Gegen Freibergs Oberbürgermeister Philipp Preißler (Freie Wähler) ist offiziell ein Disziplinarverfahren eröffnet worden. Das teilte das Landratsamt Mittelsachsen mit.
Der 40-Jährige soll vor Kurzem in einem Leipziger Hotel randaliert und Gegenstände aus dem Fenster geworfen haben. Beim Zugriff der Polizei wurden nach deren Angaben zwei Beamte leicht verletzt.
Für die rund 40.000 Einwohner der Bergstadt stellt sich damit eine handfeste Frage: Wer führt gerade das Rathaus – und was bedeutet das Disziplinarverfahren gegen Philipp Preißler für einen Mann, der erst seit wenigen Wochen im Amt ist?
Was das Disziplinarverfahren gegen Preißler bedeutet
Das Landratsamt Mittelsachsen beschreibt das Verfahren als neutral. Ermittelt würden sowohl belastende als auch entlastende Tatsachen. Geprüft wird, ob Preißler als Beamter seine Pflichten verletzt und ein Dienstvergehen begangen hat.
Offen ist der Ausgang. Möglich sei laut Landratsamt eine Einstellung des Verfahrens ebenso wie eine Disziplinarmaßnahme – vom Verweis über eine Geldbuße und die Kürzung der Dienstbezüge bis zur Entfernung aus dem Beamtenverhältnis.
Was im Leipziger Hotel geschah
Der Polizeieinsatz begann nach Angaben der Polizeidirektion Leipzig am vergangenen Donnerstag vor zwei Wochen zur Mittagszeit in der Nikolaistraße im Zentrum von Leipzig.
Ein 40 Jahre alter Mann soll in einem Hotelzimmer die Einrichtung demoliert und Gegenstände auf die Straße geworfen haben. Der Abschnitt zwischen Brühl und Willy-Brandt-Platz war zeitweise gesperrt.
In ihrer Mitteilung schilderte die Polizei: „Die Einsatzkräfte sicherten den Mann in dem Hotelzimmer. Dabei leistete er aktiven Widerstand und verletzte zwei Polizeibeamte leicht“.
Anschließend kam der Mann mit einem Rettungswagen zur Behandlung in eine Klinik. Ermittelt wird wegen Sachbeschädigung und Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte.
Was über den Zustand des OB bekannt ist
Schon am Tag des Vorfalls sprach die Polizei von einem Mann im „psychischen Ausnahmezustand“. Ob Alkohol oder Drogen eine Rolle spielten, ließ sie offen.
Preißler war zu diesem Zeitpunkt nach Angaben der Stadtverwaltung im Urlaub und privat in Leipzig unterwegs. Eine Sprecherin der Stadt Freiberg bestätigte auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur, dass es sich um den Oberbürgermeister handelt.
Wer Freiberg jetzt führt
Bereits vor dem Disziplinarverfahren hatte die Kommunalaufsicht reagiert. Landrat Sven Krüger (parteilos) untersagte Preißler, seine Dienstgeschäfte weiter auszuüben.
Den entsprechenden Bescheid kündigte Krüger am Montag bei einer Pressekonferenz in Freiberg an. Die Amtsgeschäfte übernimmt seither Bürgermeister Martin Seltmann (parteilos), der die Verwaltung schon vor Preißlers Amtsantritt geführt hatte.
„In jedem Fall sind die Vorgänge in Leipzig durch nichts zu entschuldigen“, sagte Krüger. Zugleich betonte er: „Wir sehen aber auch den Menschen und haben ihm Hilfsangebote in Mittelsachsen übermittelt“.
Warum Preißlers Amtsantritt sich so lange hinzog
Preißler ist erst seit wenigen Wochen im Amt. Sein Weg ins Rathaus war kompliziert. Bei der Wahl im Oktober 2025 setzte er sich erst im zweiten Wahlgang durch – mit 45,95 Prozent der Stimmen gegen drei Konkurrenten.
Gegen die Wahl gab es einen Einspruch, den das Landratsamt als Rechtsaufsichtsbehörde ablehnte. Dagegen wurde vor dem Verwaltungsgericht Chemnitz geklagt.
Erst nachdem diese Klage zurückgezogen wurde, konnte Preißler den Posten am 24. Juni übernehmen. Zuvor hatte er zehn Jahre lang das Büro seines Vorgängers Sven Krüger geführt, der heute Landrat in Mittelsachsen ist.
Was Parteien und Stadtrat jetzt fordern
Die Freien Wähler zeigten sich auf Facebook „tief betroffen“ und nannten das Verhalten inakzeptabel. Möglicherweise sei die lange Hängepartie um die Amtsübernahme eine erhebliche Belastung gewesen.
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Die Wählervereinigung „Bürger für Freiberg“ sprach auf Facebook von einer „großen menschlichen Tragödie“. CDU-Fraktionschef Steve Ittershagen forderte, der Stadtrat müsse zeitnah über alle Umstände informiert werden, und brachte eine Sondersitzung ins Gespräch.
Kann Preißler Oberbürgermeister von Freiberg bleiben?
Als hauptamtlicher Bürgermeister ist Preißler ein kommunaler Wahlbeamter. Für ihn gelten das Beamten- und das Disziplinarrecht des Freistaates Sachsen.
Die Hürde für einen Amtsverlust liegt hoch: Zwangsweise ausscheiden muss ein Wahlbeamter erst, wenn er rechtskräftig zu mehr als einem Jahr Freiheitsstrafe verurteilt wird. So weit ist der Fall bislang nicht. Preißler selbst hat sich bisher nicht öffentlich zu dem Vorfall geäußert.
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