Druck auf Deutschland wächst, weitere Bundeswehrsoldaten zu schicken. Westerwelle spielt auf Zeit

Nato entsendet mehr Truppen nach Afghanistan

Thorsten Knuf
3 Min

BRÜSSEL. Nach deutlichen Truppenzusagen anderer Länder für Afghanistan wächst der Druck auf die Bundesregierung, ebenfalls mehr Soldaten an den Hindukusch zu schicken. Wie Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen am Freitag nach Gesprächen mit den Außenministern der Allianz sowie weiterer Verbündeter mitteilte, haben etliche Staaten eine Aufstockung ihrer Kontingente in Aussicht gestellt. "Mindestens 25 Nationen werden 2010 mehr Kräfte schicken. Sie haben 7 000 zusätzliche Soldaten angeboten, und es werden noch mehr", sagte Rasmussen in Brüssel. Der Sicherheitsberater von US-Präsident Barack Obama, James Jones, begrüßte diese Zusage der Nato-Verbündeten.Mit den angekündigten 30 000 US-Soldaten werde die internationale Afghanistan-Stabilisierungstruppe Isaf 2010 37 000 Männer aufbieten können, so Rasmussen. Bereits jetzt unterstehen dem Isaf-Kommando 84 000 Soldaten, die Hälfte davon Amerikaner. US-Präsident Barack Obama und die Nato-Führung hoffen, mit neuen Kräften wieder die Oberhand im Krieg gegen die radikalislamischen Taliban und andere Aufständische zu gewinnen.An der Isaf, die unter Befehl der Nato steht, beteiligen sich insgesamt 44 Nationen. Zur genauen Aufteilung der Verstärkung sagte Rasmussen nichts. Italien und Georgien wollen jeweils 1 000 Soldaten schicken. Polen entsendet 600, Großbritannien und Südkorea schicken jeweils 500.Der deutsche Außenminister Guido Westerwelle lehnte es am Freitag ab, über einen stärkeren militärischen Beitrag der Bundeswehr zu sprechen. Vor der internationalen Afghanistan-Konferenz im Januar in London seien neue Beschlüsse weder erforderlich noch geboten. Am Donnerstag hatte der Bundestag das derzeitige Afghanistan-Mandat mit einer Obergrenze von 4 500 Mann verlängert. Frankreich und einige weitere Nato-Länder zögern ebenfalls, zusätzliche Soldaten an den Hindukusch zu schicken.Kritik aus GroßbritannienDer britische Außenminister David Miliband kritisierte die Zurückhaltung: "Ich glaube, dass jeder einzelne Außenminister, der an diesem Treffen teilnimmt, und jede einzelne Regierung sich fragen muss, ob sie in militärischer und ziviler Hinsicht das Bestmögliche tun, um einen Erfolg in Afghanistan zu gewährleisten." Auch Rasmussen machte klar, dass alle Nato-Länder in der Pflicht stehen. Er gehe davon aus, dass es nach der Afghanistan-Konferenz weitere Zusagen kommen. US-Außenministerin Hillary Clinton äußerte Verständnis dafür, dass einige Verbündete noch nicht so weit seien, öffentlich Versprechungen machen zu können.Westerwelle sagte in Brüssel: "Eine Debatte, die sich lediglich auf die Frage verkürzt, wie viele Soldaten mehr oder nicht - das ist aus unserer Sicht weder angemessen noch zielführend." Zunächst müsse auf der Londoner Konferenz gründlich über die künftige Strategie in Afghanistan diskutiert werden. Obamas jüngste Rede sei nicht der Abschluss der Debatte. "Niemand erwartet von uns, dass wir drei Tage nach der Rede zu allem Ja und Amen sagen." Deutschland sei bereit, mehr für den Aufbau der afghanischen Polizei zu tun, sagte Westerwelle. Im Laufe dieser Legislaturperiode müsse Afghanistan so weit stabilisiert werden, "dass eine Abzugsperspektive in Sicht kommt".------------------------------Foto: Bekommen bald Verstärkung aus der Heimat und aus den übrigen Nato-Staaten: US-Soldaten in Afghanistan.

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