Rohstoffe

Vom Exporteur zum Importeur: Russland stoppt auch Dieselausfuhren seiner Produzenten

Nach ukrainischen Drohnenangriffen und Engpässen an den Tankstellen zieht Moskau die Notbremse. An den Weltmärkten schnellen die Preise für Diesel nach oben.

Peter Steiniger
Peter Steiniger
3 Min
Autos warten vor einer Tankstelle in Moskau.

Autos warten vor einer Tankstelle in Moskau.

© Kyodo News/imago

Die russische Regierung hat ihr Exportverbot für Diesel, Schiffskraftstoff und Gasöl am Mittwoch auf die Kraftstoffproduzenten ausgeweitet. Das teilte der Pressedienst des Kabinetts in Moskau mit. Bislang galt das Verbot nur für Zwischenhändler. Die Beschränkung gilt bis zum 31. Juli 2026. Ausgenommen sind Lieferungen im Rahmen zwischenstaatlicher Abkommen, etwa mit der Mongolei, wie die russische Nachrichtenagentur Interfax berichtete.

Der stellvertretende Ministerpräsident Alexander Nowak begründete den Schritt am Mittwoch in einer im Fernsehen übertragenen Regierungssitzung mit der angespannten Lage auf dem heimischen Markt. Die Situation an den Tankstellen bereite der Bevölkerung Sorge, sagte Nowak laut Reuters. Das Verbot solle die Belieferung des Binnenmarkts verbessern. Russland werde im Juli zudem Kraftstoff importieren. Nach Angaben von Branchenquellen bezog das Land bereits auf dem Seeweg Benzin aus Indien.

Ukrainische Drohnenangriffe treffen Raffinerien

Hintergrund sind wiederholte ukrainische Drohnenangriffe auf russische Raffinerien, die zu Produktionsausfällen, Engpässen und Preisspitzen geführt haben. In vielen Regionen bilden sich stundenlange Schlangen an Tankstellen.

Präsident Wladimir Putin erklärte in der Sitzung, die Ukraine versuche, Russlands Wirtschaft zu schädigen und Unruhe in der Bevölkerung zu erzeugen. Die Widerstandsfähigkeit des russischen Energiesystems zähle zu den höchsten weltweit. Kiew begründet die Angriffe damit, Russlands Fähigkeit zur Kriegsführung einzuschränken und Moskau zu Friedensgesprächen zu bewegen.

Russlands Seeexporte von Diesel und Gasöl waren nach Angaben von Reuters bereits im Juni um 39 Prozent auf rund 1,8 Millionen Tonnen eingebrochen. Hauptabnehmer waren die Türkei und Brasilien, die zusammen mindestens die Hälfte der Ladungen erhielten. Auch Marokko, Ägypten und Senegal waren unter den Käufern.

Nach Daten des Analysehauses Kpler lagen die Ausfuhren zwischen dem 1. und 8. Juli bei nur noch 214.000 Barrel pro Tag, gegenüber 793.000 Barrel pro Tag im Juli 2025.

Preissprung an den Weltmärkten

An den internationalen Märkten reagierten die Preise für Diesel deutlich. Die US-Dieselfutures an der New Yorker Rohstoffbörse legten laut Reuters um 11,6 Prozent auf 154,71 Dollar pro Barrel zu, das größte Tagesplus seit März 2022. Die europäischen Diesel-Margen stiegen auf einen Rekordwert von 60,17 Dollar je Barrel.

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Abhishek Kumar, Analyst beim Rohstoffdatenanbieter Sparta Commodities, sagte Reuters, das Verbot komme zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt, da die Bestände nach dem Iran-Krieg bereits geschrumpft seien.

Die USA selbst beziehen keinen russischen Diesel mehr. Nach Einschätzung von Tom Kloza, Chefberater beim US-Kraftstoffhändler Gulf Oil, dürften US-Verbraucher aber über die höhere Nachfrage anderer Länder ebenfalls steigende Preise zu spüren bekommen.

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