Leipzig

Drohnen-Alarm über Ostdeutschland: Ist jetzt sogar der Urlaubsflug in Gefahr?

Drohnen legen Flughäfen lahm und sorgen für Millionenschäden. Auch über Sprengstoff wird nun diskutiert. Wie groß ist die Gefahr für Reisende?

4 Min
Transportdrohnen werden leistungsstärker und billiger – ein Sicherheitsproblem an deutschen Flughäfen.

Transportdrohnen werden leistungsstärker und billiger – ein Sicherheitsproblem an deutschen Flughäfen.

© Imago

Am Leipziger Flughafen wurde eine Drohne entdeckt – schon wieder. Der Fund einer weiteren Drohne in unmittelbarer Nähe des Flughafens werfe, so deutsche Sicherheitsbehörden, neue Fragen zur Sicherheit des Luftverkehrs hierzulande auf. Nachdem bereits Anfang August eine Drohne mit Sprengstoff auf dem Leipziger Flughafengelände entdeckt worden war, stießen Ermittler nun auf ein weiteres Fluggerät. Auch mutmaßlicher Sprengstoff wurde gefunden.

Für Reisende ist das eine irritierende Nachricht, die gerade zum Ende der Ferienzeit im Spätsommer Fragen aufwirft. Ist der Urlaub in Gefahr? Muss man sich Sorgen machen, wenn man in diesen Tagen in ein Flugzeug steigt? Sind möglicherweise noch weitere Drohnen unterwegs?

Die Ermittler gehen inzwischen davon aus, dass in der Region mehrere Drohnen eingesetzt wurden. Eine davon soll sich Anfang August in der Nähe von ukrainischen Antonow-Frachtmaschinen befunden haben, bevor ein Busfahrer des Besucherdienstes am Flughafen die Drohne zu Boden trat. Bei einer weiteren Drohne besteht der Verdacht, dass sie mit einem DHL-Flugzeug kollidiert sein könnte. Die nun entdeckte dritte Drohne wurde auf einem Feld im Umland des Flughafengeländes gefunden. Nach Medienberichten stießen die Ermittler dort außerdem auf rund 50 Gramm Hexogen, einen hochexplosiven Sprengstoff.

Wer hinter den Vorgängen steckt, ist bislang nicht geklärt. In Sicherheitskreisen gibt es den Verdacht, dass ein ausländischer Nachrichtendienst dahinterstecken könnte. Einen belastbaren Beweis dafür gibt es allerdings nicht. Innenminister Alexander Dobrindt hält sich mit Zuschreibungen zurück. Einige Medien scheinen es jedoch genau zu wissen: Alle Wege führen nach Moskau!

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Drohnenfliegen – ein Spaß für Hobbyfotografen und Spione

Drohnen sind längst keine exotische Erscheinung mehr. Sie werden von Hobbyfotografen genutzt, von Unternehmen, von Sicherheitsbehörden und in der Landwirtschaft. Die billigsten Modelle gibt es bereits ab knapp 40 Euro – leistungsstarke Transportdrohnen schon ab wenigen Tausend Euro.

Gleichzeitig haben sich die technischen Möglichkeiten der Fluggeräte erheblich entwickelt. Sie können weit fliegen, sind vergleichsweise schwer zu erkennen und lassen sich mit entsprechender Technik auch aus größerer Entfernung steuern.

Für Flughäfen ist das ein besonderes Problem. Schon eine einzelne Drohne kann den Betrieb beeinträchtigen. Aus Sicherheitsgründen müssen Starts und Landungen unter Umständen unterbrochen werden, wenn ein Fluggerät in einem kritischen Bereich gesichtet wird – mit großem Stress für Fluggäste.

Bis zu 160 Millionen Euro Schaden durch Drohnen

Bundesweit gab es laut Flugsicherung einen deutlichen Anstieg der Behinderungen des Luftverkehrs durch Drohnen. Nach einer aktuellen Auswertung des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) gab es im vergangenen Jahr bundesweit 116 relevante Störfälle, die an insgesamt 25 Verkehrsflughäfen zu Behinderungen des Flugbetriebs führten. „Die Auswirkungen unautorisierter Drohnenflüge reichen von Verzögerungen und Warteschleifen über Umleitungen bis hin zu partiellen oder vollständigen Betriebseinstellungen“, teilte das DLR mit. „Sie greifen direkt in eng getaktete Umlaufpläne ein und verursachen wirtschaftliche Folgen sowohl bei Airlines als auch bei Flughäfen.“

Die DLR-Analyse weist für das vergangene Jahr einen betriebswirtschaftlichen Mindestschaden von rund 60 Millionen Euro aus. Die Schadensschätzung erhöht sich demnach auf bis zu 160 Millionen Euro, wenn zusätzlich durchschnittliche Netzwerkeffekte von Verspätungen berücksichtigt werden – also Folgekosten, die durch Umlaufstörungen und Verzögerungen entstehen können – sowie als potenziell störungsbedingt bewertete Annullierungen.

Zum Beispiel musste im Oktober vergangenen Jahres der Flugbetrieb am Hauptstadtflughafen BER für zwei Stunden eingestellt werden, nachdem dort eine Drohne gesichtet worden war. Eine Reihe von Flügen wurde umgeleitet. Die Polizei suchte mit einem Hubschrauber die Umgebung nach dem Täter ab – ohne Erfolg.

Nicht die Bodenhaftung verlieren

In Berlin bleiben Drohnen ein anhaltendes Problem. Mehrfach musste der Flugverkehr vorübergehend eingeschränkt werden. Dabei muss nicht einmal eine konkrete Gefahr bestehen. Für die Verantwortlichen genügt im Zweifel der Verdacht, dass sich ein unkontrolliertes Fluggerät in einem sensiblen Bereich befindet.

Für Reisende bleibt damit vor allem eine nüchterne Erkenntnis: Der Flugverkehr in Deutschland ist durch Drohnen grundsätzlich unsicherer. Die Sicherheitsbehörden stehen vor neuen Aufgaben, auf die klassische Überwachungssysteme nur teilweise vorbereitet sind. Der Leipziger Fall macht sichtbar, wie schnell aus einem kleinen Fluggerät ein großes Problem werden kann. Es ist fraglich, ob beim nächsten Mal wieder ein engagierter Busfahrer eingreifen wird.

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