Die Abschaltung des Atomkraftwerks Cernavoda in Rumänien hat begonnen. Weil die Donau historisch wenig Wasser führt, kann das einzige Atomkraftwerk Rumäniens seinen noch laufenden Reaktor nicht weiter betreiben. Das teilte das staatliche Atomenergieunternehmen Nuclearelectrica am Donnerstag mit, wie die Nachrichtenagenturen AFP und Reuters übereinstimmend berichten.
Bereits Ende Juli musste der erste der beiden Reaktoren vom Netz. Nun folgt laut Nuclearelectrica auch der zweite, „aufgrund des erheblichen und anhaltenden Rückgangs des Wasserstands der Donau“. Die beiden Reaktoren machen Reuters zufolge rund ein Fünftel der Stromerzeugung des Landes aus.
Geringe Niederschläge und mehrere Hitzewellen haben den Pegel der Donau laut AFP auf historische Tiefstände sinken lassen. Das Wasser wird zur Kühlung benötigt. Es sei das erste Mal seit einer Dürre im Jahr 2003, dass das Kraftwerk vollständig heruntergefahren wird. Damals stand der Betrieb laut dem Bericht für mehrere Wochen still.
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Gesprengter Felsen und versenkte Kähne
Rumänien hat mit außergewöhnlichen Mitteln versucht, die Abschaltung hinauszuzögern. Ursprünglich sollte der zweite Reaktor bereits rund zwei Wochen früher vom Netz gehen.
Um den Flusslauf umzulenken und weiter Wasser zum Kraftwerk zu leiten, ließen die Behörden laut AFP unter anderem einen Fels sprengen und vier mit Steinen beladene Kähne im Fluss versenken.
Stromversorgung: Welche Maßnahmen Rumänien ergreift
Um den Ausfall aufzufangen, greift die Regierung zu mehreren Notmaßnahmen. Das Land hat für den gesamten August einen Energie-Notstand ausgerufen, wie Reuters berichtet.
Unternehmen und Haushalte wurden aufgefordert, ihren Verbrauch freiwillig zu senken – besonders in den Abendstunden mit Spitzenlast. Zusätzlich nahm das Energieministerium laut Reuters ein Braunkohlekraftwerk mit 330 Megawatt in Betrieb und setzt verstärkt auf Windkraft und Wasserkraft.
Das nationale Stromnetz verfüge über eine grenzüberschreitende Kapazität von rund 4000 Megawatt für Stromimporte, erklärte das Energieministerium laut Reuters und fügte hinzu: „Alle europäischen Netzbetreiber kennen die regionalen Energiekrisesituationen und koordinieren sich, um die Versorgungssicherheit aller von den Wetterbedingungen betroffenen Netze zu gewährleisten.“
Niedrigwasser: Nicht nur Rumänien betroffen
Auch im Nachbarland Ungarn hat das Niedrigwasser Auswirkungen. Das Kraftwerk Paks musste seinen Betrieb nach Angaben der AFP bereits Ende Juli zurückfahren.
In Deutschland macht das Niedrigwasser vor allem der Binnenschifffahrt am Rhein zu schaffen. Schiffe können deutlich weniger laden oder gar nicht mehr fahren. Der Verband der Binnenschiffer erwartet laut AFP, dass der Rhein im Laufe der Woche nicht mehr durchgängig befahrbar sein wird. (mit AFP)
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