Im Chemiepark Leuna im Saalekreis zeichnet sich für die insolvente Chemiefirma Domo Caproleuna eine mögliche Rettung ab – allerdings eher aus der Not heraus als aus wirtschaftlichem Optimismus. Wie die WirtschaftsWoche berichtet, haben die beiden am Standort ansässigen Unternehmen Leuna-Harze GmbH und InfraLeuna GmbH beim Bundeskartellamt den Erwerb des Geschäftsbetriebs und der wesentlichen Vermögensgegenstände von Domo angemeldet. Es handele sich dabei um eine Auffanglösung für den Fall, dass in den kommenden Tagen kein anderer Käufer gefunden wird.
Ende Dezember 2025 hatten drei deutsche Tochtergesellschaften des belgischen Chemiekonzerns Domo Chemicals Insolvenz angemeldet. Die Kerngesellschaft Domo Caproleuna beschäftigt am Standort Leuna rund 480 Mitarbeiter und stellt laut dem vorläufigen Insolvenzverwalter Lucas Flöther Polymere, technische Kunststoffe und Hochleistungsfasern her, die unter anderem in der Automobilindustrie, der Elektrotechnik, im Bauwesen und bei Verpackungen zum Einsatz kommen.
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Die Anmeldung beim Kartellamt sei „erst einmal vorsorglich“ erfolgt, hieß es aus Unternehmenskreisen. Der Investorenprozess sei noch nicht abgeschlossen. Dass bis Ende März ein Verkauf an einen externen Investor gelingt, gilt allerdings als wenig wahrscheinlich – die gesamte Chemiebranche leidet derzeit unter hohen Energiepreisen und Überkapazitäten.
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Kalkül der Schadensabwehr im Chemieverbund
Hinter der Notübernahme steht ein handfestes wirtschaftliches Kalkül: Domo ist einer der wichtigsten Akteure im eng vernetzten Chemieverbund Leuna. Müssten die Anlagen abgeschaltet werden, würde dies auch andere Unternehmen am Standort in Mitleidenschaft ziehen. Klaus Paur, Unternehmer der Leuna-Harze GmbH und Aufsichtsratsvorsitzender der InfraLeuna, erklärte gegenüber der Mitteldeutschen Zeitung: „Es geht darum, Schaden vom Standort abzuwenden.“ Sein Unternehmen, das Epoxidharze unter anderem für den Windradbau produziert, sei seit den 1990er-Jahren in Leuna ansässig. Paur wolle keinen Bruch der seitdem gewachsenen Strukturen riskieren. InfraLeuna, die Betreibergesellschaft des Chemieparks, würde bei einer Übernahme vor allem das Organisatorische beisteuern, Leuna-Harze die finanzielle Unterstützung.
Der Kaufpreis dürfte dabei noch zu den überschaubaren Posten gehören – der laufende Betrieb der defizitären Anlagen stellt die eigentliche finanzielle Herausforderung dar. Das Land Sachsen-Anhalt hatte nach dem Insolvenzantrag den Weiterbetrieb zur „Gefahrenabwehr“ angeordnet und dafür mehr als 30 Millionen Euro für knapp drei Monate bereitgestellt. Die steigenden Energiepreise könnten die Kosten weiter in die Höhe treiben.
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