Die Mehrheit der deutschen Unternehmen setzt im Kundenkontakt weiterhin auf das förmliche „Sie“. Das geht aus einer Analyse von 2,5 Millionen Unternehmenswebseiten hervor, die untersucht hat, welche Anredeform Firmen verwenden.
Demnach siezen 70,1 Prozent der Unternehmen ihre Kundschaft, 20,5 Prozent duzen, und 9,4 Prozent nutzen beide Formen parallel. Von einer flächendeckenden Du-Kultur in der deutschen Wirtschaft kann laut den Studienmachern daher keine Rede sein.
Ostdeutsche Länder duzen weniger
Deutliche Unterschiede zeigen sich zwischen den Bundesländern. Hamburg führt mit einer Duz-Quote von 26,2 Prozent, gefolgt von Berlin (24,7 Prozent) und Schleswig-Holstein (22 Prozent). Am unteren Ende stehen die ostdeutschen Länder: In Sachsen duzen 19,2 Prozent und in Brandenburg 19 Prozent. In Thüringen sind es 17,8 Prozent der Unternehmen, in Mecklenburg-Vorpommern 17,5 Prozent. Schlusslicht ist Sachsen-Anhalt mit nur 17,2 Prozent.
Auf Ebene der Städte und Landkreise liegt Flensburg mit 28,2 Prozent vorne, gefolgt vom Landkreis Lüchow-Dannenberg (27,8 Prozent) und der Stadt Hamburg (26,4 Prozent). Die geringsten Werte verzeichnen der Unstrut-Hainich-Kreis (12,8 Prozent), der Kyffhäuserkreis (13,3 Prozent) und der Saalekreis (13,9 Prozent) – alle in Thüringen und Sachsen-Anhalt.
Unternehmensgröße spielt kaum eine Rolle
Entgegen der Annahme, dass vor allem kleine, junge Firmen duzen, zeigt die Auswertung kein lineares Muster. Kleingewerbetreibende und Freiberufler weisen mit 22,8 Prozent zwar die höchste Duz-Quote auf, bei Großunternehmen sind es immerhin noch 13 Prozent. Am seltensten duzen Kleinunternehmen mit 12,2 Prozent. Andere Faktoren als die Unternehmensgröße scheinen laut der Analyse stärker auf die Anredewahl zu wirken.
Als wichtigster Einflussfaktor erweist sich die Branche. Bildungsunternehmen duzen mit 42 Prozent am häufigsten unter den größeren Branchen, dahinter folgen Gastronomiebetriebe (24,4 Prozent) und Einzelhändler (22,7 Prozent). Deutlich zurückhaltender ist die Baubranche: Nur 4,2 Prozent der Bauunternehmen duzen ihre Kunden, 87,7 Prozent bleiben beim „Sie“.
Die größte Spannweite liegt zwischen Tattoostudios, die mit 85,6 Prozent fast ausnahmslos duzen, und Apotheken, die mit 1,2 Prozent so gut wie nie das „Du“ verwenden. Zwischen beiden Extremen liegen mehr als 84 Prozentpunkte. Die Wahl der Anrede ist damit weniger Ausdruck eines gesellschaftlichen Trends als eine bewusste unternehmerische Entscheidung zwischen Nähe und professioneller Distanz.
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