DREWITZ. Das Projekt genoss höchste Priorität. Es kommt schließlich nicht oft vor, dass ein ausländisches Unternehmen gleich 35 Millionen Euro in Brandenburg investieren will. Bis in die US-amerikanische Provinz reisten im Oktober 2002 der damalige Wirtschaftsminister Wolfgang Fürniß (CDU) und Spree-Neiße-Landrat Dieter Friese (SPD), um Flughafenmanagern aus Erie, Bundesstaat Pennsylvania, zu sagen, wie willkommen sie mit ihrem Geld hier zu Lande seien.Knapp vier Jahre später träumt der Flugplatz Drewitz, um den es geht, unverändert vor sich hin. Neun Beschäftigte reichen aus, um den spärlichen Flugbetrieb mit jährlich rund 8 500 Starts und Landungen zu organisieren. An dem Verlustgeschäft wird sich vermutlich auch in den nächsten Jahren nichts ändern. Für den Landkreis Spree-Neiße, der als Hauptgesellschafter jedes Jahr mehr als 300 000 Euro aufbringen muss, ist der Flugplatz längst zu einem Fass ohne Boden geworden. Er will ihn schleunigst abstoßen.Die Amerikaner, die den regionalen Landeplatz übernehmen und zu einem Fracht-Luftdrehkreuz ausbauen wollten, reisten zwar häufig an - nur Geld brachten sie nicht mit. Es sieht so aus, als sollten die hochfliegenden Pläne, mit denen in der Lausitz große Hoffnungen verbunden sind, scheitern.Ausstehende Zahlungen"Wir haben den im Dezember 2005 unterzeichneten Vertrag Anfang der Woche gekündigt, weil die amerikanische Seite ihren finanziellen Verpflichtungen nicht nachkam", sagte Spree-Neißes Vize-Landrat Olaf Lalk gestern. Von einem "Sturm im Wasserglas" spricht dagegen Günter Jucho, der Vertreter der Eri-Drewitz International GmbH (EDI) in Deutschland. "Wir werden den Flughafen natürlich bauen."Bei den ausstehenden Zahlungen soll es sich um fällige Monatsraten handeln, mit denen sich EDI bis zur geplanten Übernahme in zwei Jahren am Unterhalt des defizitären Flugplatzes beteiligen sollte. Das sah der Vertrag vor. Rund 215 000 Euro seien inzwischen überfällig, heißt es. Die vergleichsweise geringe Summe, an der das Projekt nun scheitern könnte, nährt die Zweifel an der Solvenz der Amerikaner insgesamt. "Wir haben von Anfang an gewarnt, dass es sich bei dem Projekt um eine Luftnummer handelt", sagt Lothar Häckert von der örtlichen Bürgerinitiative gegen den Frachtflugplatz. Bei manchen Experten kommt Unruhe auf, weil der Kontakt mit Erie durch Fürniß zu Stande kam. Der einstige Wirtschaftsminister hat nach der Chipfabrik-Pleite nicht den besten Ruf - und den Staatsanwalt im Nacken.Die Investoren betreiben in Erie einen Flughafen, sollen aber auch mit Ersatzteilen für Flugzeuge handeln. In Drewitz wollten sie ein Logistikzentrum errichten, das über eine Luftbrücke direkt mit Erie verbunden sein sollte. Weiter östlich kann in Deutschland kein Flugzeug landen - einer der Standortvorteile, wie die Amerikaner glauben.Ein anderer Vorteil sind die 4,6 Millionen Euro Fördermittel, mit denen in Drewitz nach der Wende bereits ein hochmoderner Tower gebaut wurde - Fahrstuhl inklusive. Das neue Abfertigungsgebäude daneben sieht schön aus, wird aber nicht viel genutzt.Für das Großprojekt hat EDI Anfang des Jahres eine Landesbürgschaft beantragt. Dem Vernehmen nach soll es sich um fünf Millionen Euro handeln. Ob das Geld je ausgereicht wird, ist ungewiss. "Wir prüfen noch", sagte Ingo Decker, der Sprecher des Finanzministeriums, gestern. "Es fehlen noch Unterlagen." EDI-Vertreter Jucho kündigte an, dass schon am Wochenende eine Delegation aus Erie anreisen werde - mit einem Scheck in der Tasche. Dann werde über einen neuen Vertrag gesprochen. Vize-Landrat Lalk sagte: "Das Projekt ist nicht tot. Wir hören uns an, was die Amerikaner zu sagen haben."------------------------------GescheitertFrachtflugplatz: Auf dem früheren Militärflugplatz in Drewitz wollte ein US-Investor bis 2008 für 35 Millionen Euro ein Logistikzentrum errichten. Beantragt ist eine Landesbürgschaft (5 Millionen Euro). Bis zu 70 Arbeitsplätze sollten entstehen. Jetzt wurde der Vertrag gekündigt.Großprojekte: Mit gescheiterten Großprojekten hat Brandenburg Erfahrung. So platzte 2002 der Traum vom Cargolifter (39 Millionen Euro Fördermittel), 2003 scheiterte die Chipfabrik (78 Millionen Euro).------------------------------Karte
Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: [email protected]