POTSDAM. Es ist fast wie Weihnachten: Rund 120 Positionen umfasst der Wunschzettel der zwölf brandenburgischen Gemeinden und drei Berliner Stadtbezirke im Umfeld des geplanten Großflughafens Berlin-Brandenburg Internation (BBI) in Schönefeld. Noch weiß niemand ganz genau, ob die erhoffte bessere Verkehrsanbindung in Erfüllung geht, die Deponiesanierung erfolgt oder die neuen Radwege angelegt werden. Aber eines ist klar: Selbst einstmals erbitterte Schönefeld-Gegner wie die Gemeinde Schulzendorf wollen und sollen künftig von dem neuen Airport profitieren. Und sie werden es wohl auch.Dafür bürgen schon die von der gemeinsamen Landesplanungsabteilung Berlin-Brandenburg zugesagten zusätzlichen Gewerbe- und Wohngebiete. 1 350 Hektar Gewerbeflächen und 780 Hektar Wohnflächen sollen die Flughafenanrainer ausweisen können, sagte gestern Abteilungsleiter Gerhard Steintjes. In der Regel handle es sich um ehemals landwirtschaftlich genutzte Flächen. Für die Kommunen bedeutet diese Aussicht bares Geld. Entweder in Form der Gewerbesteuer oder durch höhere Pro-Kopf-Zuweisungen des Landes.All das verbirgt sich hinter dem spröden Titel "gemeinsames Strukturkonzept für das Flughafenumfeld BBI", auf dass sich gestern die betroffenen Kommunen und die Flughafengesellschaft unter tatkräftiger Hilfe der gemeinsamen Landesplanung geeinigt haben. Dieses Konzept schließt ein, dass sich die Kommunen insbesondere bei der Gewerbe- und Wohngebietsentwicklung abstimmen. Vor allem aber ist ein Ausgleich vorgesehen zwischen Gemeinden wie Schönefeld, die von dem Großflughafen überproportional profitieren, und Gemeinden wie Schulzendorf.Trotz des unausbleiblich erhöhten Fluglärms ist sich mittlerweile aber auch Schulzendorfs Bürgermeister Herbert Burmeister sicher, dass seine Gemeinde weiter wachsen wird: "Jetzt haben wir 7 500 Einwohner. Durch den Flughafen könnten wir 10 000 erreichen. Nach heftigem Kampf hat uns die Landesplanung endlich zusätzliche Flächen zugestanden", sagte Burmeister gestern. Er fügte hinzu: "Wir stellen uns selbstverständlich auch einen finanziellen Ausgleich vor." Aber darüber wird hinter den Kulissen verhandelt. Rainer Schwarz, der Chef der Flughafengesellschaft, sagte: "Ein Projekt wie den Flughafen kann man nur gemeinsam mit den Nachbarn stemmen." Will sagen: Nicht gegen sie.Das sieht der Schulzendorfer Bürgermeister inzwischen ganz ähnlich. "Nach dem Flughafen-Urteil im März hätte ich mir ein solches Zwischenergebnis nicht träumen lassen", sagte Burmeister. "Nach den Belastungen kann sich jetzt auch Optimismus entwickeln. Das ist ein guter Tag für unsere Kommune." Bis Ende März soll das abgestimmte Strukturkonzept von allen Kommunalparlamenten verabschiedet werden.Von einem "Meilenstein" sprach gestern nach der letzten Abstimmung mit den Anrainern auch Brandenburgs neuer Bauminister Reinhold Dellmann (SPD). "Bis vor kurzem war die Gesprächsbereitschaft gering. Jetzt geht es endlich darum, die Potenziale der Flughafenregion gemeinsam zu heben", sagte er. Bei den Absprachen, wer welche Funktionen wahrnehme, werde die Landesplanung sich zurückhalten. "Wenn Entwicklungspotenziale da sind, wollen wir mehr Freiheiten zulassen", sagte Dellmann.Auch in Berlin löse der Flughafen Berlin-Brandenburg International schon jetzt Impulse aus, sagte Berlins Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD): "Das gesamte Gebiet zwischen Hauptbahnhof und Adlershof hat einen Schub bekommen. Es gibt eine erhöhte Nachfrage." Auch das sogenannte Baufeld-Ost, gelegen in Treptow-Köpenick, gilt laut Junge-Reyer jetzt als 1-A-Lage. Anfang der 90er-Jahre hatte die inzwischen Pleite gegangene Brandenburger Landesentwicklungsgesellschaft im Auftrag der Flughafengesellschaft das Baufeld für den Airport-Ausbau aufgekauft. Es galt als Verlustbringer in dreistelliger Millionenhöhe. Mit der geplanten Ausweisung als Gewerbegebiet dürfte das Baufeld für die Flughafengesellschaft nun jedoch zur Goldgrube werden. Gegenwärtig werde die Bauleitplanung vorbereitet, sagte Junge-Reyer. Nach dem Baubeginn im September soll der neue Airport im November 2011 öffnen.------------------------------Karte :Flughafenumfeld BBI SchönefeldGoldgräberstimmung: Nach den erbitterten Auseinandersetzungen um den Flughafenausbau herrscht im Süden Berlins und im Umland Optimismus.
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