Hochsaison

Eichenprozessionsspinner in Leipzig: Ein Öko-Drama unter schattigen Riesen

Der unauffällige Nachtfalter breitet sich seit 25 Jahren in Städten aus. Leipzig setzt nun auf einen neuen Trend zur Bekämpfung des gefährlichen Schädlings.

Alexander Schumann
6 Min
Vorsicht vor dem Eichenprozessionsspinner: Seine Brennhaare können noch Jahre später Haut und Atemwege reizen.

Vorsicht vor dem Eichenprozessionsspinner: Seine Brennhaare können noch Jahre später Haut und Atemwege reizen.

© Fotoillustration: Ostdeutsche Allgemeine/Fotos: imago, Wikimedia Commons

Keinem Baum fühlt sich der Deutsche historisch so tief verbunden wie der Eiche. Sie prägte die Romantik und ist bis heute auf den Rückseiten unserer Cent-Münzen verewigt. Sie gilt als Symbol für Robustheit und Stärke. Wenn im Juni die Natur zum Rausgehen einlädt, verwandeln diese majestätischen Riesen Leipzigs Grünanlagen wie den Clara-Zetkin-Park oder den Friedenspark in schattige Paradiese.

Doch genau hier spielt sich derzeit ein ökologisches Drama ab: Der Eichenprozessionsspinner (EPS) hat Hochsaison. Der unauffällige Nachtfalter breitet sich seit 25 Jahren zunehmend im städtischen Bereich aus. Im Juni erreicht die Raupe ihre für den Menschen gefährlichste Phase. Die Larven tragen ab dem dritten Stadium mikroskopisch kleine Brennhaare, die das gesundheitsschädliche Nesselgift Thaumetopoein enthalten.

Die Brennhaare brechen bei der kleinsten Berührung ab und wirken über Jahre hinweg nesselnd. Sie finden sich auf den Raupen, ihren Pfaden, Häutungsresten sowie in den Gespinstnestern und werden durch den Wind großflächig verschleppt. Die Folgen eines Kontaktes sind schmerzhafte Raupendermatitis, Bindehautentzündungen, Atemwegsreizungen oder im schlimmsten Fall allergische Schocks. Auch Tiere sind durch Reizungen gefährdet.

Wie akut das Problem im Leipziger Alltag ist, zeigte sich im Juni an der Franz-Mehring-Schule. Über zwei Tage musste der Schulhof der Grundschule zum Teil gesperrt werden. Die Schulleitung sicherte die Bereiche um drei betroffene Bäume zum Schutz der Kinder ab. „Zum Glück hat die Stadt schnell reagiert“, freut sich Lehrerin Beate Körner. „Schon am nächsten Tag kamen die Baumpfleger und haben die Nester abgesaugt.“

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