Der Dresdner Stadtrat hat am Donnerstagabend in seiner Sitzung die Weichen für das Lingnerschloss neu gestellt. Die August Lingner Schloss-Verwaltungs GmbH von Thomas Bohn und Oliver Kreider erhält demnach vorläufig kein Erbbaurecht für das Lingnerschloss, das sich die beiden Unternehmer für die kommenden 44 Jahre sichern wollten. Stattdessen beauftragten die Stadträte Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) damit, den zuvor geschlossenen Vergleich zu widerrufen.
Vor der Entscheidung gab es eine hitzige Debatte. Der Fraktionschef der Linken, André Schollbach, sprach von zwei „Geschäftemachern“, die den Zuschlag für das Erbbaurecht nicht erhalten sollten. Er erinnerte an das Erbe Lingners. Das hatte zuvor bereits Ulla Wacker von Bündnis 90/Die Grünen getan.
Zustimmung für die neuen Betreiber gab es vonseiten der AfD. Steffen Hanisch lobte die Transparenz der Investoren, die nicht nur genügend finanzielle Mittel mitbrächten, sondern auch eine Einbindung des Fördervereins in Aussicht gestellt hätten. Heike Ahnert von der CDU brachte ein Sonderkündigungsrecht für den Erbbaupachtvertrag nach zehn Jahren Laufzeit ins Spiel. Eine Exitstrategie für die Stadt als Eigentümer des Schlosses forderte auch Jens-Uwe Zastrow (FDP) ein. Genereller Unmut herrschte bei den Fraktionen, die sich zu spät in die Gespräche um die Zukunft des Lingnerschlosses eingebunden fühlen. Kristin Sturm-Karls von der SPD sprach von einem „unfairen Prozess“.
Vergleich ja, aber an Bestimmungen geknüpft
Matteo Böhme vom Team Zastrow lobte das Engagement des Fördervereins und zahlreicher Spender, die das Lingnerschloss in den vergangenen zwei Jahrzehnten zu dem gemacht hätten, was es heute ist. Eine Zukunft für das Schloss gäbe es nur durch privatwirtschaftliches Engagement. Die Entscheidung über den Zeitraum von 44 Jahren sei weitreichend und sollte „weise“ getroffen werden. Dies sei unter Zeitdruck nicht möglich, begründete Böhme seinen Versuch, das Thema zu Sitzungsbeginn zu vertagen.
Der Fraktionschef des BSW, Ralf Böhme, wollte der Stadt die volle Verfügungsgewalt über das Schloss sichern. Das Schloss müsse in die richtigen Hände kommen, daher plädierte er dafür, den Vergleich zu widerrufen, wofür am Ende auch die Mehrheit stimmte. 49 Stadträte stimmten dafür, 20 dagegen. Es gab eine Enthaltung.
Die Mehrheit stimmte aber auch dafür, dass die Stadt ihre Bereitschaft zum Vergleich signalisieren sollte. Diesen möchte man aber gemäß eines Änderungsantrags des interfraktionellen Bündnisses von CDU/Grüne/SPD an bestimmte Bedingungen knüpfen, wie ein Ausschluss der Wohnnutzung und ein Sonderkündigungsrecht nach zehn Jahren.
Bereits am 30. Juni 2026 wurde ein Vorvertrag zur Übertragung des Erbbaurechts von Bohn und Kreider unterzeichnet. Dieser wäre jedoch erst mit der heutigen Zustimmung des Stadtrats endgültig wirksam.
Der langjährige Betreiber, der Förderverein Lingnerschloss e.V., musste finanzielle Probleme einräumen und Insolvenz anmelden. Daraufhin entspann sich ein Rechtsstreit zwischen der Stadt und der Insolvenzverwaltung, der schließlich in einen gerichtlichen Vergleich mündete.
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Die Betreibergesellschaft um Thomas Bohn und Oliver Kreider hatte eine Summe von 1,65 Millionen Euro geboten, womit die Gläubiger des insolventen Fördervereins bedient werden sollten. Bohn und Kreider hatten zudem öffentlich zugesichert, unmittelbar nach der Übernahme mindestens zwei Millionen Euro zusätzlich in das Gebäude zu investieren, um anstehende Sanierungen denkmalgerecht voranzutreiben.
Während die Stadtverwaltung den Deal befürwortete, formierte sich im Vorfeld bereits politischer und bürgerlicher Widerstand gegen eine befürchtete Privatisierung. Oliver Kreider ist kein Unbekannter. Er stand wegen der Privatisierung der Radebeuler Friedensburg in der Kritik und im jahrelangen Rechtsstreit mit der Stadt.
Viele Versprechen
Um die Ängste der Dresdner aufzufangen, hatten Bohn und Kreider angekündigt, das Nutzungskonzept an einen zusätzlichen Notarvertrag zu binden. Dieser sollte garantieren, dass das Schloss und die Parkanlagen für jedermann frei zugänglich bleiben. Kreider betonte zudem, die ehrenamtliche Arbeit des Fördervereins für Führungen und Veranstaltungen weiter integrieren zu wollen. Offen blieb jedoch die genaue Ausgestaltung der Gastronomie: Das bisherige Team der Lingnerterrassen musste die Orangerie räumen.
Es gab im Vorfeld noch eine zweite Bietergruppe um den Dresdner Bauunternehmer Frank Wießner, die kurzfristig sogar 1,7 Millionen Euro bot und damit 50.000 Euro mehr. Das Rechtsamt betonte hierzu jedoch zuvor, dass mit dieser Gruppe kein unterschriftsreifer Vertrag existiere und ein „Nein“ zu Bohn/Kreider nicht automatisch den Zuschlag für Wießner bedeute.
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