Medizin-Recherche im Internet

Dr. Google ist immer da und kostet nichts – aber kann man ihm trauen?

91 Prozent der 16- bis 70-Jährigen in Deutschland haben schon Dr. Google genutzt, ergab eine Forsa-Umfrage. Doch dabei gibt es auch Gefahren.

Torsten Harmsen
Torsten Harmsen
3 Min

Er ist ständig erreichbar, rund um die Uhr. Er nimmt jeden an – Kassenpatienten und Private. Und er stellt keine Rechnungen aus. Dr. Google ist ein nahezu perfekter Arzt. Aber leider auch etwas verwirrt.

Mal erzählt er einem, dass die Kopfschmerzen und der Schwindel, die man hat, vom Stress kommen. Mal ist es vielleicht Migräne. Und plötzlich könnte es sein, dass man Multiple Sklerose hat oder einen Hirntumor.

Dr. Google ist ein Begriff für die medizinische Selbstrecherche im Internet. In einer neuen Forsa-Umfrage gaben 91 Prozent von 1000 Befragten im Alter von 16 bis 70 Jahren an, schon mal im Netz nach Symptomen und Krankheiten gesucht zu haben. 32 Prozent nannten als Grund dafür, sich einen Arztbesuch ersparen zu wollen, weil keine Praxis erreichbar oder die Wartezeiten zu lang seien.

Eine große Gefahr ist die Cyberchondrie, die zwanghafte, angstbesetzte Suche nach Krankheiten

Etwa 23 Prozent konnten sich mit einem Besuch bei Dr. Google selbst helfen, ergab die Online-Umfrage. Zum Beispiel mit Mitteln bei Erkältungen oder Übungen gegen Rückenschmerzen. Eine Selbstdiagnose stellten sich den Aussagen zufolge 13 Prozent, unter den 16- bis 34-Jährigen sogar 20 Prozent.

„Wer im Netz nach Krankheiten und Symptomen googelt, macht erst einmal nichts falsch“, sagt Isabelle Wenck, Psychologin bei der Krankenkasse KKH, Auftraggeberin der Umfrage. „In den meisten Fällen verbessert dies sogar die eigene Gesundheitskompetenz – vorausgesetzt, die Informationen sind seriös und aktuell.“ Die Mehrheit nutzt Suchmaschinen, Krankenkassen-Portale und Ähnliches, viele auch die KI. Aber immerhin zehn Prozent bevorzugen Social Media. Hier sind die Informationen sehr widersprüchlich, oft auch unseriös.

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Jeder siebte Befragte (15 Prozent) fühlt sich durch die eigenen Rechercheergebnisse verunsichert. Man staunt, dass es nicht mehr sind. Eine große Gefahr – neben einer fehlerhaften Selbstdiagnose – ist die Cyberchondrie, auch „Morbus Google“ genannt, die zwanghafte Suche nach Krankheiten. Die KKH bezeichnet sie als „Brandbeschleuniger bereits bestehender Ängste“. Eine Kölner Studie zeigte 2020, dass bei jungen Erwachsenen schon nach fünf Minuten Symptomrecherche die Angst vor Krankheiten deutlich steigt.

Trotz ständiger Internetsuche werden aber oft echte ärztliche Untersuchungen, Diagnosen und Behandlungen versäumt. Dr. Google kann eben kein Blut abnehmen, keine MRT durchführen, ja einem nicht mal in die Augen schauen.

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