Geopolitik

Trump erhöht Zölle für China auf 125 Prozent und kündigt 90-tägige Pause für 75 Länder an

Donald Trump wirft China mangelnden Respekt vor, weshalb er erneut den Druck auf die Volksrepublik erhöht. Viele andere Handelspartner können dagegen durchatmen.

5 Min
US-Präsident Donald Trump spricht zu Reportern

US-Präsident Donald Trump spricht zu Reportern

© dpa/AP

US-Präsident Donald Trump hat angekündigt, die Zölle auf China auf 125 Prozent zu erhöhen – und zwar mit sofortiger Wirkung. „Angesichts des mangelnden Respekts, den China den Weltmärkten entgegenbringt, erhöhe ich hiermit den von den Vereinigten Staaten Amerika erhobenen Zoll auf China mit sofortiger Wirkung auf 125 %“, schrieb er auf seiner Onlineplattform Truth Social. 

„Irgendwann, hoffentlich in naher Zukunft, wird China erkennen, dass die Zeiten, in denen die USA und andere Länder ausgebeutet wurden, nicht länger tragbar oder akzeptabel sind.“

Nachdem die Vereinigten Staaten am Mittwoch Zölle auf Einfuhren aus China in Höhe von 104 Prozent in Kraft gesetzt hatten, kündigte Peking Gegenzölle auf US-Produkte in Höhe von 84 Prozent an.

Weißes Haus: Mehr als 75 Länder wollen mit Donald Trump verhandeln

Im selben Beitrag erklärte Trump, er habe eine 90-tägige Zoll-„Pause“ für zahlreiche andere Länder genehmigt, die anders als China mit der US-Regierung über eine Lösung verhandeln wollen. Die Aussetzung gelte für die reziproken Zölle und für die Zölle von zehn Prozent. Die Pressesprecherin des Weißen Hauses, Karoline Leavitt, sagte, mehr als 75 Länder hätten sich an Trump gewandt, um zu verhandeln, und sie seien von der Menge der Anfragen überwältigt worden. „In der Zwischenzeit wird es eine 90-tägige Pause bei den gegenseitigen Zöllen geben, da diese Verhandlungen andauern und das Zollniveau auf universelle 10 Prozent gesenkt wird“, so Leavitt weiter. Die Ankündigungen haben sofort Auswirkungen auf die US-Börsen und die Ölpreise.

Trump hatte zuvor auf Truth Social Folgendes mitgeteilt: „Umgekehrt und basierend auf der Tatsache, dass mehr als 75 Länder Vertreter der Vereinigten Staaten einberufen haben, um eine Lösung für die diskutierten Themen Handel, Handelshemmnisse, Zölle, Währungsmanipulation und nichtmonetäre Zölle auszuhandeln, und dass diese Länder trotz meiner dringenden Empfehlung in keiner Weise Vergeltungsmaßnahmen gegen die Vereinigten Staaten ergriffen haben, habe ich eine 90-tägige Pause und einen deutlich gesenkten Gegenzollsatz von 10 % während dieser Zeit genehmigt, der ebenfalls mit sofortiger Wirkung in Kraft tritt.“

US-Finanzminister Bessent signalisiert Verhandlungsbereitschaft

Trumps Entscheidung, weltweite Zölle auf alle Länder außer China zurückzunehmen, belohne die Länder, die sich inmitten eines sich anbahnenden Handelskriegs gegen Vergeltungsmaßnahmen entschieden, sagte US-Finanzminister Scott Bessent. Er erklärte außerdem, die Pause würde Zeit für die Aushandlung neuer Handelsabkommen schaffen. „Wir sind bereit, jedem Land der Welt, das verhandeln möchte, zuzuhören. [...] Es erforderte großen Mut von ihm, bis zu diesem Moment Kurs zu halten“, sagte Bessent Reportern im Weißen Haus über Trumps Außenpolitik.

Der US-Finanzminister betonte, dass sich die USA trotz der zunehmenden Unsicherheit aufgrund der zunehmenden Zölle, die China und die USA gegeneinander verhängt haben, nicht in einem Handelskrieg befinden. „Ich nenne es keinen Handelskrieg, aber ich sage, dass China die Lage eskaliert hat, und Präsident Trump hat sehr mutig darauf reagiert. Wir werden mit unseren Handelspartnern an einer Lösung arbeiten“, sagte Bessent.

„Dies ist einer der besten Tage in der amerikanischen Wirtschaftsgeschichte“, sagt Peter Navarro, Trumps Handelsberater, der als Architekt der Zollpolitik gilt. Er erklärte gegenüber Fox News, die Situation habe sich „genau so entwickelt, wie sie sollte“ und werde sich nun „schnell und reibungslos“ weiter entwickeln, fügt er hinzu. Navarro sagte, Zölle seien „keine Verhandlung, sondern ein nationaler Notstand“.

US-Börsen steigen deutlich

Die von Trump angekündigte Zollpause katapultierte die US-Aktienmärkte am Abend im späteren Handelsverlauf nach oben. Der Dow Jones Industrial notierte zuletzt 6,6 Prozent höher bei 40.133 Punkten. Für den marktbreiten S&P 500 ging es um 7,8 Prozent auf 5.372 Zähler aufwärts. Der von den großen Technologieaktien dominierte Nasdaq 100 gewann 9,7 Prozent auf 18.756 Punkte.

Die zuletzt arg gebeutelten Aktien der „Glorreichen Sieben“, der sieben bedeutendsten US-Tech-Unternehmen, sprangen in Reaktion auf die Trump-Ankündigungen kräftig an. Amazon, Meta, Nvidia, Alphabet, Microsoft, Apple und Tesla verbuchten zuletzt Kursaufschläge zwischen 6,4 und 14,0 Prozent. Noch stärker profitierten die Aktien von US-Fluggesellschaften von der Trump-Ankündigung. So schnellten die Papiere von Delta Air Lines und United Airlines um jeweils 19 Prozent nach oben. Jene von American Airlines gewannen mehr als 13 Prozent.

Die zuvor erheblich unter Verkaufsdruck stehenden Papiere aus der US-Pharmaindustrie erholten sich ebenfalls deutlich. Eli Lilly, Pfizer, Merck & Co und Johnson & Johnson notierten zuletzt zwischen 1 und 2 Prozent im Plus. Zuvor waren sich nach Aussagen von Trump über deutliche Zölle auf importierte Pharmazeutika deutlich abgesackt.

Ölpreise steigen deutlich

Die Ölpreise im US-Handel stiegen nach Trumps Ankündigungen deutlich. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent zur Lieferung im Juni stieg zuletzt um 1,15 US-Dollar auf 63,97 Dollar. Zuvor war der Brent-Preis erstmals seit Anfang 2021 unter die Marke von 60 Dollar gerutscht. Der Preis für die US-Sorte WTI kletterte zuletzt um 1,03 Dollar auf 60,61 Dollar.

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