Erst Demonstrationen, dann Krawalle: In ganz Deutschland sind am Samstag Tausende junge Menschen auf die Straße gegangen, um gegen Missstände im Bildungssystem, steigende Lebenshaltungskosten und eine mögliche Wehrpflicht zu protestieren.
Doch was zunächst weitgehend friedlich verlief, eskalierte am Abend in mehreren Städten. Es kam zu Angriffen auf Polizisten, zahlreichen Sachbeschädigungen und Plünderungen.
Dieter Bohlen hat Verständnis für die Gen Z
Dieter Bohlen stellt sich hinter die jungen Protestierenden. In einem Instagram-Video zeigt der 72-jährige DSDS-Juror Verständnis für die Demonstrationen, zu denen unter anderem die Bewegung „Gen Z regelt“ im Vorfeld aufgerufen hatte: „Ja, meine Freunde, es ist richtig, wenn euch der Kragen platzt und wenn ihr demonstrieren geht.“
„Ich bin auch total gegen eine neue Wehrpflicht, ja. Warum? Ich habe sechs Kinder, die würde ich niemals in den Krieg schicken“, führt der Entertainer. Seine klare Haltung begründet er mit der Geschichte seiner eigenen Familie: „Ich bin neun Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg geboren. Mein Vater war mit 18 Jahren in den Krieg gegangen und sofort in Gefangenschaft gekommen, wäre fast gestorben.“
Dann stellt der Entertainer die Frage: „Wofür? Wofür sind diese Kriege gut? Für gar nichts. Und deshalb sollten wir alle dagegen sein.“
Doch dabei belässt es der Musiker nicht. Auch der Umgang mit öffentlichen Geldern hierzulande stößt Bohlen sauer auf: „Natürlich habt ihr Angst um eure Zukunft. Mit Recht!“ Demnach hätten Politiker genug Geld. „Aber wofür benutzen sie das Geld? Eben nicht, um das in die Schulen zu stecken, nicht um das in unsere Infrastruktur zu stecken.“
Um seinen Punkt zu veranschaulichen, schildert Bohlen ein persönliches Erlebnis: Vergangene Woche sei er mit seinem Auto auf einer Autobahn unterwegs gewesen und habe über eine Waage fahren müssen, weil eine Brücke beschädigt gewesen sei. „Das ist doch in so einem Land wie Deutschland unmöglich.“
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Ohne näher auf die Ausschreitungen in Städten wie Frankfurt, Hamburg oder Köln einzugehen, richtet sich der sechsfache Vater abschließend mit einem eindringlichen Appell an die Protestierenden: „Deshalb wehrt euch dagegen. Lasst euch nicht alles gefallen.“
„Gefundenes Fressen“: Luisa Neubauer übt Kritik
Luisa Neubauer kritisiert derweil den Fokus der Berichterstattung über die zurückliegenden Proteste. Dem rbb-Inforadio erklärte die 30-jährige Umweltaktivistin, sie sei genervt davon, wie viel über die Ausschreitungen am Abend und wie wenig über die Sorgen und Forderungen der jungen Menschen berichtet werde.
Sie habe den Eindruck, dass es für einige „so eine Art gefundenes Fressen“ sei und manche von Anfang an kein Interesse daran gehabt hätten, sich ernsthaft mit den Bedürfnissen der Demonstrierenden auseinanderzusetzen.
Zudem ist Neubauer davon überzeugt, dass die Initiatoren der Proteste ihre Themen stärker eingrenzen sollten. Dass junge Menschen sowohl gegen eine mögliche Wiedereinführung der Wehrpflicht als auch für mehr Investitionen in Bildung, eine bessere Infrastruktur und bezahlbaren Wohnraum auf die Straße gehen, sei zu viel auf einmal: „Es ist einfach leichter, Druck aufzubauen, wenn man Forderungen fokussieren kann.“
Zwar könne sie nachvollziehen, dass sich die Bewegung angesichts vieler Krisen und Baustellen zerrissen fühle. „Das führt natürlich schnell dazu, dass man sagt, wir müssen das alles angehen.“ Strategisch gesehen ergebe es allerdings Sinn, die Forderungen zu schärfen, um sich von anderen abgrenzen zu können.
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Die Bewegung sei ein Kind ihrer Zeit. „Und diese Zeit sagt uns, überall sind Krisen, wir wissen gar nicht, wo man anfangen soll“, führt die Klimaaktivistin aus. Nach eigener Aussage wünscht sich Neubauer, dass die Proteste weitergehen. Der politische Druck müsse weiter aufgebaut werden und wachsen.
Natascha Ochsenknecht über Proteste und Gewalt
Bereits im Vorfeld der Proteste äußerte sich Natascha Ochsenknecht. In einem Instagram-Video unterscheidet die 62-jährige Ex-Frau von Uwe Ochsenknecht klar zwischen friedlichem Protest und Gewalt: „Ich bin immer dafür, dass man klar seine Meinung sagt, freie Meinungsäußerung. Aber es gibt für mich tatsächlich Grenzen.“
Für sie ist diese Grenze erreicht, wenn Menschen Demonstrationen nutzen, um Geschäfte zu plündern, Sachen zu beschädigen oder anderweitig Gewalt auszuüben.
Ochsenknecht blickt mit Sorge auf Geschäftsinhaber und Angestellte. Zwar könnten Handelsketten, deren Geschäfte am Samstagabend etwa in Frankfurt beschädigt worden seien, die Verluste womöglich eher verkraften. Doch auch dort seien Menschen beschäftigt, die auf ihr Einkommen angewiesen sind.
„In diesen Geschäften arbeiten ganz normale Menschen, die das alles für ihren Lebensunterhalt brauchen, die vielleicht eine Familie zu ernähren haben, Alleinerziehende“, gibt die dreifache Mutter zu bedenken.
Um Ausschreitungen wie am Samstagabend zu verhindern, sollten auch Eltern nach Ochsenknechts Ansicht stärker auf ihre Kinder achten. Für den Austausch sollten diese eher auf persönliche Gespräche setzen und weniger über das Handy kommunizieren. Gemeinsam könnten sie dann überlegen, wie sich Probleme anders lösen lassen.
Jan Josef Liefers: „Ich verstehe die Kids und ihren Protest“
Und auch Jan Josef Liefers sprach bereits im Vorfeld über die Proteste am Wochenende. Im Podcast „Liefers + Broicher“ erklärte der Schauspieler, dass er den Protest der Gen Z durchaus nachvollziehen könne. Auch er befürchtete allerdings, dass gewaltbereite Gruppen die Demonstrationen kapern könnten.
Jan Josef Liefers warnt vor Chaoten, die den Protest kapern
Sein Appell im Gespräch mit dem Autor Alexander Broicher: „Wer heute seine Zukunft noch vor sich hat, muss sie behaupten, auch gegen den bräsigen Staat. Ich glaube, ich verstehe die Kids und ihren Protest.“
Dann folgte eine Warnung: „Wenn an Halloween hier wirklich wieder der Punk abgeht, dann werden sich, wie in Frankreich auch, alle altbekannten Knalltüten und Idioten daruntermischen, und den Protest kompromittieren.“
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