Kasachstan will seine Öllieferungen über die Druschba-Pipeline nach Deutschland wieder aufnehmen. Die Regierung in Astana hat Russland offiziell um die Freigabe des Transits gebeten und wartet nun auf eine Antwort aus Moskau.
„Der offizielle Antrag wurde von mir persönlich übergeben – unter vier Augen“, sagte Kasachstans Energieminister Jerlan Akkenzhenov am Mittwoch bei einer Pressekonferenz der Regierung. Sein Land verfüge über die technischen Möglichkeiten, die Lieferungen wieder aufzunehmen. „Die kasachische Seite erwartet die Antwort der russischen Seite“, zitierte ihn die russische Nachrichtenagentur Interfax.
Das Öl gelangte vor dem Stopp über russisches und polnisches Gebiet zur PCK-Raffinerie im brandenburgischen Schwedt. Sie versorgt große Teile Berlins, Brandenburgs und Mecklenburg-Vorpommerns mit Benzin, Diesel und Heizöl und liefert zudem Flugkraftstoff für den Flughafen BER.
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Druschba-Pipeline: Russland stoppte den Öltransit im Mai
Seit dem 1. Mai lässt Russland kein kasachisches Öl mehr über den nördlichen Strang der Druschba-Pipeline nach Deutschland transportieren. Die russische Regierung begründete die Unterbrechung mit technischen Einschränkungen der Infrastruktur. Kasachstan hatte damals zunächst nur aus inoffiziellen Quellen von dem bevorstehenden Stopp erfahren.
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MehrVon Januar bis April 2026 erreichten noch 1,02 Millionen Tonnen kasachisches Rohöl Deutschland. Im gesamten Jahr 2025 waren es rund 2,1 Millionen Tonnen. Für 2026 hatte Kasachstan ursprünglich sogar Lieferungen von etwa drei Millionen Tonnen vorgesehen.
Das kasachische Öl deckte rund 20 bis 30 Prozent des Rohölbedarfs der Raffinerie in Schwedt. Die Wiederaufnahme würde deshalb eine der wichtigsten Lieferquellen des Standorts zurückbringen. Ob und wann Russland dem Antrag zustimmt, ist bislang offen.
Die Druschba zählt zu den größten Pipelinesystemen der Welt. Ihr Netz erstreckt sich über rund 8900 Kilometer und transportiert russisches sowie kasachisches Öl nach Mittel- und Osteuropa. Kasachstan speist sein Rohöl zunächst in das russische Leitungssystem ein und ist deshalb für die Weiterleitung nach Deutschland auf die Zustimmung Moskaus angewiesen.
Deutschland ersetzte das fehlende Öl über Rostock und Gdańsk
Nach dem Stopp erklärte das Bundeswirtschaftsministerium auf Anfrage der Berliner Zeitung, die Versorgung der PCK-Raffinerie sei „voll gewährleistet“. Die fehlenden Mengen könnten auch über den Mai hinaus ersetzt werden.
Schwedt erhält bereits seit dem Ende der direkten russischen Öllieferungen 2022 einen großen Teil seines Rohöls per Tanker. Die wichtigsten Ersatzwege führen über den Hafen Rostock und eine Pipeline nach Schwedt sowie über den polnischen Hafen Gdańsk.
Das Wirtschaftsministerium bestätigte damals Gespräche mit Polen über zusätzliche Anlandungen in Gdańsk. Der polnische Pipelinebetreiber Pern erklärte der Berliner Zeitung, über seine Infrastruktur könnten grundsätzlich rund zwei Millionen Tonnen Rohöl pro Jahr nach Schwedt transportiert werden. Ob diese Kapazität tatsächlich vollständig genutzt wurde, blieb offen.
Kasachstan leitete seine Exporte nach dem Druschba-Stopp unter anderem über das Kaspische Pipeline-Konsortium und russische Häfen um. Dass das Öl auf anderen Wegen exportiert wurde, bedeutete jedoch nicht automatisch, dass dieselben Mengen weiterhin Deutschland erreichten. Die PCK musste den Ausfall deshalb durch Rohöl anderer Herkunft ersetzen.
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Druschba-Neustart würde direkten Lieferweg nach Deutschland zurückbringen
Eine Rückkehr zur Druschba-Route könnte die Versorgung Schwedts vereinfachen und die Auslastung der Raffinerie stabilisieren. Der direkte Pipelineweg ist weniger aufwendig als die Kombination aus Tankern, Häfen und begrenzten Anschlussleitungen.
Die neue Initiative geht nach Angaben Akkenzhenovs von Kasachstan aus. Ein konkretes Lieferdatum oder eine geplante Menge nannte er nicht. Entscheidend ist zunächst, ob Russland den Transit wieder zulässt.
Kasachstan rechnet zugleich mit einer steigenden eigenen Ölförderung. Für 2026 hält das Energieministerium an seinem Ziel von 96 Millionen Tonnen fest. Im kommenden Jahr könnten es nach Angaben Akkenzhenovs etwa 99 Millionen Tonnen werden.
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