Dürre

Niedrigwasser legt Wehrmachts-Motorrad und Überreste deutscher Soldaten frei

Die anhaltende Dürre lässt die Donau auf Rekordtief fallen. Das Niedrigwasser legt in Budapest ein Wehrmachts-Motorrad, Minen und die Überreste zweier deutscher Soldaten frei.

4 Min
Ein Wehrmachtsmotorrad vom Typ DKW NZ 350-1 im trockengefallenen Flussbett der Donau in Budapest.

Ein Wehrmachtsmotorrad vom Typ DKW NZ 350-1 im trockengefallenen Flussbett der Donau in Budapest.

© Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e. V.

Das historisch niedrige Wasser der Donau hat mitten in Budapest einen außergewöhnlichen Fund ermöglicht. Am Ufer nahe dem Batthyány-Platz auf der Budaer Seite entdeckten Passanten zunächst Teile eines Motorrads, die zwischen den Steinen des normalerweise überspülten Flussbetts hervorragten. Auf der gegenüberliegenden Donauseite liegt das ungarische Parlamentsgebäude.

Mitarbeiter des ungarischen Instituts und Museums für Militärgeschichte rückten an und identifizierten das Fahrzeug als eine deutsche DKW NZ 350-1 aus dem Zweiten Weltkrieg. Das Motorrad sei nahezu vollständig erhalten, teilte das Institut mit. Der Schlamm der Donau hatte große Teile des Fahrzeugs über Jahrzehnte konserviert.

Bei der Bergung zeigte sich allerdings schnell, dass das Motorrad nur ein Teil des Fundes war.

Unter dem Wehrmachts-Motorrad lagen menschliche Überreste

Die Experten stießen zunächst auf deutsche Tellerminen, Reste von Handgranaten und Artilleriegeschossen sowie deutsche und sowjetische Infanteriemunition. Insgesamt wurden nach Angaben des Militärhistorischen Instituts zehn deutsche TMi-35-Minen entdeckt. Kampfmittelbeseitiger mussten mehrfach anrücken, zeitweise wurde deshalb auch der Verkehr am Bem-Ufer eingeschränkt.

Das vom Schlamm und eingeschlossenen Wasser vollgesogene Motorrad wog bei der Bergung mehr als 200 Kilogramm. Es konnte deshalb nicht über das steinige Ufer hochgezogen werden. Ein Rettungsboot brachte die Maschine auf die gegenüberliegende Pest-Seite, von dort wurde sie in eine Halle des Militärhistorischen Museums transportiert. In den kommenden Wochen soll sie gereinigt und konserviert werden.

Beim Freilegen des Untergrunds machten die Experten dann einen weiteren Fund: Unter dem Motorrad lagen menschliche Überreste. Die ungarischen Fachleute kamen anhand der Fundstücke zu dem Schluss, dass es sich um deutsche Soldaten aus dem Zweiten Weltkrieg handelte. Die weiteren Arbeiten wurden anschließend dem Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge übergeben.

Nach Angaben des Volksbundes handelt es sich um die sterblichen Überreste von zwei Wehrmachtssoldaten. Besonders bemerkenswert seien ihre Erkennungsmarken: Diese seien vollständig erhalten geblieben. Der Volksbund führt den außergewöhnlich guten Zustand darauf zurück, dass der Schlamm an dieser Stelle mit Gasöl vermischt war.

Die beiden Toten sollen auf der deutschen Kriegsgräberstätte in Budaörs westlich von Budapest beigesetzt werden. Dort ruhen bereits mehr als 16.000 deutsche Kriegstote, viele von ihnen fielen während der Kämpfe um Budapest.

Experten vermuten eine „Kriegsschuttgrube“ in der Donau

Dass Motorrad, Munition, menschliche Überreste und sogar zivile Keramik dicht beieinander lagen, könnte eine Erklärung haben. Das ungarische Militärhistorische Institut hält es für möglich, dass an dieser Stelle nach den Kämpfen um Budapest eine Art „Kriegsschuttgrube“ entstand. Neben militärischem Material seien damals offenbar auch andere Abfälle in der Donau entsorgt worden.

Das Motorrad selbst ist ein vergleichsweise seltenes Relikt. Die DKW NZ 350 wurde für die Wehrmacht produziert und während des Zweiten Weltkriegs eingesetzt. Dass ein Exemplar nach mehr als acht Jahrzehnten nahezu vollständig aus dem Flussbett geborgen werden konnte, führen die Fachleute vor allem auf die konservierende Wirkung des Schlamms zurück.

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Niedrigwasser legt auch deutsche Kriegsschiffe frei

Der Fund in Budapest ist nicht das einzige Zeugnis des Zweiten Weltkriegs, das die Dürre derzeit sichtbar macht. Vergangene Woche wurde über deutsche Kriegsschiffe berichtet, deren Wracks wegen des niedrigen Wasserstands weiter flussabwärts bei der serbischen Hafenstadt Prahovo wieder aus der Donau ragen.

Die Schiffe gehörten zu Verbänden der deutschen Schwarzmeerflotte. Deutsche Truppen versenkten zahlreiche Schiffe 1944 während ihres Rückzugs vor der sowjetischen Armee. Einige der Wracks enthalten bis heute Munition und Sprengstoff und können bei niedrigem Wasserstand die Schifffahrt behindern.

Donau-Dürre bringt Ungarns Stromversorgung unter Druck

Das extreme Niedrigwasser hat längst Folgen weit über die Schifffahrt und die historischen Funde hinaus. Ungarns einziges Atomkraftwerk in Paks ist für seine Kühlung auf Wasser aus der Donau angewiesen. Drei der vier Turbinen wurden bereits abgeschaltet. Anfang der Woche lief die Anlage nur noch mit etwas mehr als zehn Prozent ihrer normalen Leistung. Eine vollständige Abschaltung konnte nach Angaben von Ministerpräsident Péter Magyar nur knapp verhindert werden.

Wegen der angespannten Stromversorgung schaltet Ungarn inzwischen nachts auch die dekorative Beleuchtung bedeutender Gebäude ab. Betroffen sind unter anderem das Parlament, große Teile der Budaer Burg und die Kettenbrücke. Am Donnerstag wurden in Ungarn Temperaturen zwischen 40 und 42 Grad erreicht.

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