Wieder einmal zeigt sich in der Corona-Pandemie, was passieren kann, wenn Politik ihr Handeln nicht bis in die letzte Konsequenz durchdenkt. Leidtragende ist in diesem Beispiel die Eventbranche; ein plastisches Beispiel, schließlich handelt es sich um einen der größten Wirtschaftszweige in Deutschland mit mehr als 240.000 Unternehmen und mehr als einer Million Beschäftigten.
Nach den Vorstellungen des Bundesgesundheitsministers Karl Lauterbach (SPD) können von Oktober an wieder Beschränkungen für öffentliche Veranstaltungen gelten. Ohne weitere Bedingungen wie Tests oder Masken teilnehmen könnten dann nur noch diejenigen, deren dritte Impfung gegen Sars-CoV-2 weniger als drei Monate zurückliegt. Oder jene, die sich eine vierte Dosis gegen das Virus verabreichen lassen, um als „frisch geimpft“ zu gelten.
Die Eventbranche ist entsetzt von den Corona-Plänen der Bundesregierung
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Mag sein, dass das ministeriale Vorhaben nicht ausschließlich medizinisch motiviert ist. Die meisten Experten zumindest raten gesunden Menschen unter 70 Jahren nicht zum wiederholten Boostern. Der Bund dürfte sich freuen, wenn sich seine Bestände an Impfstoff auf diese Weise leeren. Die Eventbranche aber muss im Herbst und Winter mit einer zusätzlichen Unwägbarkeit zurechtkommen, wenn die Bundesländer die Zahl der Teilnehmer an öffentlichen Veranstaltungen bei Bedarf verringern dürfen. Was zu diesem Bedarf führt, bleibt bisher allerdings offen.
Welche Parameter geben den Ausschlag und wie kurzfristig werden sie angewendet? Welche Grenzwerte gelten? Sieben-Tage-Inzidenzen? Die Auslastung von Intensivstationen? Die Belastung der Krankenhäuser insgesamt? Welche Daten liegen überhaupt zuverlässig vor? Verbieten dann Berlin oder Bayern, was Brandenburg oder Niedersachsen erlauben?
Eventbranche: als Erste in den Lockdown, als Letzte wieder heraus
Erneut wird eine Branche zurückgeworfen, das als erste hierzulande in den Lockdown geschickt wurde und ihn als letzte verlassen durfte. Die sich nach mehr als zwei Jahren nun etwas erholt, aber noch unter den Folgen der Zwangspause leidet. Fachkräfte etwa sind rar, weil inzwischen vielfach in andere Branchen abgewandert.
Es ist längst nicht die ganze Dimension des Problems: die Beschäftigten, die Unternehmen, deren Kunden, die kaum dazu bereit sein werden, finanzielle Ausfälle mitzutragen und eher ihre Aufträge stornieren. Sie alle brauchen Planungssicherheit, die ihnen eine Politik im Panikmodus nicht geben kann.
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Auch wenn die Eventbranche in der allgemeinen Wahrnehmung vor allem mit dem Unterhaltungsgewerbe gleichgesetzt wird, mit Konzerten, Festivals, Kultur, lebt sie doch zum größten Teil von geschäftlichen Zusammenkünften wie Messen oder Tagungen. Ihr Einfluss auf Absatz, Umsatz und Erfolg anderer Wirtschaftszweige ist enorm und unbestritten. Sie verschafft außerdem dort, wo sie tätig ist, dem lokalen Dienstleistungssektor Einnahmen: der Hotellerie, der Gastronomie, dem Transportwesen. Sie verhilft dem Fiskus nicht nur selbst, sondern auch über diesen Umweg zu Steuererlösen.
Allerdings: Sie agiert hinter der Bühne, nicht auf ihr. Den publikumswirksamen Auftritt suchen andere: Politiker, Minister, Karl Lauterbach. Vielleicht ist das die Tragik der Eventbranche. Vielleicht ist dies aber auch ihre Chance. An der Veranstaltungswirtschaft lässt sich erkennen, dass die angstgetriebene Strategie der Eindämmung ausgedient hat. In Zeiten von Omikron zumal, jener hochansteckenden, aber weniger krank machendenden Virus-Variante. Es geht um den Schutz derer, die schwere Krankheitsverläufe fürchten müssen. Es wird höchste Zeit, dass das auch beim Letzten ankommt.
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