Heute beginnt im französischen La Rochelle das diesjährige Dokumentarfilmfestival Sunny Side of the Doc, und neben vielen anderen Gesprächen wird auch dieses hier geführt: darüber, dass immer mehr Dokumentarfilmregisseure bekannte und renommierte Schauspieler einsetzen, die durch ihre Filme führen und moderieren. Damit erhoffen sich die Filmemacher mehr Aufmerksamkeit für ihre Streifen, die in TV und Kino laufen.
Wer auch immer dafür gewonnen werden kann, auf sie oder ihn warten mitunter spannende filmische Erzählungen. Denn die Welt ist voller Krisenherde und Probleme und der Stoff für neue Dokumentationen geht nicht aus. In Deutschland hat sich Hannes Jaenicke einen Namen als Doku-Erklärer gemacht, seit fast 20 Jahren ist er mit der preisgekrönten ZDF-Reihe „Hannes Jaenicke im Einsatz“ im TV unterwegs. In den USA sind es Schauspieler mit so großen Namen wie Natalie Portman und Tom Hanks.
Letzterer ist Sprecher der neuen Naturfilmreihe „The Americas“, Kollegin Natalie Portman hatte jüngst schon in „Die geheimnisvolle Welt der Elefanten“ die Führungsrolle übernommen. Der Tagesthemen-Moderator Ingo Zamperoni bringt seit längerem dem ARD-Publikum die Höhen und Tiefen der US-Politik näher.
„Kriegt der jetzt nichts anderes mehr zu tun?“
„Im Moment ist es schwer, relevante Stoffe fiktional zu verfilmen, mit Dokus geht das leichter“, sagt Hannes Jaenicke gegenüber der DPA. Er sieht weltweit einen Boom in der Sparte Dokumentarfilm. „Die Welt ist im Moment in einem so bedrohlichen Zustand, dass die Dokumentation gegenüber dem Spielfilm das wichtigere Genre ist.“
Weil Stars oft eine treue Fangemeinde hinter sich vereinen, könne man durch ihren Einsatz eine größere Aufmerksamkeit für das Doku-Genre erzielen. Auch der Dokumentarfilmer Gunnar Dedio, Regisseur des Films „Colonia Dignidad: Eine deutsche Sekte in Chile“, hat den Eindruck, dass der Einsatz von Prominenten deutlich gestiegen ist. Er sieht das allerdings kritisch: „Damit geht man etwas weg vom inhaltlichen Ansatz hin zu einer Spielfilm-Mechanik, bei der Stars Quote bringen.“
Der Dokumentarfilm „Die Unbeugsamen 2“ porträtiert Frauen aus der DDR
Auch Jaenicke musste sich zu Beginn seiner Doku-Erzähler-Karriere, als er in kritischen Filmen über den Raubbau an der Natur mitwirkte, allerhand Negativ-Kommentare anhören. „Kriegt der jetzt nichts anderes mehr zu tun?“, musste der heute 65-Jährige in der Presse lesen. Dabei sei er als Naturschützer schon länger bekannt und seit 1976 Greenpeace-Mitglied. Seine Gründe damals: „Ich fand es einfach cool, wie die Jungs mit Schlauchbooten gegen Walfänger angegangen sind.“
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