Die Anwohner des Flughafens Schönefeld sind sich nicht einig, wie sie auf den Beschluß der Airport-Holding reagieren sollen, das Areal zum Hauptstadt-Flughafen auszubauen. In Diepensee haben sich 96 Prozent der Bürger für einen Umzug ihres Dorfes ausgesprochen. Nach Ansicht der brandenburgischen Landesregierung bedeutet der Flughafen-Beschluß offenbar das endgültige Aus für die "Airport City".Die 362-Seelen-Gemeinde würde nach bestehender Planung zwischen der alten und der neuen Startbahn regelrecht eingekeilt (siehe Grafik). Bürgermeister Michael Pilz (parteilos) setzt nach dem am Montag bekanntgegebenen Umfrageergebnis nun ganz auf "Neu-Diepensee" und nimmt sich die Umsiedlungen im Braunkohlenrevier der Lausitz zum Vorbild. Er baut dabei auf eine Zusage von Ministerpräsident Manfred Stolpe (SPD). Dieser habe bei einem Ortstermin am Freitag versprochen, das Land werde "nach dem Willen der Diepenseer handeln". Und die wollen weg vom Single-Airport. Allerdings wissen die Diepenseer noch nicht wohin. In der Diskussion sind nahegelegene Gemeinden wie Waltersdorf, Kiekebusch oder Rotberg. Pilz ist klar, daß ihm jetzt zähe Verhandlungen mit Berlin, Brandenburg und der Flughafen-Holding bevorstehen, damit der Umzug für die Diepenseer kostenneutral bleibt. In drei Jahren, so hat die Gemeindevertretung am Montag beschlossen, müsse mit dem Bau von Neu-Diepensee begonnen werden. Wenig Widerstand gibt es auch in Selchow am Westende des Flughafens. "Wir können doch nichts ändern", sagt Lutz Ribbecke (parteilos), Bürgermeister der 360 Einwohner starken Gemeinde. Sauer ist er über den Planungsstopp für das Selchower Wohngebiet. Brandenburgs Planer, so Ribbecke, "wollen uns den Hals abdrehen". Andererseits sei der geplante Bau der Landebahn "optimal". Der Durchgangsverkehr aus den umliegenden Gewerbegebieten werde dadurch abgeschnitten - keine Laster mehr in Selchow. Anders in Rotberg. Dort wird gesammelt. "Wir stellen pro Einwohner eine Mark für Rechtsanwaltskosten bereit." Die will Bürgermeister Werner Krüger (parteilos) der Schutzgemeinschaft zukommen lassen, die derzeit von 13 Anrainergemeinden gegründet wird. "Überhaupt keinen Anlaß", den Protestlern beizutreten, sieht Schönefelds Bürgermeister Joachim Wolff (SPD). "Mit einem Single-Airport für die Region können wir prima leben." Seine Devise: "Mit dem Flughafen wachsen." Schönefeld spekuliert auf Aufschwung und Arbeitsplätze. Bis zum Jahr 2010 soll sich die Einwohnerzahl auf 20 000 Schönefelder verzehnfachen. Zusagen der Planer lägen vor. Wolff: "Sicherlich wird es lauter. Die Bundesstraßen und die Autobahn werden uns aber viel mehr Lärm als der Flughafen bereiten."Der "Bürgerverein Brandenburg-Berlin" hat unterdessen Widerstand gegen den Ausbau Schönefelds angekündigt. Vereinsvorsitzender Manfred Baum sagte, die Bürgerinitiative bereite sich auf die Phase der Einwendungen nach dem Planfeststellungsbeschluß vor. Für den Fall, daß die Einwendungen der Betroffenen ungenügend berücksichtigt würden, kündigte er eine Klage gegen das Planfeststellungsverfahren an.Die brandenburgische Landesregierung ist offenbar der Ansicht, daß der Flughafen-Beschluß das endgültige Aus für die sogenannte Airport City bedeutet. Der BBF-Aufsichtsrat sei übereingekommen, das Verfahren für die von der Frankfurter Corona geplante Airport City samt Terminal West in Schönefeld "ruhen zu lassen", sagte gestern Staatskanzleichef Jürgen Linde. Zur Begründung verwies Linde auf die veränderte Ausbau-Grobplanung des Flughafens. Zudem verstoße das von der Corona geplante Einkaufs-, Hotel- und Kongreßzentrum Airport City gegen die Interessen von Berlin und Brandenburg sowie gegen die gemeinsamen Planungsgrundsätze der "dezentralen Konzentration". Danach haben sich Berlin und Brandenburg darauf verständigt, im "Speckgürtel" keine weiteren großflächigen Einzelhandelszentren mehr zuzulassen.Bleibt es bei dieser Vereinbarung der beiden Länder, ist allerdings auch das Konzept des Investorenkonsortiums IVG für die Privatisierung der Flughafen-Holding BBF zum Scheitern verurteilt. In dessen Planungen ist nämlich mit dem "International Airport City Center" der Bau eines mit 170 000 Quadratmetern noch weitaus größeren Einkaufszentrums vorgesehen.Corona-Geschäftsführer Feuring hatte der BBF in den letzten Monaten mehrfach mit einer millionenschweren Schadensersatzklage gedroht, falls das auf 600 Millionen Mark veranschlagte Investitionsprojekt Airport City scheitern sollte. +++
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