Die russische Regierung hat ein vorübergehendes Exportverbot für Flugzeug-Treibstoff verhängt. Wie das Kabinett auf seiner Website mitteilte, gilt die am 30. Mai unterzeichnete Verordnung bis einschließlich 30. November 2026. Erfasst sei auch über den Börsenhandel erworbenes Kerosin. Ziel sei es, „eine stabile Situation auf dem heimischen Brennstoffmarkt zu gewährleisten“.
Von dem Verbot ausgenommen ist Kerosin für den Eigenbedarf von Flugzeugen auf der Durchreise. Ebenfalls nicht betroffen sind Lieferungen im Rahmen bestehender zwischenstaatlicher Abkommen sowie Kerosin-Chargen, die bereits vor dem Inkrafttreten der neuen Regelung zollrechtlich abgefertigt wurden.
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Geringe Bedeutung für Weltmarkt
Russland exportierte laut Daten der Analysefirma Vortexa, die Bloomberg auswertete, im vergangenen Jahr im Schnitt 30.000 Barrel Flugzeug-Kraftstoff pro Tag, was weniger als zwei Prozent der globalen Lieferungen entspricht. In den ersten vier Monaten 2026 lag der Wert bei 28.000 Barrel täglich, Hauptabnehmer war demnach die Türkei. Reuters zufolge geht russisches Kerosin vor allem per Bahn in zentralasiatische Staaten wie Kasachstan, Kirgisistan, Tadschikistan und Usbekistan.
Den Export von Benzin hatte Moskau bereits eingeschränkt, über mögliche Beschränkungen für Diesel werde laut der Nachrichtenagentur Interfax beraten, berichtete Reuters. Kreml-Sprecher Dmitri Peskow sagte Bloomberg zufolge am 21. Mai, derzeit bestehe kein Risiko von Kraftstoffengpässen; geringere Raffineriemengen seien teils auf saisonale Wartungsarbeiten zurückzuführen.
Angriffe auf russische Energieinfrastruktur
Hintergrund sind nach Bloomberg-Angaben auch fortgesetzte ukrainische Angriffe auf russische Energieinfrastruktur. Der Finanzdienst zählte im Mai mindestens 30 Treffer auf russische Ölanlagen und damit so viele wie in keinem Monat seit Kriegsbeginn. Mindestens 16 Attacken hätten sich gegen kraftstoffproduzierende Anlagen gerichtet, Drohnen hätten acht der zehn größten Raffinerien des Landes angegriffen.
Die Raffinerie Yanos, an der die Konzerne Rosneft und Gazprom Neft beteiligt sind, sei laut Bloomberg im Mai dreimal angegriffen worden, Anlagen des Unternehmens Lukoil in Nischni Nowgorod und Perm jeweils zweimal. Nach Schätzungen des Analysehauses OilX, auf die sich Bloomberg beruft, sank die durchschnittliche Verarbeitungsmenge russischer Raffinerien im Mai auf 4,58 Millionen Barrel pro Tag – der niedrigste Wert seit Oktober 2009.
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