leer. Dahme stark verschmutzt Nach der von Umweltminister Matthias Platzeck (SPD) gestern vorgestellten Gewässergütekarte 1994 werden jetzt nur noch Teile der Dahme südlich von Berlin als sehr stark verschmutzt eingestuft, insgesamt zwei Prozent der Fließgewässer. Das auch nicht gerade herausragende Prädikat "stark verschmutzt" trifft immerhin noch 208 Flußkilometer (1990: 297 km) - darunter 41 Havelkilometer im Großraum Potsdam, was auch auf den nicht gerade zum Baden empfehlenswerten Schwielowsee auswirkt. Hoffnungen, daß sich daran kurzfristig etwas ändern wird, mochte Lothar Kalbe, Abteilungsleiter im Brandenburger Landesumweltamt, gar nicht erst wecken: Schuld sei die Schadstoffeinleitung im Ballungsraum Berlin.Bei den Seen läßt sich ein Vorher-nachher-Vergleich schwerer ziehen. Mit dem Aufbau eines "Seenkatasters" - bislang einmalig in der Bundesrepublik - wurde in Brandenburg 1991 begonnen. Inzwischen sind rund 1 100 Seen vor allem auf ihre Nährstoffbelastung überprüft. Etwa die Hälfte sei "stark belastet", ein Drittel im kritischen Bereich, erklärte Jens Meisel, Geschäftsführer des mit den Untersuchungen betrauten Vereins "Gewässerkataster und angewandte Gewässerökologie" (GUG).Minister Platzeck formuliert es fast poetisch: "Seen haben ein längeres Gedächtnis als Flüsse." Ohne Eingriffe des Menschen könnten sie sich von Umweltbelastungen kaum erholen. Schadstoffe, wie die zu Algenbildung und schließlich Sauerstoffarmut führenden Phosphate lagern sich auf dem Grund ab. Bisher hat das Umweltministerium 55 Millionen Mark für die Sanierung, Entschlammung und Reinigung von 100 Gewässern ausgegeben. Kläranlagen modernisiert Größere Projekte waren der Falkenhagener und der Müllroser See. Der Bedarf, so Platzeck, ist nach wie vor hoch. Für den Bau und die Modernisierung von Kläranlagen hat sein Ministerium - nicht ganz unumstritten mit Blick auf die Explosion der Abwasserpreise - 940 Millionen Mark bereitgestellt. Doch hat sich der Anteil der an die Kanalisation angeschlossenen Haushalte seit 1990 nur von 54 auf 57 Prozent erhöht.Die schlechteste Wasserqualität weisen nach den Untersuchungen des GUG die Seen rund um Berlin auf. Jens Meisel: "Sie sind älter, flacher und stärker genutzt." Verschmutzt werden sie aber nicht allein durch die Abwässer von Datschen, Privathaushalten, Landwirtschaft und Gewerbe. Auch der Drang Badender, im Wasser Wasser zu lassen, stellt vielfach - insbesondere bei kleineren Kiesgruben - eine erhebliche Belastung dar. Jens Meisel vom GUG ist sich sicher: "Wenn sich das Wasser dadurch rot färben würde, würde niemand mehr rein gehen."Die saubersten Gewässer des Landes sind im Norden zu finden. Zu den Spitzenreitern zählt nach wie vor der 68 Meter tiefe Stechlinsee unweit von Rheinsberg. Zu Geheimtips will sich Gewässerökologe Meisel aber nicht hinreißen lassen. Oft handele es sich um entlegene Waldseen. Die wolle er vor einer Übernutzung bewahren.In die Rolle der Umweltschützer schlüpft immer stärker auch die Brandenburger Wasserschutzpolizei. Auf ihre Aktivitäten führt sie zurück, daß die eingeleiteten Strafverfahren wegen Gewässerverunreinigung und illegaler Abfallentsorgung jetzt wieder rückläufig sind. Von 1993 auf 1994 hatte sich die Zahl mit 200 Verfahren zunächst verdoppelt.Ein wesentlicher Faktor für die Qualität zumindest der Oberflächengewässer ist die illegale Entsorgung nach Einschätzung von Lothar Halbe vom Landesumweltamt aber nicht. Das meiste wird legal eingeleitet.
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