Rund 50 Mitarbeiter werden nun ihren Arbeitsplatz verlieren, viele von ihnen mit sofortiger Wirkung. In einer Stellungnahme, die am Montag auf der Website der Kyiv Post veröffentlicht wurde, erklärte der Verleger Adnan Kivan, dass die Zeitung „nur für kurze Zeit“ geschlossen werde. „Gott segne uns alle. Wir hoffen, dass wir die Zeitung eines Tages größer und besser wiedereröffnen können“, so Kivan. Er bedankte sich auch bei dem gesamten Team der Zeitung und dem Chefredakteur Brian Bonner, der jetzt in den Ruhestand geht, nachdem er den Betrieb der Zeitung eingestellt und ihr Archiv bewahrt hat.
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Bonner, der die Redaktion seit 2008 geführt hatte, dankte Kivan „für seine starke Unterstützung, seitdem er die Zeitung gekauft hat“. Die Redaktion der Zeitung findet aber ganz andere Worte zum Abschied. In einer in den sozialen Medien veröffentlichten Stellungnahme erklärten Autoren der Kyiv Post, sie sähen die Schließung der Zeitung als einen Versuch von Kivan, „unbequeme, faire und ehrliche Journalisten loszuwerden“.
Vor drei Wochen informierte Kivan die Redaktion über seine Pläne, die Arbeit der Kyiv Post auszubauen, vor allem mit der Gründung einer ukrainischsprachigen Publikation unter demselben Namen, deren Chefredakteur er selbst ernennen würde. „Wir sahen in dem von Adnan Kivan gewählten Erweiterungsformat erhebliche Risiken“, hieß es in der Stellungnahme der Redaktion. „Wir sahen darin auch einen Versuch, unsere redaktionelle Unabhängigkeit zu verletzen.“
Die Entlassung der Mitarbeiter ist ein Racheakt.
Auszug aus dem offenen Brief der Mitarbeiter der Kyiv Post
Die lautstarke Ablehnung dieser Pläne durch die Redaktion „rief den Widerstand unseres Eigentümers hervor“, so die Mitarbeiter. „Wir betrachten die Einstellung der Zeitung und die Entlassung ihrer Mitarbeiter als einen Racheakt von Adnan Kivan.“
Jetzt glauben Mitglieder der Redaktion, dass Kivan seine Pläne zur „Umstrukturierung“ der Kyiv Post fortsetzen und den Betrieb in einem Monat mit einem neuen Team wieder aufnehmen wird. Damit sei er von seinem Versprechen zurückgetreten, die redaktionelle Unabhängigkeit zu gewährleisten, das er in einem Interview mit dem Chefredakteur Bonner nach dem Kauf der Zeitung gegeben hatte.
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Die Berichterstattung der Kyiv Post war oft kritisch gegenüber mächtigen ukrainischen Oligarchen und führenden Politikern, darunter Präsident Volodymyr Selenskij. Allein in diesem Jahr wurden die Enthüllungen in den Pandora Papers über Selenskijs Offshore-Finanzen und die Schließung von drei prorussischen Fernsehsendern, die den Besitz von Rundfunk und Fernsehen in die Hände einiger weniger Oligarchen drückte, zu Hauptthemen auf der Titelseite der Zeitung.
Die Zeitung und ihre Mitarbeiter sind stolz auf ihre redaktionelle Unabhängigkeit – und darauf, dass sie diese immer wieder verteidigt haben. Im Jahr 2011 wurde der Chefredakteur Bonner entlassen wegen der Veröffentlichung eines Interviews mit dem damaligen ukrainischen Landwirtschaftsminister Mykola Prysyazhnyuk, das gegen den Willen des damaligen Eigentümers, des britischen Geschäftsmannes Mohammad Zahoor, erschien. Die Redaktion streikte wegen der Entlassung und Bonner wurde nach fünf Tagen wieder eingestellt.
Der Eigentümer verdiente sein Geld mit Metallhandel
Die Kyiv Post wurde 1995 als Wochenzeitung von dem amerikanischen Verleger Jed Sunden gegründet. Adnan Kivan, ein syrischer Geschäftsmann und ukrainischer Staatsbürger, kaufte die Zeitung für 3,5 Millionen US-Dollar im Jahr 2018. Er verdiente sein Geld im Metallhandel in der südukrainischen Hafenstadt Odessa, aber seine Geschäftsinteressen liegen jetzt hauptsächlich in der Bauindustrie und in der Landwirtschaft. Außerdem ist er Eigentümer des in Odessa ansässigen Fernsehsenders Channel 7.
Die Mitarbeiter haben Kivan gebeten, ihnen zu erlauben, ihre Arbeit als unabhängige Redaktion fortzusetzen, die Zeitung an einen anderen Eigentümer zu verkaufen oder die Rechte an der Marke „Kyiv Post“ ihnen zu übertragen. Bislang hat Kivan diese Forderungen abgelehnt. „Wir rufen unsere Leser und Anzeigenkunden, Geschäftsleute, Diplomaten, internationale Organisationen und alle anderen, die an unabhängigen Journalismus glauben, auf, uns zu unterstützen“, endet ihre Stellungnahme.
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